Kirchliche Behörden

Wird es schwierig, wird es auch spannend

Andreas Wigger kann aus Zahlen Zukunft lesen, ist gerne in Bewegung und erkennt die Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee aufgrund ihres Hornens. Drei Eigenschaften, die ihm in seiner neuen Aufgabe als Synodalrat zupass kommen.
Mit Blick auf Stadt und Berge: der neue Synodalrat Andreas Wigger auf dem Balkon seiner Wohnung in Luzern. | © Dominik Thali

Als Andreas Wigger 1987 die Matura machte, wusste er nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Also bewarb er sich bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee und verdiente sein erstes Geld als Matrose. Wigger kennt seither fast alle Berge und Ortschaften um den See, weiss, wie man ein Dampfschiff anbindet und hört von Weitem heraus, welcher Dampfer gerade hornt. Auf den Schiffen gehe es zuweilen rau zu, erinnert er sich. «Aber ich habe dort gelernt, was Teamgeist bedeutet.»
Hinschauen, die Ohren spitzen, zusammenarbeiten: Das ist auch in der Kirche gefragt. Wigger wird im Synodalrat jedoch keiner sein, der sich vordrängt. «Ich bringe mich ein, wenn ich etwas beitragen kann», sagt er, im Rampenlicht stehe er ungern.
 

Zahlen erzählen Geschichten

Nach dem Studium ging es in die Welt der Zahlen. Und aufwärts. Wigger stieg bei der Luzerner Kantonalbank ein und leitete dort zuletzt drei Jahre lang die Abteilung Risikoüberwachung, ehe er zu einem internationalen Finanzdienstleister wechselte. Dort prüft er unter anderem, ob Banken die Vorgaben der Finma, der Finanzmarktaufsicht des Bundes, einhalten.

Zahlenmensch Wigger: Bilanzen sind für ihn Bücher, Abschlüsse und Risikoberichte erzählen ihm Geschichten. Er liebe es, komplexe Zusammenhänge zu erkennen und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, sagt der neue Synodalrat. Und sowieso: «Ich habe zwar nicht zwei linke Hände, bin aber nicht der Mechniker und kann auf der Strasse kaum zwei Automarken auseinanderhalten.»

Zahlenkenntnis, wie sie Wigger mitbringt, ist in der Landeskirche in den nächsten Jahren gefragt. Zum Beispiel läuft eine Studie dazu, wie sich die Kirche in Zukunft finanzieren kann. Oder der Lastenausgleich: Das Ungleichgewicht zwischen vermögenden und ärmeren Kirchgemeinden wird immer mehr zum Thema. «Spannend», findet Wigger. Und räumt ein: Vor zwanzig, dreissig Jahren wäre es ihm «vielleicht langweilig geworden» im Synodalrat. Damals waren noch fast 70 Prozent der Luzerner:innen katholisch. Und Geld einfach da. Wigger freut sich auf die Herausforderungen. «Wenn es schwierig wird, wird es oft auch interessant», ist seine Erfahrung. 
 

Im Team Lösungen finden

«Kirche im Umbau», das im Juni angelaufene Zukunftsprojekt der Katholischen Kirche im Kanton Luzern, ordnet er ins gleiche Kapitel ein. Dass die Kirche sich bewegen muss: Keine Frage für Wigger. Er ist selbst ein Bewegungsmensch, fährt Velo und Ski, spielt Tennis, segelt und gönnt sich ein Fitnessabo. Es liegen aber auch Gesellschaftsspiele zuhause auf dem Stubentisch, und die Jassrunde mit Studienkollegen ist wichtig. Er sei ein Teamplayer, sagt Wigger. Wohl fühle er sich dann, «wenn es Lösungen braucht, die man im Dialog und mit Kompromissbereitschaft erarbeiten muss.»

In Luzern geboren und wohnhaft

Andreas Wigger (59) wuchs in Luzern im Sternmattquartier auf, in der Stadt lebt er auch heute noch mit seiner Familie. Wigger studierte Betriebswirtschaft und Politikwissenschaften, stieg danach bei der Luzerner Kantonalbank ein, wo er ab 2001 die Abteilung Risikoüberwachung leitete. Seit 2005 ist Wigger für den Finanzdienstleister Ernst & Young tätig, inzwischen als Partner. Andreas Wigger ist verheiratet mit Marisa Angiola Wigger, Sohn Timo ist 18 Jahre alt.

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