Eine Gemeinschaft mit tiefen Wurzeln

Schwerpunktthema 2026/27 (1)

Soziale Einrichtungen, Kulturgüter, Brauchtum, Recht: Vieles, was unsere Gesellschaft auszeichnet, ist christlichen Ursprungs. Daran erinnert die Katholische Kirche im Kanton Luzern die nächsten zwei Jahre. Mit dem Motto «Verwurzelt wachsen» spielt sie auch auf ihre Rolle im Staat an.
Ein Baum mit tiefen, tragenden Wurzeln und einer ausladenden Krone: Die Illustration zum Schwerpunktthema «Verwurzelt wachsen» stammt von Jonas Brühwiler (jonas-comics.ch).

Die zwei Wörter bringen auf den Punkt, was Synodalrat und Bistumsregionalleitung mit dem einen Satz in ihrem gemeinsamen Leitbild meinen: «Wir tragen Sorge zum materiellen und immateriellen Kulturerbe.» Für Bischofsvikar Hanspeter Wasmer passt das neue Schwerpunktthema in eine Zeit, in der Ostern im Gotthardstau steckenbleibt und in Luzern eine Partei den freien Leodegars-Tag auf den 1. Mai verschieben will.

Wasmer weiss wohl: Die Kirchen verlieren Mitglieder, entsprechend schwindet das Wissen um christliche Ursprünge. Er pflichtet aber auch dem neuen Synodalratspräsidenten Thomas Räber bei, der sagt, in einer Gesellschaft beruhe das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit auf einem gemeinsamen Kulturererbe. «Dieses erinnert uns an unsere Wurzeln und unsere Entwicklung hin zum heutigen Miteinander. Darauf sollen wir immer wieder hinweisen.»

Dankbar sein

Wer erbe, erhalte schliesslich oft etwas geschenkt, meint Wasmer. Mit Blick auf die Kirche seien dies etwa wunderbare Bauten, Brauchtum oder mit einem Sakrament verbundene Feste wie Taufe, Erstkommunion, Firmung oder Hochzeit. Weiter weist Wasmer auf Angebote und Einrichtungen hin, die inzwischen in die Verantwortung des Staats oder von Privaten übergegangen sind: Spitäler, Sozialarbeit, Krankenkassen. Er findet: «Oft sind wir zu wenig dankbar dafür, was wir heute haben, und uns zu wenig bewusst, was wir nicht selbst erreicht, sondern geerbt haben.» Räber, hauptberuflich als Rechtsanwalt tätig, erinnert an das Rechtssystem: Dieses beruhe unter anderem auf christlichen Werten und habe seinen Ursprung im römischen Recht, wie viele europäische Rechtsordnungen.
Für ihn ist es wichtig, gerade Feiertage zu nutzen, um die christlichen Wurzeln der Gesellschaft zu pflegen. Als Kommandant der Auffahrtschwadron beim Hitzkircher Umritt tut er dies am liebsten an Auffahrt. «Manch ein Seelsorger oder ein Kirchenratsmitglied findet die Prozession vielleicht aufwändig. Aber es lohnt sich, über solche Kulturerbschaften nachzudenken.»

Das Gute und das Schwierige

Wasmer und Räber sind sich bewusst, dass christlich-kirchliches Erbe auch Menschen belastet hat und manche heute noch drückt. «Das gab es allerdings auch beim Staat», wirft Wasmer jedoch ein. «Und auch künftige Generationen werden Dinge verändern, ohne sich deshalb von den Wurzeln, die mit uns zu tun haben, gleich zu lösen. Das Gute, das wir erben, und das eher Schwierige gehören eben zusammen.»

Räber nickt. Er ist froh, dass Glaube und Religion bei uns überhaupt frei praktiziert werden können, was in vielen Ländern leider nicht so sei.«In der Schweiz macht dies der liberale Staat möglich, und auch dieses Erbe müssen wir pflegen.»

Gemeinsames Leitbild, zehn Leitsätze

Der Synodalrat und die Bistumsregionalleitung haben ein gemeinsames Leitbild mit zehn Leitsätzen. Jeweils während zweier Jahre steht ein Satz im Mittelpunkt. Die bisherigen Schwerpunktthemen:

  • 2016/17: Kirche – weitsichtig handeln | Wir stehen ein für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
  • 2018/19: Dual stark | Wir leben und pflegen die Kultur der Zusammenarbeit im dualen System.
  • 2020/21: Präsent sein | Wir sind in der Gesellschaft und der Welt von heute präsent(u.a. 50 Jahre Landeskirchen)
  • 2022/23: WERTtschätzen | Wir fördern das Personal, Behördenmitglieder, Ehrenamtliche und Freiwillige.
  • 2024/25: Lebenswert | Wir setzen uns ein für ein Leben in Fülle und fördern das soziale und diakonische Engagement.
Verwurzelt wachsen

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