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Die Gruppe «Mein Weg»: Kochen, was für das Leben stärkt

Ab in den Ofen mit den Pouletbrüstchen: Vanessa und Erich Betschart am Frühlings-Kochabend von «Mein Weg». | © 2019, Dominik Thali
Ab in den Ofen mit den Pouletbrüstchen: Vanessa und Erich Betschart am Frühlings-Kochabend von «Mein Weg». | © 2019, Dominik Thali

Jugendliche mit und ohne Behinderung, die sich treffen, um das Leben zu teilen – und auch ihre Wünsche und Träume: Das ist die Gruppe «Mein Weg» der Behindertenseelsorge. Sie spielen zusammen, kochen, feiern. Oder führen auch mal Glaubensgespräche.

«Frühlingsdinner» heisst es auf der Menükarte zum heutigen Abend. Also kümmert sich Erich Betschart erst um die Pouletbrüstchen, die es zum Spargelrisotto gibt, und seine Schwester Vanessa und Olivia Iten rüsten Erdbeeren fürs Tiramisu. Kochen ist beliebt in der Gruppe «Mein Weg»: Für alle gibts eine Aufgabe, die sie mit ihren Fertigkeiten gut ausführen können, «und beim Hantieren kommt man automatisch miteinander ins Gespräch», sagt Sandra Dietschi. Sie leitet «Mein Weg» seit vier Jahren zusammen mit Hans Sutter, reformierter Sozial­diakon im Ruhestand. Die Stimmung in der Küche am Abenweg 1 in Luzern, wo die katholische Landeskirche ihre Büros hat, ist fröhlich. «Inzwischen kennen wir uns gut genug, dass wir uns auch Vertrauliches erzählen», sagt Gilbert Löhle. Seine Partnerin Brigitte Kunz kramt eine Flasche Roten aus einer der vielen Taschen ihres Elektro-Rollstuhls.

Menschen zum Wachsen bringen

Die Gruppe «Mein Weg – gemeinsam finden» geht auf Max Scheitlin zurück, der vor über zehn Jahren in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander vorschlug, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zu bilden. Max Scheitlin, ein heute 28-jähriger Mann mit einer körperlichen Beeinträchtigung, ging und geht es darum, Menschen zu helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen. «Dann können sie wachsen», heisst es in einem Text von ihm aus der Gründerzeit. Heute bestätigt Sandra Dietschi, was Gilbert Löhle erwähnt hat: «Die Mitglieder von ‹Mein Weg› kennen sich gut, wissen voneinander, auch um die Höhen und Tiefen. Dies ermöglicht sehr persönliche Gespräche, in denen gelacht und geweint werden darf.» Sie sei überzeugt, dass «Mein Weg» für die Teilnehmenden ein wichtiger Freundeskreis sei.

Themen, die über den Alltag hinausgehen

Im Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Die beiden Landeskirchen unterstützen das Angebot seit Beginn. Inzwischen gab es über 40 Treffen, in der Regel sind es vier pro Jahr. Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste; mal nimmt nur eine Handvoll an einem Anlass teil, mal sind es ganz viele, wie etwa beim sommerlichen Grillen im Brändi. Es gab schon Filmabende, einmal führte die sehbehinderte Olivia Iten ihr Flechthandwerk vor, oder Spielen ist beliebt. «Wir machen alles gerne», sagt Brigitte Kunz, wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien. «Das geniesse ich ebenfalls», sagt Max Scheitlin. Für ihn sind auch Religion und Glaube wichtig. Dieser Bereich kommt besonders an den Abenden zum Zug, die sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten richten. Da werden etwa Gedichte gelesen, mitgebrachte Texte diskutiert und Lieder gesungen. Allerheiligen kann ebenso ein Anknüpfungspunkt sein wie der «Frühling in und um uns herum» oder Weihnachten. Aber auch die Tagesaktualität fliesst ins Programm ein: Es ging schon um Menschenrechte und Behinderung oder das Leitbild «Leben mit Behinderung» des Kantons Luzern.

«Die Gruppe soll aufgrund ihrer Bedürfnisse selber bestimmen können, wie und mit welchen Themen und Formen sie arbeiten will», heisst es in der Medienmitteilung zum Start 2010. «Jede und jeder kann sich bei diesem Projekt mit seinen Fähigkeiten und Vorstellungen einbringen.» Das funktioniere gut, stellt Sandra Dietschi fest; und ist überzeugt: «Hier wird nicht nur von Inklusion gesprochen, hier wird sie gelebt.»

Dominik Thali