Der Kleiderladen für Menschen in Armut
Dominik Thali
Kleider und Schuhe, Taschen, allerlei Accessoires, Schulrucksäcke oder Bettwäsche: Die Auswahl ist breit. In dem grossen Raum im Murihof im Surseer Kirchenbezirk gehen Menschen ein und aus, die ihr Geld gut einteilen müssen: Armutsbetroffene aus Sursee und Umgebung. Im «Offenen Kleiderschrank» können sie sich kostenlos bedienen. Diese Möglichkeit nutzten letztes Jahr um die 100 Familien, 400 bis 500 Personen insgesamt.
Der «Offene Kleiderschrank» entstand 2015/16, als viele Flüchtlinge in die Schweiz kamen. Die Solidarität war damals auch in Sursee gross. Die dortige Arbeitsgruppe Flüchtlinge gelangte darauf an die ökumenisch getragene Soziale Arbeit der Kirchen, die seither den «Kleiderschrank» mit einem Team von Freiwilligen betreut. Dafür hat die Gruppe gestern (Donnerstag, 21. Mai 2026) den «Dank Dir!»-Preis der Katholischen Kirche im Kanton Luzern erhalten.

Armut und Überfluss
Für Synodalrätin Annegreth Bienz-Geisseler macht mit dem «Offenen Kleiderschrank» eine «kleine Gruppe Grosses möglich», wie sie bei der Preisübergabe sagte. Manche Menschen müssten sich aufgrund ihres Budgets stark einschränken. «Oft reicht es da nur für das Nötigste. Kleider oder Bettwäsche stehen da nicht zuoberst auf der Einkaufsliste.»
Sozialarbeiterin Martina Helfenstein kann das bestätigen. Kleiderspenden gebe es genug, «leider haben wir aber auch mehr als genug Kundinnen und Kunden», sagte sie bei der Preisübergabe. Darunter seien viele Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch Schweizerinnen und Schweizer. Letztes Jahr war der Kleiderschrank an 54 Halbtagen offen. Freiwillige – zurzeit elf –prüfen und sortieren, was Monat für Monat angeliefert wird: 40 bis 50 Säcke. Viel der gespendeten Ware sei «sehr schön und fast neuwertig», stellt Helfenstein fest, für sie auch «ein Hinweis auf den unglaublichen Überfluss». Wer im «Offenen Kleiderschrank» vorbeikommen will, vereinbart einen Termin und erhält dann ein Zeitfenster von einer halben Stunde, in der man sich allein umsehen und anprobieren kann.
Bienz-Geisseler hob hervor, wie einladend der «Offene Kleiderschrank» sein Angebot präsentiere und von welcher Qualität dieses sei. Helfenstein betonte, dies sei den Verantwortlichen wichtig. Kleider unterstützten die soziale Zugehörigkeit, drückten die eigene Identität aus und sollten schliesslich auch anlass- und saisongerecht sein.

Freiwilligenarbeit stärkt die Gesellschaft
Die Katholische Kirche im Kanton Luzern vergibt den «Dank Dir!»-Preis für besondere Freiwilligenarbeit seit zwölf Jahren. Jeweils als Überraschung – wie gestern am Apéro zum Zehnjahre-Jubiläum des «Offenen Kleiderschranks». Die Kirche denkt bei ihrer Auswahl zudem auch an andere Gruppen, die sich mit ihrer Freiwilligenarbeit auf ähnliche Weise einsetzen. Drei «Dank Dir!»-Fahnen weisen nun während eines Jahres in Sursee auf die Auszeichnung hin. Dotiert ist der Preis mit 2000 Franken; den symbolischen Check übergab Synodepräsident Walter Hofstetter.
Nur «Dank Dir!» ist vieles möglich
Mit dem «Dank Dir!»-Preis zeichnet die katholische Kirche im Kanton Luzern seit 2014 jedes Jahr eine Gruppe öffentlich aus, deren freiwilliges Engagement Anerkennung verdient. In der Kirche wird viel uneigennützig für die Gesellschaft geleistet, sichtbar ebenso wie im Verborgenen. Der Kirche ist es wichtig, den Freiwilligen zu danken: Nur «Dank Dir!» ist so vieles möglich, sagt sie ihnen.
Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger:
- 2014: Ministrantinnen/Ministranten Hochdorf (online nicht verfügbar)
- 2015: Handarbeitsstube der Pfarrei St. Karl, Luzern (online nicht verfügbar)
- 2016: Begleiterinnen und Begleiter von Menschen mit einer Behinderung
- 2017: Café Grüezi in Buchrain
- 2018: «Zäme Z’mettag» in Beromünster
- 2019: Begleitgruppe Heimgottesdienste der Heime Kriens
- 2020: Frauengemeinschaft Weggis
- 2021: Jubla und Minis Bruder Klaus in Emmenbrücke
- 2022: Pfarreirat Zell
- 2023: Chlausgruppe Ruswil
- 2024: Verein «BSUECH Regionaler Besuchsdienst», Sempach
- 2025: Sternsingen-Gruppe Gelfingen
Der Preis wird jeweils als Überraschung – nicht angekündigt – überreicht. Er besteht aus einem Geldbetrag in der Höhe von 2000 Franken sowie drei «Dank Dir!»-Fahnen, die während eines Jahres vor Ort auf die Auszeichnung hinweisen.
In der Jury des «Dank Dir!»-Preises vertreten sind der Synodalrat, die Synode und die Fachbereiche der Landeskirche, die Bistumsregionalleitung sowie eine Vertretung der letztjährigen Preisträger:innen. Die Jury hatte im November dazu aufgerufen, mögliche Preisträgerinnen und Preisträger zu nennen. Für die Vergabe 2026 wurden gut 20 Nominationen eingereicht.


