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Woche der Religionen: «Ein anderes Judentum vermitteln»

«Ein anderes Judentum vermitteln,«als es häufig in den Köpfen der Menschen verankert ist»: Tamar Krieger will davon im «Zwischenhalt» am 6. November im Maihof in Luzern berichten. | © 2016 Urban Schwegler
«Ein anderes Judentum vermitteln,«als es häufig in den Köpfen der Menschen verankert ist»: Tamar Krieger will davon im «Zwischenhalt» am 6. November im Maihof in Luzern berichten. | © 2016 Urban Schwegler

Judentum, das heisst für Tamar Krieger schöne Musik, alte Traditionen und lehrreiche Texte, aber auch Gemeinschaft und Austausch mit anderen. Die liberale Jüdin lädt am 6. November im Kirchensaal Maihof in Luzern zur Begegnung mit dem Judentum ein. Die interreligiöse Feier «Zwischenhalt» ist eine Veranstaltung im Rahmen der Woche der Religionen, die in Luzern und schweizweit seit zehn Jahren stattfindet.

Die Religion spielt im Alltag von Tamar Krieger keine grosse Rolle. Sie ist nicht orthodox erzogen worden und hält sich daher auch nicht an die jüdischen Speisegesetze oder die Ruhe am Schabbat. Dennoch sagt sie: «Jüdisch zu sein ist Teil meiner Identität. Es ist vielleicht nicht der stärkste Teil meiner Identität, aber doch existent. Es bedeutet für mich auch, eine Tradition aufrechtzuerhalten, die es weltweit und vor allem auch in der Schweiz nicht mehr so oft anzutreffen gibt.»

Für Tamar Krieger stehen in Bezug auf das Judentum nicht die Religion oder der Glaube im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft und die Tradition, die sie darin zu spüren bekommt. Beides kommt in den jüdischen Feiertagen zum Ausdruck, die sie jeweils im familiären Rahmen feiert. «Feste sind eine gute Möglichkeit, mit der Familie an einem Tisch zu sitzen und gut zu speisen.» Doch das ist nicht alles: «An den Hohen Feiertagen wie Neujahr und Versöhnungstag besuche ich auch immer den Gottesdienst in der Jüdischen Liberalen Gemeinde in Zürich.»

Von der Schülerin zur Lehrerin
Tamar Krieger unterrichtet an der Kantonsschule Alpenquai in Luzern Religionskunde und Ethik. Daneben engagiert sie sich unter anderem in der liberalen Gemeinde Or Chadasch in Zürich. «Ich bin selber in der dieser Gemeinde aufgewachsen und habe dort den Religionsunterricht besucht. Ich war auch in meiner Jugendzeit Leiterin beim jährlichen Auffahrtslager. Die Gemeinde hat mir – nebst meinen Eltern – viel für meine jüdische Erziehung mitgegeben.» Vor vier Jahren hat sie selber angefangen, den wöchentlichen Religionsunterricht in der Gemeinde zu geben. Nach zwei Jahren hat sie dann die Position als Vorsitzende der Schulkommission übernommen und ist seither auch im Vorstand der Gemeinde tätig.

Hier organisiert sie den wöchentlichen Religionsunterricht, Schulveranstaltungen und trifft in den Vorstandssitzungen Entscheidungen, welche die Gemeinde als Ganzes betrifft. «Es steckt viel ehrenamtliche Arbeit dahinter und der Weg nach Zürich ist manchmal auch beschwerlich – aber ich kann auf diese Weise der Gemeinde etwas zurückgeben!»

Mit anderen ins Gespräch kommen
Am 6. November gestaltet Tamar Krieger im Rahmen der Woche der Religionen (5.–13. November) den «Zwischenhalt», eine offene Gottesdienstform, die sich im Maihof seit einigen Jahren etabliert hat. Dabei möchte sie den Teilnehmenden ein anderes Judentum vermitteln, «als es häufig in den Köpfen der Menschen verankert ist. Das Judentum besteht aus schöner Musik, alten Traditionen und vielen interessanten und lehrreichen Texten.» Gleichzeitig gehe es darum, für den Dialog zwischen den Religionen zu werben. «Man kann gut mit anderen Religionen kommunizieren und sich austauschen, ohne die eigene religiöse Identität zu verlieren. Ich glaube, dass die Angst vor einem Identitätsverlust viele Menschen davon abhält, in ein Gespräch mit anderen zu treten.»

Dass der «Zwischenhalt» in einer christlichen Kirche stattfindet, macht ihr keine Mühe. «Mein Vater ist selber christlich und wir haben zu Hause auch christliche Feiertage wie Weihnachten oder Ostern gefeiert. Für mich haben Kirchen etwas Beruhigendes und es gibt immer auch sehr viel Interessantes zu entdecken.»

Urban Schwegler

 

Die Woche der Religionen

Rund 150 Veranstaltungen laden vom 5. bis 13. November schweizweit zu Begegnung und Dialog zwischen den in der Schweiz ansässigen Religionen und Kulturen ein. Das vollständige Programm und Informationen finden sich unter www.woche-der-religionen.ch.

Folgende Veranstaltungen finden während der Woche der Religionen in der Stadt Luzern statt:

Zwischenhalt: Begegnung und Gottesdienst in freier Form aus der Tradition des Judentums mit der liberalen Jüdin Tamar Krieger (siehe Haupttext). Gestaltung: Tamar Krieger und Beata Pedrazzini; Gesang/Gitarre: Omer Nevo. | Sonntag, 6. November, 10 Uhr, Kirchensaal Maihof

Abendtisch «Was isst Religion?»: Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Weltreligionen bereiten Spezialitäten aus ihren religiösen Traditionen zu und stellen diese vor. | Mittwoch, 9. November, 19 Uhr, Kirchensaal Maihof; Erwachsene 10 Franken; Kinder gratis; Anmeldungen bis 8. November, 17 Uhr, an Beata Pedrazzini 041 420 25 78; b.pedrazzini@z-m-l.ch

Werben um Frieden und Liebe: Interreligiöse Friedensfeier zur Woche der Religionen. Gedanken, Texte und Musik aus verschiedenen Religionstraditionen zu Frieden und «Heimat finden». Mit Vertreterinnen und Vertretern von Buddhismus, Hinduismus, Bahá’i, Judentum, Islam, Alevitentum und Christentum. | Donnerstag, 10. November 19.30 Uhr, Kirchensaal MaiHof