Kirchenzukunft: Kopfarbeit, Zahlen beigen, mutmassen
Dominik Thali
Als Bischof Felix Gmür im September 2024 mit «PEP to go» ein «Arbeitsinstrument für den Kulturwandel» vorlegte, wie das Bistum das Papier nennt, schrieb er dazu: «Die Krise hört nicht auf. Es wird nie mehr werden wie früher, das Glas wird nicht wieder voll sein.»
Nicht von oben verordnet
Inzwischen arbeitet die Katholische Kirche im Kanton Luzern auf drei Baustellen, die an «PEP to go» anknüpfen. Die grösste heisst «Kirche im Umbau» und wurde mit der «Baumesse» vom 20. Juni mit rund 200 Beteiligten auf dem Campus Sursee gewissermassen offiziell eröffnet. «Kirche im Umbau» blickt auf den Kirchenalltag vor Ort. Es geht um die Handlungsfelder «Christin und Christ sein heute» und «Räume und Strukturen». Wichtig dabei: «Der ‹Umbau› wird nicht von oben verordnet, sondern von den Verantwortlichen in den Pastoralräumen und Kirchgemeinden entsprechend der jeweiligen Situation gestaltet», erklärt der Synodalrat in seinem Zwischenbericht, den er jetzt, am 11. November, der Synode vorlegt. Im Oktober und November fanden und finden die ersten drei «Umbautrainings» statt; die Nachfrage ist gross, sie sind ausgebucht.
Das Geld ist wichtig – aber nicht nur
Auf der zweiten Baustelle geht es ums Geld. Unter der Leitung von Politikwissenschaftler Antonius Liedhegener und Theologe Anastas Odermatt vom Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik an der Universität Luzern wird zurzeit eine Studie erarbeitet, die aufzeigen soll, «wie eine zukunftsfähige, rechtlich tragbare und gesellschaftlich anschlussfähige Finanzierungsstrategie aussehen könnte», wie es in der Ausschreibung hiess.
Liedhegener und Odermatt setzten hier auf einen «Citizen Science Ansatz» und bezogen die Beteiligten mit ein. In drei Workshops befasste sich eine dual zusammengesetzte Gruppe von etwa 40 Personen mit dem Thema. Sie stellte für ein Sensitivitätsportfolio Faktoren zusammen, die für das Gesamtsystem Kirche wichtig sind; sie bewertete Varianten der Kirchenfinanzierung und prüfte schliesslich eine Modellrechnung auf deren Plausibilität.
In den Diskussionen ging es dabei längst nicht nur um das Geld, sondern ebenso etwa um die eigene Haltung zur Kirche oder um deren Rolle in der Gesellschaft. «Der gemeinsame Denkprozess und die daraus resultierenden Ideen sind ein ebenso wichtiges Ergebnis der Workshops», sagt Anastas Odermatt. Die Studie «Zukunft Kirchenfinanzierung» soll im Frühjahr 2027 vorliegen.
Solidarität und Eigenverantwortung stärken
Von den 80 Luzerner Kirchgemeinden sind viele finanziell gut aufgestellt, während andere jeden Franken umdrehen müssen. Und wie viel Eigenkapital die Landeskirche braucht, gibt in der Synode immer wieder zu reden. Es brauche mehr Solidarität unter den Beteiligten, lautet die Forderung. Die Landeskirche hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die ein neues Modell für den Geldfluss vorschlagen soll. «Wir wollen nicht einfach Geld neu verteilen», erklärt Synodalverwalter Charly Freitag. «Vielmehr braucht es künftig eine Finanzarchitektur, die Solidarität sicherstellt, Eigenverantwortung stärkt und jeden eingesetzten Franken möglichst wirksam macht.» Die Studie wird vom Beratungsunternehmen Balmer-Etienne erstellt und soll Mitte Dezember vorliegen.