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Yvonne Schärli soll neue Caritas-Präsidentin werden

Yvonne Schärli, designierte neue Präsidentin des Vereins Caritas Luzern. | © 2017 Sylvia Stam, kath.ch
Yvonne Schärli, designierte neue Präsidentin des Vereins Caritas Luzern. | © 2017 Sylvia Stam, kath.ch

Yvonne Schärli soll neue Präsidentin der Caritas Luzern werden. Die ehemalige Luzerner Regierungsrätin stellt sich als Nachfolgerin von Anton Schwingruber zur Verfügung, der den Verein Caritas Luzern während vier schwieriger Jahre geführt hat. Die Caritas hat innerhalb von zwei Jahren fast die Hälfte seiner Mitarbeiter verloren. Grund ist der Verlust von Aufträgen in der Migration an den Kanton.

An einer Medienkonferenz am 26. April zeigte das katholische Hilfswerk auf, in welchen Bereichen es nach wie vor tätig ist. Der Ort dafür war bewusst gewählt: Nicht etwa die eigenen Räume in Bahnhofsnähe und unmittelbarer Nachbarschaft zum Amt für Migration, sondern das «Haus Grossmatte», ein Industriegebäude am Rande Luzerns, zwischen Kaffeerösterei und Biscuitfabrik gelegen. In der Velo-Reparaturwerkstatt blickten Geschäftsleiter Thomas Thali und der abtretende Präsident Anton Schwingruber auf bewegte Zeiten zurück: In den letzten zwei Jahren hatte das katholische Hilfswerk sowohl den Asyl- wie den Flüchtlingsauftrag an den Kanton verloren. Letzteren lehnte Caritas Luzern ab, weil der Kanton ihrer Meinung nach zu wenig zahlte.

Sich entwickeln, nicht wachsen müssen

In Zahlen ausgedrückt fand damit eine Reduktion von 370 (Ende 2015) auf derzeit 160 Mitarbeitende statt, wie Schwinggruber ausführt. Thali ergänzt, dass Caritas Luzern damit im Jahr 2017 wieder gleich gross sei wie 2008. Als Folge seien die Führungs- und Supportstrukturen verkleinert worden: Konkret wurde unter anderem die Geschäftsleitung laut Thali von sieben auf vier Personen reduziert.

«Caritas Luzern muss nicht wachsen, um die jetzige Führungsstruktur zu erhalten, kann sich aber entwickeln», fasst Schwingruber die Veränderungen zusammen. Nun aber wolle man «vorwärts schauen, nicht zurück», so der ehemalige CVP-Regierungsrat. Diese Haltung sei gerade für jene Menschen, mit denen Caritas zu tun habe, von Bedeutung, entsprechend wirkten die Mitarbeiter von Caritas so auch glaubwürdig. Schwingruber gibt sein Amt nach vier Jahren ab, dies habe er von Anfang an so mitgeteilt.

Die Aufgaben gehen nicht aus

«Wir verlieren einen Teil unserer Geschichte, nicht aber unsere Werte», fügte Geschäftsleiter Thomas Thali an. Das Hilfswerk sei immer in Veränderungsprozessen gestanden, «das haut uns nicht um!» Caritas Luzern sei in einem Bereich tätig, wo ihr die Aufgaben nicht ausgingen: In der Arbeit mit Armutsbetroffenen, in der beruflichen Integration, weiterhin im Migrationsbereich sowie in Bereich der letzten Lebensphase (siehe Kasten).

«Uns geht es immer ums Leben», fasste Thali zusammen. In Zukunft werde eine der zentralsten Fragen jene nach günstigem Wohnraum sein, prognostizierte er. Hier seien bereits Gespräche für eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen im Gang. Vor kurzem habe das Hilfswerk ausserdem einen Auftrag in sozialer Arbeit von der Landeskirche des Kantons Luzern erhalten.

Konkret gehe es um eine Zusammenarbeit der Fachbereiche der Landeskirche mit Caritas Luzern, präzisierte Thali gegenüber kath.ch. Die Diakonie (Dienst am Menschen) habe in vielen Pfarreien und Kirchgemeinden noch Entwicklungspotenzial. Die Rolle der Caritas bestehe dabei vor allem in der Beratung und Begleitung, sie werde keine eigenen Projekte durchführen. Konkreteres werde im Mai bekannt gegeben.

«Verlässliche Partnerin»

Als designierte Nachfolgerin Schwingrubers hat sich Yvonne Schärli (65) zur Verfügung gestellt. Die Sozialdemokratin Schärli war von 1991 bis 2003 als Grossrätin im Luzerner Kantonsparlament, von 2003 bis 2015 war sie Regierungsrätin des Kanton Luzern und leitete das Justiz- und Sicherheitsdepartement. Zwar habe sie in einer ersten Reaktion gedacht, «das ist doch ein CVP-Job!» Doch sie freue sich auf die Möglichkeit, hier mitgestalten zu können. Als Regierungsrätin lernte sie das Hilfswerk als «verlässliche Partnerin beim Umgang mit Armutsbetroffenen» kennen. Sie sei zudem «auf der anderen Seite» gestanden, als die Entscheidung zum Asylauftrag gefällt worden sei. Caritas Luzern habe «gefasst» reagiert, wie Schärli feststellt. Sie soll an der Vereinsversammlung vom 13. Juni gewählt werden.

Sylvia Stam / kath.ch