Sonderkommission zur «Standortbestimmung»: «Erwartungen nicht erfüllt»

Die Bischöfe knüpfen eine kirchliche Anstellung weiterhin an bestimmte Lebensformen. Sie erfüllten damit eine Forderung der Luzerner Synode noch nicht, sagt deren Sonderkommission.

Die «uneingeschränkte Anerkennung eines freien partnerschaftlichen Lebens auch für kirchliche Mitarbeitende» ist eine der fünf Forderungen, die das Kirchenparlament vor zwei Jahren nach der Veröffentlichung der Pilotstudie Missbrauch aufstellte. Es beauftragte eine Sonderkommission, sich für deren Erfüllung beim Bistum einzusetzen.
Anfang November nun hat die Bischofskonferenz ihr lange erwartetes Papier zum Thema Lebensformen veröffentlicht. Privatleben und kirchliche Beauftragung könnten nicht grundsätzlich getrennt werden, heisst es in der «Standortbestimmung». Denn die Überzeugungskraft von Seelsorgenden messe sich «an einem dem Evangelium entsprechenden Lebensstil». Weil die Bischöfe jedoch «keinen Katalog von Regeln und Kriterien» veröffentlichen möchten, bleiben sie bei Einzelfalllösungen.

«Wird der Tragweite nicht gerecht»

Die Sonderkommission der Luzerner Synode findet es erfreulich, dass die Bischöfe Menschen in sogenannt «irregulären Situationen» grundsätzlich ermöglichen wollten, eine Beauftragung zu erhalten, sagt Präsident Thomas Scherer. Allerdings sei dies keine strukturelle Lösung. «Die rein individuelle Sicht wird der Tragweite nicht gerecht. Es bleibt unklar, was als vereinbar oder unvereinbar mit einer bischöflichen Beauftragung gilt.»

Die Sonderkommission bestehe auf der 2023 aufgestellten Forderung, die kirchliche Anstellung und das private partnerschaftliche Leben zu trennen, sagt Scherer. Diese Erwartung erfülle die Standortbestimmung nicht. «Sie betont die hohen moralischen Ansprüche, denen Mitarbeitende genügen müssen. Welche Ansprüche die Kirche als Institution erfüllen muss, um glaubwürdig zu sein, wird hingegen nicht dargelegt.» Vor allem vermisse die Kommission «konkrete Massnahmen». Es sei «unklar, ob den Worten Taten folgen werden», so Scherer.

Im Dialog bleiben

Er sagt, die Sonderkommission wolle den Dialog mit der Bistumsleitung weiterführen und «sich für eine Regelung einsetzen, die allen qualifizierten Menschen die adäquate Mitarbeit in der Kirche ermöglicht, unabhängig von ihrem privaten partnerschaftlichen Leben». Die Kommission bleibe so lange bestehen, bis die Synode deren Auflösung beschliesse. Selbst werde sie dies nicht beantragen, so Scherer.

Dominik Thali/Sylvia Stam

Thomas Scherer, Präsident der Sonderkommission Aufarbeitung Missbrauch. | © Dominik Thali

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