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Zehn Schritte | 2 – Erneuerung des Gottesbildes

© 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern
© 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern

Alle Mitarbeitenden in der Verkündigung eignen sich eine Fülle von Gottesbildern an, die nicht ausschliesslich männlich, sondern explizit auch weiblich sind und darüber hinaus eine Weite zum Ausdruck bringen, die alle menschlichen Kategorien übersteigt. Diese Weite wird konsequent in Sprache und Liedern praktiziert.

Die Erneuerung des Gottesbildes ist ein Prozess, der zum Leben und somit auch zur Aufgabe der Kirche gehört. Die vergangenen Jahrhunderte waren stark patriarchal geprägt, was sich auf die Gottesbilder und die männlich dominierte Kirchenstruktur ausgewirkt hat. Deshalb ist von den Mitarbeitenden in der Verkündigung die Auseinandersetzung mit vielfältigen Gottesbildern zu fördern, um Einseitigkeiten, Fixierungen und Stereotypen im Gottesglauben zu verhindern. Bereits am Anfang der biblischen Überlieferung heisst es: «Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.» In diese Weite hineinzuwachsen, erfordert zuerst ein persönliches Engagement und dann den Einsatz von Ressourcen, z.B. an Ausbildungsstätten und dem Liturgischen Institut, um die kirchliche Gebetssprache und Liedersammlungen entsprechend zu erweitern.

Stimmen zum Schritt «Vertrauenskultur»

Das Kirchenschiff gibt zu jedem «Schritt» Personen das Wort, die es betrifft. Zum zweiten Schritt äussern sich Jacqueline Keune, freischaffende Theologin, Luzern, und Valentin Beck, Bundespräses von Jungwacht Blauring Schweiz und Seelsorger beim Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern

Niemand spricht mir in Bezug auf Gottesbilder so sehr aus dem Herzen wie Dorothee Sölle: «Wie könnte ich einen Gott verehren, der nicht mehr ist als ein Mann?» Und genau das wurde und wird weiter und weiter aus Gott gemacht und das Bild von Gott mit der Wirklichkeit von Gott gleichgesetzt. Mit der Wirklichkeit eines Herren, wie es ungezählte Erdenexemplare gab und gibt.

Nein, Gott ist kein Mann, Gott ist die Quelle des Lebens. Gott ist die Kraft, die Weite, die Fülle, die Vielfalt, die Widersprüchlichkeit, die Abgründigkeit, die Erhaltung, die Beendung, die Befreiung des Lebens. Und ich stelle mir vor, die Pfarrer meiner Kindheit im katholisch getränkten Sensebezirk hätten mir in all den Messen von Gott nicht nur als dem allmächtigen Vater, sondern auch als der bestärkenden Mutter, als dem bergenden Flügel, als dem Licht in meiner Nacht, als dem Ruf der Freiheit, als dem Atem der Hoffnung, als dem Mund der Stummen, der Weggefährtin, vor allem aber als der Gerechtigkeit und der Liebe erzählt – es hätte schier alles verändert und auch mich selber freier, schöner und aufrechter gemacht.

Und auch wenn sich dieses verengte und verzerrte Bild von Gott, das sich tief ins Bewusstsein der kirchlichen Gemeinschaft gegraben hat, nicht mehr mit ein paar weitenden Bildern der Ewigen wandeln lässt: Wir werden nicht aufhören, mit anderen Bildern der Heiligen zu stören, zu erinnern und heilsam an wunde Herzen zu rühren.

Jacqueline Keune, freischaffende Theologin, Luzern

Wenn ich in meinen beiden vermeintlich so gegensätzlichen Arbeitsfeldern, in der Jugend- und der Gassenarbeit, mit Menschen über ihre Begegnungen mit dem Göttlichen rede und sie frage, wo und wie sie solche erleben, höre ich vorwiegend zweierlei:

  • in der Natur
  • in zwischenmenschlichen Begegnungen

Zwar laufen wir bei beiden Erfahrungen auf den ersten Blick Gefahr, das biblische Bild eines persönlichen Gottes für eine schwammige «Alles-ist-Gott-Vorstellung» aufzuopfern. Trotzdem scheinen mir diese beiden Erfahrungsfelder gute Optionen zu sein für die dringend notwendige Entgrenzung unserer oft einseitig geprägten Gottesbilder.

Denn ich glaube, dass wir mit dem wertschätzenden Wahrnehmen dieser beiden «Spuren» oder «Spiegelungen» Gottes (neben anderen wie zum Beispiel auch die Künste) näherkommen als mit dem naiven, weil immer zeitgebundenen Versuch, das Göttliche mit menschlichen Unterkategorien wie zum Beispiel Geschlecht, Ethnie oder Alter zu beschreiben.

Sowohl in der Natur als auch im Zwischenmenschlichen erleben wir uns selbst zugleich als eigenständiges, persönliches Individuum und als eingebundenen, abhängigen Teil des Ganzen. Wenn wir als solche – wie in der Bibel beschrieben – ein Abbild Gottes sind, dann ist auch Gott gleichzeitig sowohl «Alles», als auch ein persönliches, ansprechbares und handelndes Gegenüber.

Valentin Beck, Bundespräses von Jungwacht Blauring Schweiz und Seelsorger beim Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern