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Geocaching: die GPS-Schatzsuche peilt auch Kirchen und Kapellen an

Goldvreneli, wie es hier vor der Kapelle Urswil im Erdreich steckt, gibt es beim Geocaching nicht gerade zu orten - den Findern eines «Schatzes» winken aber oft Belohnungen anderer Art. | © 2017 Dominik Thali
Goldvreneli, wie es hier vor der Kapelle Urswil im Erdreich steckt, gibt es beim Geocaching nicht gerade zu orten - den Findern eines «Schatzes» winken aber oft Belohnungen anderer Art. | © 2017 Dominik Thali

Geocaching ist Schnitzeljagd mit Hilfe von oben: Satelliten. Manche Geocacher verstecken ihre Schätze gerne um Kirchen und Kapellen. Was mitunter ungeahnte Nebenwirkungen hat.

Wer für seine Schatzsuche auf www.geocaching.com «Kapelle zum Einkehren» anklickt, sieht vor sich ein Quadrat mit 289 Feldern voller Buchstaben und Zahlen. Die knappe Anleitung muss genügen, das Rätsel zu lösen: «Von A-Z, jeweils die Zahl des Ersten. Die Quersumme aller Zahlen (x) ergibt 8.»
Schwierig? Ach wo! Wer sich in dem Kirchlein neben dem Wirtshaus Herlisberg ein paar Augenblicke Ruhe schenkt, wachen Auges, erhält die Lösung geschenkt – buchstäblich. Sie führt ihn zwei Steinwürfe weiter zum Schatz – dem Cache –, wo man sich ins Logbuch als Finder einträgt.

Neue Orte entdecken
Das liebevoll gestaltete Etwas hergestellt und versteckt haben die Geocacherinnen Ritibenz und Goudmari aus dem Nachbardorf. Cacher geben ihren richtigen Namen nicht preis; Aussenstehende bezeichnen sie als Muggels – Harry Potter lässt grüssen. Eine Geheimniskrämerei ist die Sache freilich nicht, vielmehr ein spannendes Freizeitvergnügen, bei dem man «immer wieder neue Wege und Orte» entdecke, sagt Ritibenz. Die 37-Jährige macht sich seit zwei Jahren auf die Pirsch.
Den Cache in der Kapelle Herlisberg setzen sie und ihre Schwester Goudmari vergangenen Herbst, als die Kapelle nach der Renovation neu eingesegnet wurde. Mit dem Einverständnis von Pastoralassistent Thomas Villiger. Dieser war schon begeistert, als Ritibenz bei der Lourdesgrotte ein halbes Jahr zuvor unterhalb der Pfarrkirche Römerswil den Cache «Kraftort» eingerichtet hatte. Auch Villiger stellt fest: «Geocaching führt Menschen an Orte, an die sie sonst nie gegangen wären. An Orten wie der Grotte oder «Kapelle zum Einkehren» fänden sie auch «Seelenahrung, Oder sie können sich einfach an der Stille stillen».

«Wer sucht, wird leben»
Von den gut 30 000 Caches in der Schweiz tragen über 300 das Stichwort «Kapelle» oder «Kirche» schon im Namen. Fast 30 davon hat Cacher Lobo73 (53) aus dem Wiggertal gesetzt. Er ist seit 2008 mit dem GPS-Gerät unterwegs und hat seither bald 7500 Caches in 16 europäischen Ländern aufgespürt. An Kapellen ist Lobo73 vor allem interessiert, «weil diese oft kaum sichtbar irgendwo stehen und jede ihren eigenen Schutzpatron hat», erzählt er. Das gibt viel her für Rätseleien. Lobo73 fing mit den Siebenschläfer-Kapellen an und hat inzwischen bei 27 Kirchlein einen Geocache versteckt. Solche (aber nicht von ihm) gibt es etwa auch zu den Klöstern St. Urban und Einsiedeln.
Seelsorger Thomas Villiger pflichtet ihm bei. Spirituelle Orte eigneten sich sehr gut zum Cachen, findet er. Ohnehin: «Suchen ist ein zentraler Auftrag für uns Christen. Wer sucht, wird leben, sagt schon der Prophet Amos.»

Nicht im Gebäude selbst
Wichtig sind Villiger beim Verstecken Hinweise auf den Respekt vor dem Ort und den Anwesenden. Im Beschrieb zum Cache zur Kapelle Herlisberg heisst es entsprechend: «Dass man sich […] still und unauffällig verhält, sollte selbstverständlich sein.» Das sieht Lobo 73 genau so. Für ihn ist klar, dass ein Versteck nie in einer Kirche oder Kapelle selbst, auf einem Friedhof oder an einem Wegkreuz angebracht ist. Diese Orte lieferten lediglich den Hinweis darauf, wo der Schatz zu finden ist. Ritibenz und Goudmari weisen beim Herlisberger Cache sogar darauf hin, es müsse nichts berührt werden, um das Rätsel lösen zu können.
Andere Cacher seien von seiner Kapellen-Serie begeistert, stellt Lobo 73 fest. Manche reisten eigens von weit her ins Luzerner Hinterland an. Auch Ritibenz und Goudmari ernten für ihren Herlisberger Cache zufriedene Nutzerkommentare. Etwa diesen: «Besten Dank für das witzige Rätsel und das Zeigen der schön renovierten Kapelle.»

Dominik Thali

 

In Herlisberg steht eine von vielen Kapellen, die Ausgangspunkt für eine die Schatz­suche per GPS-Gerät ist. | © 2016 Gregor Gander

Schnitzeljags mit GPS-Hilfe

Geocaching, abgeleitet von griechisch Erde und englisch Versteck), ist eine Art Schatzsuche. Die Verstecke (Caches) werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und mithilfe eines Satelliten-Empfängers (GPS) gesucht. Dafür genügt auch ein Smartphone. Ein Cache ist in der Regel ein Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie häufig kleine Tauschgegenstände befinden. Der Besucher trägt sich als erfolgreicher Finder in ein Logbuch ein.

www.geocaching.com