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Ruedi Blättlers farbenfrohe Weihnachtswelt

«Farbig ist fröhlich. schwarz langweilig»: Ruedi Blättler im Malatelier des Brändi Sursee vor der Wand mit der aktuellen Kartenauswahl. | © 2018 Dominik Thali
«Farbig ist fröhlich. schwarz langweilig»: Ruedi Blättler im Malatelier des Brändi Sursee vor der Wand mit der aktuellen Kartenauswahl. | © 2018 Dominik Thali

Der Engel im Eingang tanzt vor Freude, für den kleinen Jesus hält er eine Rassel als Geschenk in den Händen, an den Wänden bunte Bänder: Im Stall mit der Krippe, den Ruedi Blättler für die Weihnachtskarte der Landeskirche gemalt hat, spielt das Leben in allen Farben. Wie im Alltag des Künstlers selbst. Und in der AWB Sursee der Stiftung Brändi, wo er lebt und arbeitet.

«Farbig ist fröhlich,  schwarz langweilig», sagt Ruedi Blättler. Sein Hemd leuchtet rot, die Halskette glänzt. Auf seinen Bildern sind keine traurigen Menschen zu sehen. Sie lachen und freuen sich. So geht er selbst auch durchs Leben; bedächtig und aufmerksam, gute Worte verschenkend. Man kenne ihn auf der Strasse, erzählt der junge Mann,  der selbstbewusst unterwegs ist. «Aha, der Künstler kommt»,  heisse es jeweils. Er lächelt verschmitzt.

Ruedi Blättler macht und mag auch Musik, volkstümliche vor allem; er spielt Keyboard, lädt zu Playback-Shows ein und hat sein Muulörgeli immer im Sack. Dabei war sein Einstieg in die Arbeitswelt ein ganz anderer. Ruedi Blättler, 1985 geboren, wuchs in Rothenburg mit drei Geschwistern auf und besuchte die Heilpädagogische Schule Hohenrain. In Kreuzlingen macht er eine praktische Ausbildung zum Bäcker und wechselte aber 2007 ins Brändi Sursee. Nach Stationen in der Küche und Abpackerei erhielt er zwei Jahre später einen Platz in der Werkgruppe, in der jene kunstvoll gestaltete Gegenstände entstehen, die vorab am Brändi-Basar und in den Brändi-Läden in Willisau und Luzern sowie im Onlineshop zu kaufen sind – Karten, Windrädli, Zündholzschachtel-Unikate und dergleichen mehr.


An der Gesellschaft teilhaben

Im Malatelier der Werkgruppe kann Ruedi Blättler seine Kreativität entfalten. Was Menschen mit einer Behinderung hier seit 1985 gestalten, beeindruckt durch seine Intensität, Ausdruckskraft und Verschiedenheit. Das kommt an: Die Werkgruppe erhält immer wieder Aufträge und nimmt seit 1992 auch an Ausstellungen teil. Nächstes Jahr im September zum Beispiel wieder im Rathaus Sursee. Ruedi Blättler hat schon für den Männerchor Sursee Bilder zu einem Konzert gestaltet oder fiel auf mit einem Sujet in der Sommer-Edition der Emmi-Kaffeerahmdeckeli.. . Mit ihren Werken hinauszugehen, zu anderen Menschen, sei für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkgruppe «eine Herausforderung, die sie in ihrer Schaffenskraft motiviert», sagt Gruppenleiterin Pia Jungo, Kunstpädagogin. «Das Malen ermöglicht den Menschen mit einer Behinderung, sich in einer anderen, nonverbalen Form mitzuteilen und am kulturellen Leben der Gesellschaft mitgestaltend teilzuhaben.»

Ruedi Blättler mag Weihnachten sehr. Zur Karte der Landeskirche, einem der aktuellen Auftragswerke des Brändi-Malateliers, hat er  geschrieben: «Jesus ist für alle Menschen auf die Welt gekommen, egal, ob sie reich oder arm, klug oder dumm, mit oder ohne Behinderung sind. Das freut mich und das will ich feiern.» Die «immer schönen Geschenke» sind für ihn natürlich ebenfalls wichtig. Dieses Jahr besonders: Sein Keyboard ist ausgestiegen, weshalb unter dem Christbaum ein neues liegen wird. «Das weiss ich schon.»

Dominik Thali

In der Türe tanzt der Engel: die Weihnachtskarte, die der Künstler Ruedi Blättler vom Brändi Sursee für die Landeskirche gestaltet hat. | © 2018 Ruedi Blättler