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Zehn Schritte | 1 – Vertrauenskultur

© 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern
© 2021 Katholische Kirche im Kanton Luzern

Alle Mitarbeitenden bringen den Entwicklungen hin zu einer geschwisterlichen Kirche Wertschätzung entgegen, fördern den Dialog zwischen geweihten und nicht geweihten Frauen und Männern und stärken damit die Vertrauenskultur vor Ort, im Bistum und in der ganzen Kirche.

Vertrauen ist auf allen Ebenen eine wesentliche Voraussetzung für eine geschwisterliche Kirche. Pfarreiarbeit und Seelsorge vor Ort ist fruchtbar, wenn im Pfarreiteam gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung herrscht. Nicht die Unterscheidung von Geweihten und Nichtgeweihten, Mann und Frau soll im Mittelpunkt stehen, sondern die Entfaltung der Charismen zum Wohle aller und des Reiches Gottes. Darum sollte das Verständnis für eine gesunde Vertrauenskultur bereits in den kirchlichen Ausbildungen geweckt werden. Die Vertrauenskultur ist nicht nur im Team wichtig, sondern auch zwischen Hauptamtlichen und Pfarreiangehörigen, damit Begegnung auf Augenhöhe erfahrbar ist. Die Pfarreimitglieder müssen ernstgenommen und wo nötig ermächtigt werden, Dienste in der Pfarrei wahrzunehmen. Ohne Vertrauen bleibt Geschwisterlichkeit eine leere Worthülse. Dies trifft auch auf die Beziehung zwischen Bistumsleitung und Seelsorgenden zu sowie auf das gesamte duale System: Regionalleitungen – Landeskirchen, Pfarreien – Kirchgemeinden. Hilfreich sind auf allen Ebenen Strukturen und Begegnungsmöglichkeiten, welche die Vertrauenskultur fördern. Vertrauensfördernd wirken sowohl die Art der Kommunikation (Ton und Stil) als auch die Partizipation und Transparenz bei Entscheidungen.

Vertrauenskultur: auf allen Ebenen Strukturen und Begegnungs­möglichkeiten schaffen, welche diese fördern. | © 2021 Dominik Thali

Stimmen zum Schritt «Vertrauenskultur»

Das Kirchenschiff gibt zu jedem «Schritt» Personen das Wort, die es betrifft. Zum ersten Schritt äussern sich Theres Küng, Leiterin des Pastoralraums Michelsamt, und Claudio Tomassini, Leiter des Pastoralraums Region Sursee.

Eine Vertrauenskultur ist Voraussetzung, dass Zusammenarbeit und Begegnungen gelingen. Und zwar ungeachtet von den «Zehn Schritten zu einer geschwisterlichen Kirche», die ich nicht alle ohne weiteres gehen wollte oder könnte.
Vertrauen zu haben ist sozusagen der Mehrwert, dass ich nicht kontrollieren und überall präsent sein muss. Das betrifft das ganze Team und hat keineswegs mit geweiht oder nicht geweiht zu tun. Allerdings sind mit der Rolle von geweihten Personen auch Macht und teilweise Privilegien verbunden. Als Pastoralraumleiterin habe ich aber die Möglichkeit, mehr Getaufte für pfarreiliche Aufgaben zu ermächtigen und ihnen das ganze Vertrauen zu schenken.

Für mich hat Vertrauen viel zu tun mit spiritueller Gelassenheit. Das heisst zum Beispiel, dass ich für die Mitarbeitenden einstehe, auch wenn es negative Rückmeldungen gibt. Ich gehe davon aus, dass sie gute Gründe hatten, ihre Aufgabe so und nicht anders zu versehen. Selbst vertraue ich darauf, dass die Mitarbeitenden sich bei offenen Fragen rechtzeitig an mich wenden. Ich bin sicher, dass die Pfarreiangehörigen spüren, ob das Team zueinander hält.

Theres Küng, Leiterin Pastoralraum Michelsamt

Vertrauen ist schwer in Worte zu fassen. Es ist ein Gefühl. Das geht tief bis ins Herz. Vertrauen ist der Boden aller «Schritte», der im Leben trägt. Guter Dünger für diesen Boden sind unter anderem Ehrlichkeit, Achtsamkeit und auch Zeit und Zuwendung, damit etwas wachsen kann. Vertrauen ist aus meiner Sicht ein Tätigkeitswort. Ich muss bereit sein, dafür etwas einzusetzen und herzugeben. Die «Zehn Schritte» laden dazu ein, diesbezüglich an die Arbeit zu gehen. Sie laden uns ein, darüber zu reden und damit Zeit zu verbringen. Die kirchliche Erneuerung ist ein schöpferisches Geschehen und gemeinschaftlicher Prozess. Sie gelingt nur, wenn nicht unten oder oben bestimmt wird, sondern man aufeinander hört. Und einander vertraut.

Vertrauen steht und wirkt am Ursprung allen Lebens. Seit Beginn der Schöpfung bis heute. Vertrauen ist die Überzeugung, dass jedes Leben im Grunde und im Kern gut ist. Wenn Menschen davon ausgehen, gelingt das Miteinander. Diese Haltung hilft mir gerade dann, wenn Vertrauen schwierig, wenn etwas fremd, ungewiss oder gar bedrohlich ist.

Claudio Tomassini, Leiter Pastoralraum Region Sursee