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Die ökumenische Notfallseelsorge: In der Not vor Ort

Die Mitglieder von ökumenische Notfallseelsorgende/Care Team sind Personen, die dafür ausgebildet sind, bei einem aussergewöhnlichen Ereignis – schwerer Unfall, Suizid, Naturkatastrophe usw. – die betroffenen Personen – Angehörige, Augenzeugen und unverletzte Beteiligte – in der Akutphase psychologisch und seelsorgerisch betreuen. Sie tragen damit zur Bewältigung von Krisensituationen bei und entlasten die Blaulichtorganisationen (Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr). Ein Teil dieser Personen ist in der (kirchlichen) Seelsorge tätig, ein Teil in anderen Bereichen, etwa der Spitex, Pflege oder Notfallpsychiatrie.

Immer mehr Einsätze

Die ökumenische Notfallseelsorge/Care Team, getragen vom Kanton und den drei Landeskirchen (katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern), besteht seit 2002. Wurden 2002 noch 23 Einsätze gezählt, sind es seither jedes Jahr im Schnitt 50 bis 60 Einsätze, bei grossen Ereignissen auch mehr. Die steigende Einsatzzahl ist auch auf die gute Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten und der Polizei zurückzuführen.

Auslöser war das Zugsunglück von Eschede

Die Notfallseelsorge steht allen Betroffenen unentgeltlich zur Verfügung, unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder ihres Glaubens. Auslöser für die Gründung war das schwere Zugsunglück vom Juni 1998 im deutschen Eschede mit 101 Todesopfern. Bei der Auswertung des Ablaufs der Rettungsarbeiten wurde festgestellt, dass vor allem für die psychische und seelsorgerliche Erstbetreuung der Opfer, der Angehörigen und der Rettungsdienste zu wenig Personal und kein geeignetes Konzept vorhanden waren. Verantwortliche für den Bevölkerungsschutz in der Schweiz kamen darauf zum Schluss, dass auch hier die Vorkehrungen im Falle eines schweren Unglücks nicht ausreichten.

Die ökumenische Notfallseelsorge im Kanton Luzern wurde vom reformierten Pfarrer Marcel Horni (Littau) initiiert. Er baute die Organisation zusammen mit den beiden anderen Landeskirchen und dem Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) des Kantons auf. 2011 schlossen sich die Notfallseelsorge und das Care Team Kanton Luzern zusammen.

Zurzeit gehören 40 Frauen und Männer zu Notfallseelsorge/Care Team. Zwei Mitglieder sind jeweils während einer Woche auf Pikett, um Angehörigen und weiteren Betroffenen beizustehen und allenfalls weiter gehende Hilfe zu organisieren. Sie werden über den Notruf 144 aufgeboten.

In die Bereichsleitung der Notfallseelsorge teilen sich Christoph Beeler-Longobardi, des. Leiter des Pastoralraum Ballwil-Eschenbach-Inwil, und Thomas Seitz (Luzern), hauptberuflich bei der Swisscom tätig.

Notfallseelsorgende im Einsatz beim Amoklauf von Menznau vom 27. Februar 2013. © Keystone/Urs Flüeler

Notfallseelsorgende im Einsatz beim Amoklauf von Menznau vom 27. Februar 2013. © Keystone/Urs Flüeler

 

Einsatzzahlen und -gründe

Die Statistik über die Jahre 2002 bis 2014 gibt Auskunft über die Anzahl Einsätze und die Gründe dafür. Sie können sie hier herunterladen.

Notfallnummer wählen

Wenden Sie sich in einem Notfall auf jeden Fall an die Blaulichtorganisationen, nicht an die Landeskirche, wählen Sie also die Nummer 144 (Rettungdienst), 117 (Polizei) oder Feuerwehr (118). Die Notfallseelsorge wird durch diese Organisationen aufgeboten.