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Kirchliche Gassenarbeit: «Unterstützung der Kirchen ist unverzichtbar»

Arbeiten eng zusammen: Franziska Reist, Geschäftsleiterin des Vereins kirchliche Gassenarbeit, und Franz Zemp, Gassenseelsorger. | © Jutta Vogel (l.); Priska Ketterer
Arbeiten eng zusammen: Franziska Reist, Geschäftsleiterin des Vereins kirchliche Gassenarbeit, und Franz Zemp, Gassenseelsorger. | © Jutta Vogel (l.); Priska Ketterer

Der Verein Kirchliche Gassenarbeit ist in Luzern und weit darüber hinaus so bekannt und geschätzt wie kaum eine andere kirchliche Sozialinstitution. Geschäftsführerin Franziska Reist und Gassenseelsorger Franz Zemp erklären, was die kirchliche Gassenarbeit ausmacht und warum es die Gelder der Kirchen weiterhin braucht.

Seit 1. Oktober 2018 ist Franziska Reist (51) Geschäftsleiterin des Vereins Kirchliche Gassenarbeit. Reist kennt das Metier bestens. Die Sozialarbeiterin hat die «GasseChuchi» während über drei Jahren geleitet und war vorher viele Jahre im Kanton Bern in der Suchthilfe tätig. «Die neue Aufgabe ist zwar etwas weniger handfest als die Arbeit in der ‹GasseChuchi› – K+A (Kontakt- und Anlaufstelle, Anm. d. Red.), wo ich täglich mit Klientinnen und Klienten in Kontakt stand.» Doch auch die neuen Leitungsaufgaben seien nicht weniger interessant und vor allem sehr vielseitig. «Inzwischen habe ich einen vertieften Einblick in alle Tätigkeitsbereiche der Gassenarbeit bekommen und durfte alle Mitarbeitenden kennenlernen. Es ist eine Freude, wie engagiert und motiviert sie sich um die Menschen von der Gasse kümmern.»

Ein neues Thema ist für Franziska Reist die Mittelbeschaffung. Der Verein Kirchliche Gassenarbeit finanziert seine Tätigkeiten aus den Beiträgen der Kirchen, aus Geldern der öffentlichen Hand sowie aus privaten Mitteln. «Gerade in Zeiten, in denen der Spardruck besonders seitens des Kantons hoch ist, bleibt die Unterstützung der Kirchen unverzichtbar», betont Reist. Nur dank diesen Mitteln seien Angebote möglich wie etwa der Schalter 20, wo Klientinnen und Klienten Hilfe in administrativen und finanziellen Angelegenheiten bekommen, oder das Paradiesgässli, die Institution für Familien mit Suchtproblematik. «Das sind einzigartige Leistungen, die es anderswo nicht gibt und ohne die Kirchen nicht geben würde, weil sie von öffentlichen Stellen nicht finanziert würden.»

Das Schwere etwas leichter machen
Dazu gehört auch die Gassenseelsorge, seit gut drei Jahren eines der Arbeitsfelder von Franz Zemp (53), dem Pfarreileiter im MaiHof – St. Josef. «In der Gassenarbeit nimmt die Kirche ihren Auftrag wahr, für Menschen am Rand der Gesellschaft dazusein»; für jene, die «zwöschenabegheit sind», wie sich der aus dem Entlebuch stammende Seelsorger in seiner bodenständigen Art ausdrückt. «Indem die Kirchen den Verein finanziell mittragen, nehmen sie diesen Auftrag wahr und sorgen dafür, dass die Leute von der Gasse die spezialisierte Unterstützung bekommen, die sie brauchen», so Zemp.

Seine erste Aufgabe als Seelsorger sei es, vor allem einmal da zu sein. «Mein Wirken ist sehr auf den Moment bezogen, um nicht zu sagen flüchtig.» Ein Augenblick des Zuhörens, ein kurzes Gespräch, oft liege nicht mehr drin. «Aber schon das kann helfen, diesen Frauen und Männern das Schwere im Leben für einen Moment etwas leichter zu machen.»

Offen auf die Menschen zugehen
Das Schwere – Sucht, Krankheit und Tod – hat seinen festen Platz in der Arbeit von Franz Zemp. «Vielleicht sind deshalb viele Gassenleute so offen für existenzielle Fragen und Spiritualität», sinniert er. «Das könne christlich, buddhistisch oder esoterisch sein. Ich begegne den Menschen in aller Offenheit, ich will niemandem etwas aufdrängen.»

Offen ist auch die Gedenkfeier für Drogenopfer am 7. Februar in der Matthäuskirche (siehe Kasten). Angehörige, Freunde und Mitarbeitende der Gassenarbeit erinnern sich an diejenigen, die im vergangenen Jahr am Drogenkonsum und dessen Folgen gestorben sind. Alle sind zu dieser ökumenischen Feier eingeladen. Sie steht unter dem Titel «Gegen das Vergessen» und will vor allem auch an die erinnern, die einsam und im Stillen gestorben sind. «Es ist eine Würdigung von Menschen, deren Biographien zwar gebrochen sind, die aber trotz allem zur Gesellschaft gehören.»

Neue Formen des Konsums
Franziska Reist schätzt die Arbeit von Gassenseelsorger Franz Zemp. Diese helfe mit, den Menschen auf der Gasse ein würdigeres Leben zu ermöglichen, zudem halte sie das Bewusstsein für die Suchtproblematik wach. «Der Konsum verändert sich», beobachtet Reist. Zum Beispiel in der Partyszene und in Clubs. «Hier braucht es andere, neue Angebote.» Zurzeit sei man daran, ein Pilotprojekt aufzugleisen, das auf Information, Prävention und Beratung setze. Gerade in einer Stadt wie Luzern mit zahlreichen Clubs, wo Kokain und synthetische Drogen konsumiert werden, bleibe noch viel zu tun. Es bliebe unmöglich, ohne die Unterstützung der Kirchen.

Urban Schwegler, Pfarreiblatt der Kirchgemeinde Luzern

Kirchliche Gassenarbeit

Der Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern unterstützt mit seinen 50 Mitarbeitenden über 600 sucht- und armutsbetroffene Menschen mit den Betrieben GasseChuchi – K+A, Schalter 20, Paradiesgässli, aufsuchende Sozialarbeit und Seelsorge. Ebenso sind die GasseZiitig und das Catering Mundwerk Angebote der Gassenarbeit. Finanziert wird der Verein durch die öffentliche Hand, die Kirchen und Spendengelder. Die Katholische Kirche Stadt Luzern unterstützt die Gassenarbeit im Jahr 2019 mit einem Betrag von 374’000 Franken, von der Landeskirche fliessen 35’000 Franken. Diese stellt mit Synodalrätin Renata Asal-Steger zudem die Präsidentin des Trägervereins.

gassenarbeit.ch


Gedenkfeier für Drogenopfer

  • Donnerstag, 7. Februar 2018, 19 Uhr, Matthäuskirche Luzern
  • Gestaltung: Franz Zemp, Seelsorger Verein Kirchliche Gassenarbeit und Katholische Kirche Stadt Luzern; Heinz Kernwein, Seelsorger Reformierte Kirche Stadt Luzern; Simone Steffen, Gesang; Mark Steffen, Piano, Dominik Helbling Gitarre
  • Anschliessend Suppenessen an der Hertensteinstrasse 30