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Generalvikar Markus Thürig: «Gute Beziehungen sind die Grundlage»

Generalvikar Markus Thürig an einer Sitzung im Bischofsrat. Neben ihm sitzt Sarah Gigandet, die theologische Assistentin von Bischof Felix Gmür. | © 2019 Felix Wey
Generalvikar Markus Thürig an einer Sitzung im Bischofsrat. Neben ihm sitzt Sarah Gigandet, die theologische Assistentin von Bischof Felix Gmür. | © 2019 Felix Wey

«Das duale System fördert das kirchliche Leben, finde ich. Es macht Betroffene zu Beteiligten, stützt Entscheidungen breiter ab, verteilt Aufgaben auf mehr Schultern und unterstützt das gemeinsame Ringen nach evangeliumsgemässem Handeln in der Kirche. Das ist bei all den Themen wichtig, die ich als Vertreter des Bistums mit staatskirchenrechtlich Verantwortlichen besprechen und klären muss. In Kirchgemeinden geht es zum Beispiel um Bauvorhaben in Sakralgebäuden, in kantonalen Körperschaften um die Finanzierung der Bistumsverwaltung oder auf gesamtschweizerischer Ebene um die Bildung.

Gemeinsam sachgerechte Lösungen finden

In den staatskirchenrechtlichen Exekutiven sitzen mir immer wieder sach- und konsensorientierte Frauen und Männer gegenüber. Es ist schön, wenn grosse Fragen mit beträchtlichen Meinungsverschiedenheiten gemeinsam beantwortet werden können, weil sich beide Seiten um eine sachgerechte und langfristige Lösung bemühen. Anderseits nehmen manchmal Exekutivmitglieder ein Amt mit falschen Erwartungen an. Sie glauben zum Beispiel, sie könnten dann die Jugendarbeit bestimmen. Eine neuere Herausforderung sind Exekutivmitglieder, die das kirchliche Leben noch nicht kennen. Ihre Erwartungen und Selbstverständlichkeiten reiben sich regelmässig an der Kirchenkultur. Schwierig wird es generell, wenn die Auslegung der Zuständigkeiten oder der Rechtsgrundlagen unterschiedlich ist, wenn es Zielkonflikte gibt oder wenn Verhandlungspartner der Materie nicht gewachsen sind.

Menschen, die vom Eigenen verschenken

Entscheidend für tragfähiges Handeln im dualen System finde ich den Ausgleich der Kräfte. Machtspiele, Sieger und Verlierer oder «Dorfkönige» zerstören das Miteinander. Gemeinsame Ziele, verlässliche und offene Zusammenarbeit sowie der Blick auf das Gemeinwohl vor Ort und in der weltweiten Kirche bringen gute Früchte. Überhaupt finde ich: Weder die staatskirchenrechtliche noch die pastorale Seite noch beide zusammen verfügen je über das duale System. Es basiert letztlich auf Beziehungen zwischen Menschen, die ihr Leben aus christlicher Überzeugung gestalten. Das hat niemand je im Griff. Das duale System lebt und trägt kirchliches Leben mit, solange Menschen aufeinander zugehen, vom Eigenen verschenken, das Wohl der Anderen suchen und nichts mehr sein möchten als eine Zeugin oder ein Zeuge der Frohen Botschaft Jesu Christi in unserer Zeit.»

Markus Thürig, 61, stammt aus Malters und wurde 1984 zum Priester geweiht. Nach Seelsorgestellen in Basel, Kriegsstetten und Münchenstein wurde er 2011 Generalvikar des Bistums Basel.

Dual stark (XV)

In der katholischen Kirche in der Schweiz verantworten Seelsorge und Behörden die Kirche gemeinsam. Das «Kirchenschiff» lässt Personen zu Wort kommen, die in diesem dualen System tätig sind. In dieser Ausgabe: Markus Thürig, Generalvikar des Bistums Basel.