Kirche und Denkmalpflege: schützen und trotzdem weiter nutzen
Dominik Thali
Im Kanton Luzern ist knapp 1 Prozent aller Gebäude denkmalgeschützt, 2,5 Prozent sind als schützenswert eingestuft. Das ist im schweizweiten Vergleich wenig. Von den gut 1000 denkmalgeschützten Kulturdenkmälern sind hingegen mehr als ein Drittel kirchliche Bauten. Sebastian Geisseler (43), seit April 2025 kantonaler Denkmalpfleger, spricht von einer «spannenden Vielfalt». Mit Zeugnissen, die bis ins 11. Jahrhundert reichen wie der Kirche St. Martin im Kirchbühl in Sempach, und neueren wie der Baldegger Klosteranlage von 1972. Die Luzerner Sakrallandschaft sei «in dieser Dichte und Intensität einmalig».
«Vertrauensvolle Zusammenarbeit»
Entsprechend sei die Kirche «eine gute Kundin der Denkmalpflege», bringt es Geisseler auf den Punkt. Sie beschere seinem Team aber nicht bloss viel Arbeit, sondern auch spannende. Die Kritik etwa daran, dass auf einem Kirchendach keine Photovoltaikanlage möglich seien, dass Bänke nicht entfernt werden dürften oder eine Turmkammer nicht umgenützt werden könne, täusche über die «vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden» hinweg, welche die Regel sei.
Geisseler weiss freilich, dass die Denkmalpflege mitunter einen schweren Stand hat und räumt ein, die Diskussionen seien gelegentlich «herausfordernd». Es sei aber Aufgabe der Denkmalpflege, die historische Substanz und den Charakter eines Baudenkmals zu erhalten. Die künftige Nutzung diene diesem Ziel zwar ebenfalls. «Doch wo die Schutzinteressen überwiegen, sind teils nicht alle gewünschten Änderungen mit den denkmalpflegerischen Anforderungen vereinbar.» Um beim Beispiel Kirchenbänke zu bleiben: Solche könnten kunsthistorisch wertvoll sein. Oder aber, weil von geringerer Bedeutung, durch eine mobile Lösung ersetzt werden wie in der Peterskapelle Luzern. Umgestaltungen müssten auf jeden Fall «von hoher Qualität» sein, erklärt Geisseler. «Kirchen sind seit jeher Orte, an denen das Schöne Platz hat und den Charakter eines Baus prägt.»
Früh das Gespräch suchen
Es gebe dabei nur Einzelfälle, betont der Denkmalpfleger. «Wir müssen für jede einzelne Kirche eine stimmige Lösung finden.» Was meist – siehe oben – auch gelingt. Eine Voraussetzung dafür sei, dass die Denkmalpflege früh einbezogen werde, sagt Geisseler. «So kommen wir ins Gespräch und finden miteinander einen Weg. Das ist unsere Botschaft an die Kirchgemeinden.»
Neue Finanzierungsmodelle entwickeln
Er anerkennt, mit wie viel Veranwortungsbewusstsein und finanziellem Aufwand sich die Kirchgemeinden für ihre Baudenkmäler einsetzen. Dafür haben sie im Kanton Luzern meist auch noch genug Geld. Brummt der Wirtschaftsmotor aber einmal schwächer und sinken die Mitgliederzahlen weiter, kann sich dies ändern. Dessen sei sich die Denkmalpflege bewusst, sagt Geisseler. «Wir müssen uns deshalb mittelfristig fragen, wie wir die kirchlichen Baudenkmäler auch dann erhalten können, wenn sich die finanziellen Rahmenbedingungen ändern.» Denkmalpflege sei eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft.
Geisseler sagt dies auch vor dem Hintergrund, dass die Kirche in naher Zukunft kaum mehr alle sakralen Räume braucht, die sie heute noch nutzt. Das wirft Fragen auf, die sich vorerst vor allem in der Stadt Luzern stellen. Die kirchliche Nutzung aufzugeben ändere grundsätzlich nichts am denkmalrechtlichen Schutzstatus des Gebäudes, stellt Geisseler schon mal klar. Doch wie eine Kirche umnutzen? «Wir haben inzwischen Erfahrung, wie man aus Fabriken Büros oder Wohnungen macht», sagt Geisseler. «In Bezug auf Kirchenbauten aber haben wir Umnutzungen noch kaum durchgespielt.»