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Zwei Könige, zwei Königinnen: das Pfarreiblatt-Krippenrätsel und dessen Lösung

Noch fehlt die klare, harmonische Zuordung der Krippenfiguren. | © 2019 Andreas Wissmiller
Noch fehlt die klare, harmonische Zuordung der Krippenfiguren. | © 2019 Andreas Wissmiller

In der ehrwürdigen Wallfahrtskirche St. Truthbert in Vorderhimmelshofen* steht Weihnachten bevor. Bei Sigrist Oskar auf den Felgen* steigt die Aufregung. Erst im Dezember hat er angefangen, alles ist neu für ihn. – Das Krippenrätsel aus der Pfarreiblatt-Dezembernummer und seine Lösung (unten an der Seite).

Jetzt soll er die kostbare Weihnachtskrippe aus dem Mittelalter aufbauen. Aber er müsse sehr sorgfältig vorgehen, hat ihm sein Chef, der Wallfahrtskaplan Urs Altarkus, eingeschärft: Die 24 Holzfiguren seien nicht nur äusserst wertvoll, sie vermittelten – richtig angeordnet – für das Mittelalter sehr moderne theologische Botschaften, die bis heute gültig seien. Auf die harmonische und durchdachte Positionierung der Figuren habe die Schnitzkünstlerin aus dem 13. Jahrhundert, die Inklusin Carmenzita Caumzusen*, eine theologisch sehr gebildete Frau, der Überlieferung nach grössten Wert gelegt. Es gebe auch eine übertragene Handschrift der Inklusin, erfährt der neue Sigrist, welche die Anordnung der Figuren in 24 Sätzen erläutere. Oskar solle sich keine Sorgen machen, er schaffe das schon, hatte Altarkus gesagt und ihn dann allein gelassen. Als nun der Sigrist die Handschrift liest, traut er seinen Augen kaum. Wie soll er nur mit diesen dürftigen, rätselhaften Angaben die Anordnung der Figuren herausfinden?

Wer kann ihm helfen?

Die 24 Sätze der Inklusin Carmen Caumzusen, mit denen sich die richtige Anordnung ermitteln lässt, lauten:

  1. Das Lamm trägt eine Königskrone.
  2. Links von Josef liegt ein Schaf, daneben verschnauft König Kaspar nach der langen Anreise zur Krippe.
  3. Sieben Figuren haben Menschengestalt, siebzehn eine Tiergestalt.
  4. Ochs und Esel sind auch da. Einer von beiden liegt hinter dem Jesuskind.
  5. 5. Zwischen Königin Melchaa und Maria liegt ein Schaf.
  6. Die Heilige Geistkraft, dargestellt als Taube, neckt den Esel vor ihr.
  7. Es gibt elf Schafe und ein Lamm. Alle Schafe scheinen zu blöken, manche sogar mit weit offenem Maul.
  8. Die Krippe enthält zwei Könige und zwei Königinnen, harmonisch verteilt auf die zweite und vierte Reihe.
  9. Das Jesuskind liegt in der dritten Reihe, genau in der Mitte.
  10. Der einzige Hirte hat die fünfte Reihe ganz für sich allein und freut sich, dort im Mittelpunkt zu stehen.
  11. Der Ochse kaut genüsslich Stroh in der dritten Reihe, als dritter von links.
  12. Rechts von König Balthasar stehen zwei Schafe, dann kommt der Löwe.
  13. Der Löwe kaut auch Stroh. Die beiden Schafe, rechts und links von ihm, schmiegen sich fast an ihn.
  14. Zwischen Josef und Maria hat sich der Esel gedrängt. .
  15. Vor Maria sonnt sich ein Wolf.
  16. Das Jesuskind in der Krippe schaut aus wie ein Lamm.
  17. Der Ochse fühlt sich von vier Schafen leicht bedrängt, eines vor ihm, eines links neben ihm, schräg vor und schräg hinter ihm auch je eines.
  18. König Kaspar steht in der zweiten Reihe, aussen links. Ein Aussenseiter?
  19. Der zahme Wolf freut sich über zwei Schafe rechts neben sich.
  20. Zwei Schafe blöken in der zweiten Reihe von hinten, drei andere Figuren befinden sich zwischen ihnen.
  21. In die zweite, dritte und vierte Reihen gehören jeweils sieben Figuren.
  22. Königin Melchaa steht in der zweiten Reihe ganz rechts. Zwei Reihen vor ihr eine unbekannte Königin.
  23. Ingesamt acht Schafe kauen in der dritten und vierten Reihe.
  24. Das verlorene Schaf erholt sich von den Strapazen in der sechsten Reihe, ganz in der Mitte.

Andreas Wissmiller

* Namensähnlichkeiten mit tatsächlichen Orten und Personen wären rein zufällig.

Des Rätsels Lösung


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Mögliche theologische An-Deutungen:

  • Das neue geborene Jesuskind ist friedlich wie ein Lamm. Ein solcher Friede geht von ihm aus, dass der sogenannte «jesajanische Tierfriede» Wirklichkeit wird (vgl. Jesaja 11, 6-9)
  • Das Jesuskind ist das Lamm Gottes. Als Lamm ist es verbunden mit allen Schafen.
  • Das Jesuskind ist auch ein König. Ein integrativer König der Mitte, korrespondierend mit den vier anderen königlichen Gestalten, zwei Männer, zwei Frauen, für die vier Himmelsrichtungen, also die ganze Welt. Die vier königlichen Gestalten bilden die Eckpfeiler («alle Enden der Erde sehen Gottes Heil»). Sie sind zugleich beauftragt, die Botschaft von der Krippe an den Rändern der Welt zu verkünden.
  • Die vier königlichen Gestalten sind umgeben von Schafen. Sie gehören ganz nah zusammen, eigentlich unterscheiden sie sich kaum.
  • Die vierte königliche Gestalt steht für Dich oder mich. Sie repräsentiert jeden Menschen und dessen Würde.
  • Manchmal ist der, den wir als Esel betrachten, der Heiligen Geistkraft am nächsten.
  • Ein guter Hirt kümmert sich besonders um Schafe am Rand.
  • Es gibt viel mehr Schafe als Hirten und König*innen, aber sie bilden keine schweigend-duldende Mehrheit, sondern sie erheben deutlich ihre Stimme.
  • Die weibliche Seite mit Maria und den Königinnen bildet den einen Flügel der Heilsgeschichte, die männliche mit Josef und den Königen die andere.
  • Die dynamisch-aufbrechende Kraft des Geistes und die bewahrend-stabile Kraft des Hirten bilden eine gegensätzliche, aber harmonische Klammer um das Jesusgeschehen.