«FilmZnacht» oder: Kirche findet auch im Kino statt
Dominik Thali
«FilmZnacht» sei ein Format, «das Menschen über einen Film berühren, ihnen andere Sichtweisen eröffnen und sie in den Austausch bringen» wolle, sagt Ana Fernández. Sie leitet die «Kirchlichen Medien», die zu den Fachbereichen gehören. Deren Leiter Gregor Gander versteht diesen Austausch auch im Sinn von Arbeitsteilung. Will heissen: Die Fachbereiche wählen mit einem Pastoralraum einen Film aus, geben dazu didaktische Inputs, stellen Materialien für die Kommunikation zur Verfügung und beraten bei der Gestaltung des Abends. Der Pastoralraum übernimmt derweil die gesamte Organisation rund um den Anlass. Das «FilmZnacht» ist also kein fertig buchbares Angebot. Serviert wird es nur im Miteinander.
Meinung oder Vorurteil?
Mitte Oktober fand ein solcher Abend zum zweiten Mal in Inwil statt. Die drei Pfarreiräte des Pastoralraums Oberseetal luden hier ins Zentrum Candidus ein, wo der Film «Green Book» auf dem Programm stand. Der mit drei Oscars ausgezeichnete Streifen von 2018 zeigt, wie Begegnung und gegenseitiger Respekt Brücken bauen können. Der italienischstämmige Tony Lip begleitet in «Green Book» den afroamerikanischen Pianisten Don Shirley als Chauffeur auf einer Konzertreise in die Südstaaten der USA – 1962, mitten in einer Zeit von Rassentrennung und Vorurteilen.
«Das ‹FilmZnacht› habe ich als Gemeinschaft erlebt. Die drei Stunden waren eine Zeit der Ruhe, die einem im Alltag oft fehlt.»
Toni Kaufmann, «FilmZnacht»-Besucher aus Ballwil
Davon liessen sich rund 40 Besucherinnen und Besucher berühren. «Green Book» sei ein Film mit Tiefgang, aus dem er viel mitnehme, sagte etwas Beat Arnet aus Inwil. Zum Beispiel, die eigene Meinung immer wieder zu hinterfragen. Sie könnte ein Vorurteil sein. Claire Brunner wiederum, auch sie aus Inwil, fühlte sich nach dem Abend «bereichert und beglückt». Der Film motiviere sie, sich weiterhin für andere Menschen einzusetzen. Toni Kaufmann aus Ballwil schliesslich schätzte am «FilmZnacht» die Gemeinschaft. Die drei Stunden erlebte er als «Zeit der Ruhe», die einem im Alltag oft fehle.
«Ausgang, wie ich ihn mag»
Ein «FilmZnacht» hat fünf Gänge: Das Publikum trifft sich zum Apéro, zwischen der ersten und zweiten Hälfte wird ein einfaches Nachtessen serviert, zum Schluss Kaffee und Süsses. Zu «Green Book» gabs Passendes aus den Staaten: Hot Dogs mit Sauerkraut und amerikanischem Senf, Donuts und Cookies.
Das schmeckte allen – und sorgte mit dem Film für allseits gute Laune. «Das ist Ausgang, wie ich ihn mag und für den ich deshalb gerne mithelfe», sagte Andrea Wildisen, Pfarreirätin und Pfarreisekretärin in Ballwil. Sie hatte den Abend zusammen mit Markus Felber, Pfarreiratspräsident von Inwil, und Sepp Gisler, Pfarreirat in Ballwil, organsiert. Das «FilmZnacht» bringe nicht nur im Publikum Menschen zusammen, sondern auch Mitarbeitende und Freiwillige des Pastoralraums, finden alle drei. Für Felber ist klar: «‹FilmZnacht› ist gelebte Gemeinschaft und eine Form von Kirche.»
Klar ist für ihn auch, dass im Miteinander mehr möglich ist als allein. Felber hebt die gute Zusammenarbeit mit den Fachbereichen hervor. «So können wir als Freiwillige Anlässe durchführen, die allein in dieser Qualität kaum möglich wären.»
Pastoralräume, die sich für das «FilmZnacht» interessieren, erhalten Auskunft bei ana.fernandez@lukath.ch, 041 419 48 34.