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Die Oase-W im Kloster Wesemlin in Luzern: «Wir stehen erst am Anfang»

Eine Oase – mitten in Luzern: Das Kloster «Wesemlin» aus der Luft. | © 2011 P. Bruno Fäh
Eine Oase – mitten in Luzern: Das Kloster «Wesemlin» aus der Luft. | © 2011 P. Bruno Fäh

Mit der «Oase-W» gehen die Kapuziner im Kloster Wesemlin neue Wege. Guardian Hanspeter Betschart über erste Erfahrungen mit neuen Mitbewohnern, den Umbau des Klostergartens und den geplanten Ausbau spiritueller Angebote.

Das «Wäsmeli» nennt sich jetzt Oase-W, seit Herbst kehrt neues Leben in die alten Räume ein. Was macht die Oase zu einer Oase?
Hanspeter Betschart: Wir bauen immer noch daran und entwickeln. Der erste Schritt war die Sanierung der Klosteranlage, diese ist abgeschlossen. Wir Kapuziner haben uns in den Altbau zurückgezogen. Dafür hat sich in ehemaligen Klosterräumen ein medizinisches Zentrum eingemietet, und es gibt zehn Wohnstudios für klosternahes Wohnen, von denen acht seit Herbst ebenfalls vermietet sind. Neu gibt es spirituelle Angebote auch für Besucherinnen und Besucher von aussen, wir planen einen Neubau mit Mietwohnungen und als letztes wird der Umbau des Klostergartens folgen.

Wie bewältigen die Kapuziner dies alles?
Wir sind wirklich nur noch wenige, 13; in den letzten drei Monaten hatten wir zwei Todesfälle. Etliche von uns sind zudem auch ausserhalb des Klosters tätig, ich zum Beispiel an der Theologischen Fakultät und in der Quartierseelsorge. Als ich im September Guardian wurde, stürzte ich mich in die neue Aufgabe, musste aber bald merken, dass ich mich stärker im Haus selbst engagieren muss. Das ist unser Kerngeschäft. Das Angebot muss wachsen. Und Kommunikation ist sehr wichtig, nach aussen, aber auch nach innen.

Wie organisieren sie sich?
Wir haben ein Hausteam gebildet, das aus vier Kapuzinern und einer angestellten Koordinatorin besteht. Weiter gibt es den Hausrat, den drei Kapuziner bilden, dazu kommt ein Spiritualitäts-Team. Der Prozess läuft noch, die Vernetzung muss noch besser werden.

Sie selbst werden dieses Jahr 65 und waren 17 Jahre Pfarrer in Olten, bevor Sie nach Luzern kamen. Der Umzug aus dem eigenen Haushalt zurück in die Klostergemeinschaft dürfte eine Umstellung gewesen sein.
Durchaus. Nach so vielen Jahren in einem Pfarrpalais mache ich sozusagen noch einmal ein Noviziat (lacht). Es braucht einfach alles Zeit. Wir haben es aber wirklich schön, die Gebäude sind gediegen restauriert worden, alle Zimmer haben jetzt WC und Dusche, es ist eine Freude.

Im Oktober zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in die Studios für klosternahes Wohnen. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Enorm gut. Die jüngste Person ist 37, die älteste 75, zur Hälfte sind es Frauen und Männer.

Von den Bewohnerinnen und Bewohnern wird «die ausgewiesene Bereitschaft» erwartet, wie es in den Aufnahmekriterien heisst, sich «auf das religiöse Umfeld einzulassen und es mitzutragen». Geschieht dies?
Ja. Einerseits können sie am Chorgebet teilnehmen und am Morgen und Mittag mit uns essen. Wir haben die Klosterordnung angepasst und versammeln uns nicht mehr schon um 6.15 Uhr, sondern erst eine Stunde später. Weiter betreut einer der jüngeren Bewohner mit unserem jüngsten Kapuzinerbruder die Suppenstube; dort geben wir im Jahr um die 3000 Mahlzeiten aus. Ein anderer, älterer Bewohner hat uns an der Pforte ausgeholfen. Die Bewohnerinnen und Bewohner treffen sich unter der Leitung der angestellten Koordinatorin regelmässig. Zurzeit führen wir ein neues Brevier ein, das die schwierigen alten Psalmen mit einer neuen Sprache verständlich machen will.

Der Garten ist ja schon seit einiger Zeit für alle offen.
Er ist ein ganz wichtiger Faktor im Projekt Oase-W. Diese zwei Hektaren sind eine wirkliche Oase und bringen viele Menschen ins «Wäsmeli». Geplant ist, den Garten so umzugestalten, dass er einen besinnlichen, spirituellen Charakter erhält.

Das klosternahe Wohnen, der besinnliche Garten, und als drittes die spirituellen Angebote: Wie gedeihen diese?
Da stehen wir erst am Anfang. Ein Team von sechs Personen arbeitet daran. Ich biete zum Beispiel nach Aschermittwoch eine Heilfastenwoche an und Ende Juni eine Assisireise. Exerzitien im Alltag sind ein Thema, klosternahe Wochenenden, Führungen oder Treffen von franziskanischen Gruppen. Im Jahr der Barmherzigkeit ist unsere Kirche zudem eine von vier Ablasskirchen im Bistum Basel. Wir mussten die Beichtzeiten zwar einschränken, aber das Angebot wird von unterschiedlichsten Leuten rege benutzt. Zum Vergleich: In Olten nahm ich in den 17 Jahren gerade mal drei Beichten ab, alle von Ausländern.

Dies alles bringt viel Betrieb. Ungewohnt für die Klostergemeinschaft?
Eigentlich nicht. Wir hatten schon immer viele Gäste und auch Angestellte. Für manche Kapuziner ist höchstens gewöhnungsbedürftig, dass mit der Koordinatorin, die auch zum Spiritualitätsteam gehört, eine Frau ihr Büro in unserer Klausur hat.

Ist das «Wäsmeli» eine christliche Wohngemeinschaft geworden?
Das kann man so sagen.

Und aber auch zu einem Überlebensprogramm für die Kapuziner in Luzern?
Auf jeden Fall. Und zwar sichert die Oase-W auch unser wirtschaftliches Überleben. Abgesehen davon, dass die Klosteranlage für uns wenige Brüder einfach viel zu gross wurde, ist es sinnvoll, daraus etwas zu machen. Vor allem das Medicum wird sehr geschätzt. Das Projekt wird von aussen wohlwollend aufgenommen, weil wir mit Bedacht vorgehen. Der inzwischen enorm hohe Bodenpreis auf dem «Wäsmeli» erleichtert uns den Wohnungsbau natürlich.

Das Interesse, hier einzuziehen, ist offenbar gross.
Für das klosternahe Wohnen meldeten sich 60 Interessentinnen und Interessenten. Und für den erst geplanten Neubau mit 30 Wohnungen haben wir schon 50 Anfragen. Wir werden auch bei den Wohnungen, bei denen die Verbindlichkeit weniger gross ist, auswählen, wer zu uns passt und die Gemeinschaft mittragen will. Auch sollen die Mieten mässig sein.

Haben Sie mit diesem Interesse gerechnet?
Es wundert mich nicht. Einerseits wegen unserer Lage – wer hat schon einen solchen Garten vor der Haustür? Anderseits sehen sich viele Menschen danach, in ihrem Leben Werte höher zu gewichten, die sich nicht kaufen lassen.

Wie lebt ihre Ordensgemeinschaft in zehn Jahren?
Wir haben keinen Businessplan. Dank unserer Vernetzung, der bisherigen in der Stadt und der neuen durch die Oase-W, sollte der Betrieb auch mit noch weniger Mitbrüdern möglich sein. Und die Mietzinseinnahmen ermöglichen uns angestelltes Personal.

Interview: Dominik Thali

Bruder Hanspeter Betschart im Kreuzgang des «Wäsmeli». Der neue Guardian stammt aus Hochdorf. | © 2016 Dominik Thali

Bruder Hanspeter Betschart im Kreuzgang des «Wäsmeli». Der neue Guardian stammt aus Hochdorf. | © 2016 Dominik Thali

Hanspeter Betschart, geboren 1951, aus Hochdorf, 1977 Ordenseintritt, 1979 Priesterweihe. Seit September 2015 Guardian (Oberer) des Kapuzinerklosters Wesemlin in Luzern. Zuvor 17 Jahre Pfarrer in Olten, seit 1998 Dozent für Latein und Griechisch an der Universität Luzern.

Von Hanspeter Betschart ist kürzlich die Anekdotensammlung Domspatzen und Säulenheilige erschienen (Knapp-Verlag, Olten, ISBN 978-3-906311-06-7), Bezug im Kloster oder Buchhandel, Erlös und Spenden fliessen in den Ausbau des «Wäsmeli»-Gartens.


Spirituelle Angebote

Die Kapuziner des Klosters Wesemlin setzen mit ihrer Oase-W spirituelle Akzente mit Angeboten in Meditation, Gebet, Liturgie und religiöser Bildung. Sie sind offen für alle Interessierten.

Die Kapuziner bilden neben den Franziskanern und den Minoriten einen der drei grossen Zweige des ersten Ordens des heiligen Franziskus (1182–1226). Kapuzinerklöster gibt es in der Schweiz nebst Luzern noch in Brig, Mels, Olten, Rapperswil, Schwyz und Wil; an vier weiteren Orten sind Kapuziner in der Seelsorge tätig. Die Schweizer Kapuzinerprovinz zählt zurzeit rund 150 Mitglieder, in Europa sind es rund 4100 (inkl. Novizen), weltweit 10 200. Generalminister (weltweiter Oberer) ist der Bündner Mauro Jöhri.