Kirchliche Behörden

Auf alten Fundamenten neu bauen

Das Entwicklungsprojekt «Kirche im Umbau»

Die Kirche wurzelt tief in der Gesellschaft. Und in sich selbst: So tief, dass sie sich ohne Druck kaum bewegt. Das wollen Landeskirche und Bistum ändern – mit Motivation, Begleitung und Geld. Klar ist erst: Umbau gelingt nicht verordnet, sondern nur, wenn vor Ort angepackt wird.
Die Kirche hat offen, auch wenn gerade gebaut wird: Einblick in den vollen Saal anlässlich der ersten «Baumesses» auf dem Campus Sursee. | Bild: Roberto Conciatori

«Die Kirche kann nur so lebendig sein wie ihr Basispersonal», sagt Adrian Wicki, Leiter des Pastoralraums Region Werthenstein. «Wir sollten die Dinge nicht nur als Herausforderung sehen, sondern als Aufgabe», findet Urs Kaufmann, Präsident der Kirchgemeinde Ebikon. «Herausforderungen sind manchmal ein Berg, Aufgaben aber kann man lösen.»

Experimentieren und entscheiden

Wicki und Kaufmann berichteten an der ersten «Baumesse» des Projekts «Kirche im Umbau» am 20. Juni auf dem Campus Sursee von ihren Erfahrungen mit Kirchenentwicklung. Wicki sprach von einem Experiment, als er die Stelle für Glaubens- und Erwachsenenbildung erwähnte, die in seinem Pastoralraum vor drei Jahren geschaffen wurde, und räumte ein, dass Kirchenräte manchmal uliidig werden, wenn sie keine Ergebnisse sehen. Kaufmann blickte auf die Fusion der drei Kirchgemeinden im Pastoralraum Rontal auf den 1. Januar 2027 und plädierte für Offenheit und Vorwärtsmachen. «Nicht zu entscheiden ist schliesslich auch keine Lösung», sagte Kaufmann. «Und man kann einen Entscheid auch wieder korrigieren.»
 

Die Beispiele aus den beiden Pastoralräumen sollten an der «Baumesse» Ermutigung sein, Schritte zu gehen. Denn: 80 Kirchgemeinden, 214'000 Mitglieder, fast 50 Prozent der Bevölkerung: Die katholische Kirche ist im Kanton zwar verwurzelt. Die Bindung der Menschen, vorab der jungen, nimmt jedoch ab, es mangelt an Personal, die Strukturen sind vielerorts veraltet. Landeskirche und Bistum haben deshalb einen Entwicklungsprozess gestartet, für den sie das Bild einer Baustelle brauchen: Es soll um- und neu gebaut werden, ohne das Haus Kirche derweil zu schliessen.

Hier, nicht in Solothurn

Umgebaut werden soll den eigenen Möglichkeiten und Vorstellungen entsprechend. Das ist den Verantwortlichen wichtig. «Kirche im Umbau» ist kein Projekt, das Lösungen vorgibt. «Die Veränderung muss vor Ort geschehen, die Landeskirche kann lediglich unterstützen», sagte Synodalrätin Annegreth Bienz-Geisseler. Bischofsvikar Hanspeter Wasmer machte deutlich: «Wir hier gestalten die Kirche, nicht in Solothurn beim Bistum. Sie muss im Entlebuch nicht gleich aussehen wie in Luzern.»

Adrian Wicki illustrierte dies an einem Erlebnis. Er sei im Juni eingeladen worden, das WM-Stübli im «Rössli» in Ruswil einzusegnen. Die fünf Minuten bei den etwa 60 mehr fussball- denn kirchennahen Menschen waren für ihn «auch Kirche», sagte Wicki. Wenn er für so etwas keine Zeit mehr hätte, würde ihm etwas wichtiges fehlen.

Die «Baumesse» sollte den Teilnehmenden ein Wir-Gefühl vermitteln. «Vorfreude wecken auf das, was entstehen könnte», wie Bienz-Geisseler sagte. Es gibt fünf Impulsfelder, über welche den Kirchgemeinden und Pastoralräumen in den nächsten Jahren Unterstützung angeboten wird: Weitere Baumessen, Umbau-Trainings, spirituelle Krafträume, einen digitalen Inspirationsraum sowie Begleitung vor Ort. Dazu gibt es bereits drei Termine: 14 Oktober, 4. und 25. November.

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