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Brigitte Glur-Schüpfer: «Miteinander dialogisch offen unterwegs sein»

Brigitte Glur-Schüpfer und Bischofsvikar Hanspeter Wasmer leiten die Bistumsregion St. Viktor, zu der die Kantone Luzern, Zug, Thurgau und Schaffhausen gehören. Das Bild entstand auf der Terrasse der Landeskirche Luzern, wo das «St. Viktor» seine Büros hat. | © 2020 Roberto Conciatori
Brigitte Glur-Schüpfer und Bischofsvikar Hanspeter Wasmer leiten die Bistumsregion St. Viktor, zu der die Kantone Luzern, Zug, Thurgau und Schaffhausen gehören. Das Bild entstand auf der Terrasse der Landeskirche Luzern, wo das «St. Viktor» seine Büros hat. | © 2020 Roberto Conciatori

Seit Anfang Juli ist Brigitte Glur-Schüpfer neue Regionalverantwortliche der Bistumsregion St. Viktor. Die Fragen nach Frauen und Kirche – und damit verbunden nach Macht, Klerikalismus, Partizipation, Diensten und Ämtern in der Kirche – stünden im Zentrum notwendiger Reformen, sagt Glur. Als frühere Synodalrätin der Luzerner Landeskirche weiss sie um das Miteinander, das es dafür braucht.

Als neue Regionalverantwortliche der Bistumsregion St. Viktor sind Sie vor allem Managerin und nicht mehr Seelsorgerin. Wie fühlt sich das an?

Die Seele nährt sich vom dem, woran sie sich freut: Diese Aussage stelle ich gerne an den Anfang. Ja, ich arbeite mit der neuen beruflichen Aufgabe im Bistum nicht mehr als Pfarreiseelsorgerin, ich bin und bleibe jedoch Seelsorgerin. Als Regionalverantwortliche begegne ich weiterhin vielen Menschen in unterschiedlichen Situationen und verschiedensten Zusammenhängen. Ich habe eine Leitungsaufgabe im Bistum Basel übernommen und führe und begleite dadurch ebenfalls Menschen führen. Ich bin der Überzeugung, dass man Menschen nicht «managen» kann. Es wird die Kunst sein, Menschen so zu führen, dass ein Klima des gegenseitigen Vertrauens geschaffen wird, um miteinander dialogisch offen unterwegs zu sein. Es geht mir vom Auftrag des Evangeliums her darum, Menschen zu ermutigen und zu stärken.

Das Bischofsvikariat vertritt den Bischof in der jeweiligen Bistumsregion. Welche Aufgaben hat die Bistumsregion St. Viktor?

Das Bistum Basel ist in drei Bistumsregionen eingeteilt. Die Bistumsregion St. Viktor umfasst die Kantone Luzern, Schaffhausen, Thurgau und Zug. Für jede Bistumsregion ist ein Bischofvikariat zuständig. Der Bischofsvikar und die Regionalverantwortliche vertreten den Bischof in der jeweiligen Bistumsregion. Dies sind folgende Aufgaben:

  • Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden auf lokaler und den Landeskirchen auf kantonaler Ebene in finanziellen und anderen Fragen
  • Verbindung zwischen den Parlamenten der Landeskirchen und dem Bischof gewährleisten
  • Personelle Aufgaben wie Mitarbeitergespräche mit den Pastoralraumleitungen und Stellenleitungen und die Beteiligung, wenn solche Leitungsstellen neu besetzt werden
  • Führungsverantwortung in der Umsetzung der pastoralen Konzepte des Bistums zusammen mit den Pastoralraum- und Pfarreileitungen
  • Führen der Spezialseelsorgestellen sowie der Fachstellen in Bereichen wie Spital, Kliniken, Behinderte, Gehörlose, Gefängnis, Katechese, Jugendarbeit, Hochschule und Ökumene in allen vier Kantonen
  • Sitzungen von Fachkommissionen oder Steuergruppen, Mitarbeitergespräche und Wahrnehmung der Aufsichtspflicht gegenüber Fachbereichs- oder Fachstellenleitenden und anderssprachigen Missionen und Gemeinschaften
  • Teilnahme an den Sitzungen und Mitarbeit im Bischofsrat in Solothurn

Wie sieht die Aufgabenteilung zwischen Ihnen und dem Bischofsvikar Hanspeter Wasmer aus?

Grundsätzlich haben wir uns die Zuständigkeit für die Pastoralräume in allen Kantonen aufgeteilt. Bei den kantonalen Körperschaften und Institutionen bin ich für zwei Jahre für den Kanton Thurgau und den Kanton Zug zuständig. Zudem bin ich für die Spezialseelsorge in allen vier Bistumskantonen verantwortlich.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie auf sich zukommen?

Eine grosse Herausforderung ist, die faszinierende und befreiende Botschaft von Jesus Christus in der heutigen Zeit glaubwürdig zu leben und zu verkünden. Für mich geht es um folgende Themen:

  • Die Fragen nach Frauen und Kirche – und damit verbunden die Fragen nach Macht, Klerikalismus, Partizipation, Diensten und Ämtern in der Kirche – stehen im Zentrum notwendiger Reformen.
  • Wie kann sich die Kirche für mehr Gerechtigkeit (Solidarität mit den Armen, Flüchtlinge, Randständige usw.) und für die Bewahrung der Schöpfung respektive die Klimafrage noch besser einsetzen?
  • Wie können sich die Kirchen zu existentiellen Themen des Menschen wie Geburt, Sterben, Tod, Vorstellungen vom Himmelreich, Schuld, Gnade oder Sehnsucht stärker einbringen?
  • Wie werden in einer künftigen Pastoral die Fragen der Menschen, ihr Suchen und Zweifeln, ihr Sehnen und Hoffen ernst genommen und wie kann christlicher Glaube in vielfältiger Verbundenheit so gelebt werden, dass die biblische Botschaft und die Geistkraft Gottes die Menschen stärkt?

Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich auf die vielfältigen Herausforderungen und die zahlreichen Begegnungen mit den Menschen. Es freut mich auch, dass in dieser sehr spannenden «Umbruchzeit» die Zukunft der Katholischen Kirche im Bistum Basel mitgestalten kann.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Gerne mit Lesen und kulturellen Ausflügen (Kunstausstellungen, Klassische Konzerte, Oper, Lesungen). Zusammen mit meiner Familie und mit Freunden geniesse ich kulinarische Leckerbissen und ein gutes Glas Wein. Ferien verbringen wir in den Schweizer Bergen (mit Skifahren im Winter) oder wir besuchen andere Kulturen und Städte.

Interview: Bernadette Thalmann, katholische Kirche im Kanton Zug. Das Gespräch wurde schriftlich geführt.

Promovierte Theologin

Brigitte Glur-Schüpfer (56) ist in Rickenbach (LU) aufgewachsen und wohnt in Meggen. Sie ist verheiratet mit Thomas Glur und Mutter eines 18-jährigen Sohns. Nach der Matura studierte Brigitte Glur Theologie in Luzern und Tübingen, anschliessend Pädagogik am Kantonalen Lehrerinnenseminar in Luzern. Nach einigen Jahren als Dozentin, u.a. an der Pädagogischen Hochschule und an der Universität Luzern, promovierte sie an der Universität Luzern. 2013 bis 2015 folgte das Nachdiplomstudium Berufseinführung und die Tätigket als Pfarreiseelsorgerin. Am 1. Juli wurde Brigitte Glur-Schüpfer neue Regionalverantwortliche in der Bistumsregion St. Viktor als Nachfolgerin von Margrith Mühlebach-Scheiwiller, die in Pension geht. Zuvor gehörte sie während knapp drei Jahren dem Synodalrat der Luzerner Landeskirche an.

Die Einsetzungsfeier von Brigitte Glur-Schüpfer findet (zusammen mit der Einsetzung von Valentine Koledoye als Bischofsvikar St. Urs und der Verabschiedung von Margrith Mühlebach-Scheiwiller und Christoph Sterkman) am 21. August um 17.15 Uhr, in der Kathedrale in Solothurn statt.