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Zehn Schritte | 5 – Raum für Innovation

© 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern
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Pastoralraumleitungen beginnen einen partizipativen Weg, um in den Pfarreien ohne Priester nach alternativen Formen zu suchen, damit Frauen und Männer das Mahl Jesu und sakramentale Zeichen feiern können.

Die Inhalte und die Art und Weise der Eucharistiefeier haben sich in den letzten zwei Jahrtausenden immer wieder stark geändert. In unregelmässigen Abständen gab es Liturgiereformen, zum Beispiel beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Jahrzehnte davor wurde in der Liturgischen Bewegung experimentiert und nach neuen Formen gesucht. Neue Wege sind auch heute gefragt. Die Wortgottesfeier mit Kommunion, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten in Pfarreien ohne Priester als Regel etabliert hat, ist theologisch gesehen unbefriedigend. In einer Pastoral der Präsenz haben die Glaubenden das Anrecht auf das Mahl Jesu in einer stimmigen Form vor Ort. Deshalb starten Pastoralräume partizipative und verantwortungsvolle Wege, um in Pfarreien ohne Priester mit neuen Formen der Mahl Jesu – Feier zu experimentieren. Damit diese neuen Feiern in der Verbindung zu den zentralen Eucharistiefeiern gesehen werden, braucht es Regeln und Kriterien.

Stimmen zum Schritt «Raum für Innovation»

Das Kirchenschiff gibt zu jedem «Schritt» Personen das Wort, die es betrifft. Zum dritten Schritt äussern sich Birgit Jeggle-Merz, Professorin für Liturgiewissenschaft, und Michael Brauchart, Pastoralraumleiter

Die Amazonas-Synode im Oktober 2019, die von Europa aus gesehen am anderen Ende der Welt stattfand, ist ein bisher einzigartiges Beispiel für den Versuch, nicht nur eine Synode «von oben» zu sein, sondern so weit wie möglich einen partizipativen gemeinschaftlichen Prozess des Kirche-Seins zu verwirklichen. Dort ist die Kirche schon seit Jahrzehnten gefordert, nach Strukturen des Kirche-Seins und Formen des gelebten Glaubens zu suchen, die es den Menschen im Amazonasgebiet möglich macht, ihren Glauben zu leben. Neben Ökologie und Indigenität ist Inkulturation das ganz grosse Thema der Menschen dort. In seinem nachsynodalen Schreiben wünscht Papst Franziskus: «Gott gebe, dass sich die ganze Kirche von dieser Arbeit bereichern und anregen lässt» (Querida Amazonia 4).
Auch in Europa, auch im Bistum Basel-Solothurn, auch in der Kirche Luzerns stellt sich die Frage nach Inkulturation: Wie können die Wirklichkeiten, die Fragen und Nöte, die Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen in der Feier der Liturgie ihren Niederschlag finden? Wie können sie gestärkt werden, wie aus dem Glauben heraus ihr Leben deuten? Welche Formen von Gottesdienst können Menschen einen Zugang ermöglichen, die mit Gottesdienst wenig vertraut sind?
Bei der Suche nach zeitsensiblen Gottesdienstformaten muss man auf die Wirklichkeiten der Menschen und ihre Geschichten hören. Im Zuhören wird sich mehr und mehr ein notwendiger Prozess der Inkulturation entwickeln.

Birgit Jeggle-Merz, Prof. für Liturgiewissenschaft, Universität Luzern

In einem Trauergespräch überlege ich mit den Angehörigen, ob und in welcher Form wir die Kommunion im Beerdigungsgottesdienst integrieren. Der verstorbene Vater hat eine zehnjährige Tochter und einen fünfjährigen Sohn, der noch keine Erstkommunion gefeiert hat. Es ist uns wichtig, dass letzterer sich – gerade in dieser schweren Situation – nicht ausgeschlossen fühlt. Das gilt auch für allfällige Konfessionslose oder Andersgläubige, die an der Beerdigung teilnehmen möchten. Wir finden eine stimmige Form für das stärkende Dasein und Mitgehen Gottes. Die Trauerfamilie backt zuhause mit den Kindern eine grosse Menge ganz kleiner Brötchen. Zugedeckt und verteilt in zwei Körbe stehen die Brötchen auf dem Altar. So, wie wir auch zuhause vor dem Teilen oder Anschneiden das Brot segnen können, segnen wir in der Trauerfeier die Brötchen. Wir erinnern uns dabei an Jesus, der beim letzten Abendmahl in seinem Freundeskreis auch über dem Brot gebetet und es danach geteilt hat. Wir bitten um Gottes Beistand und Kraft.
Gerade jetzt sind die Freunde und Angehörigen des Verstorbenen besonders darauf angewiesen, weil ihnen das Leben hartes Brot zumutet. Wer möchte, bekommt beim Gang auf den Friedhof an der Kirchentüre ein gesegnetes Brötchen zur Stärkung mit auf den Weg. Die Tradition kennt den Begriff der Wegzehrung. Die Kommunion wird hier zur tröstlichen Wegzehrung für die Weiter-Lebenden. In dieser Form wird niemand von der Gemeinschaft (Communio) ausgeschlossen.

Michael Brauchart, Leiter Pastoralraum Seepfarreien