Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

Toni Schmids Kolumbien-Erinnerungen oder: «Vivir bien» mit dem Padre Suizo

«Gesagt und bald getan»: Toni Schmid (88) in seinem Haus, einem alten Käsespeicher in Sörenberg. | © 2018 pd
«Gesagt und bald getan»: Toni Schmid (88) in seinem Haus, einem alten Käsespeicher in Sörenberg. | © 2018 pd

Zum «vivir bien» beitragen, zum guten Leben der Gemeinschaft, wollte der Priester Toni Schmid, als er vor 40 Jahren nach Kolumbien zog. Jetzt erzählt er in einem Buch davon. Von «Indianerweisheiten» und vom Handeln.

Einmal, als jedes Dorf zwei Katecheten für einen Kurs hätte stellen können, marschierten die Indianer gleich mit 14 Personen auf: die zwei Männer mit ihren Frauen und Kindern plus drei Musikanten. Ihre Begründung hat Toni Schmid heute noch in den Ohren: «Wie wollt ihr über das Leben und dessen Sinn reden ohne Frauen, ohne Kinder und ohne Musik?» Diese Indianerweisheit habe er Bischof Kurt Koch «für Rom weitergeleitet», als dieser 2010 zum Kardinal berufen worden sei.


Geschichten, die gut tun

Dieses Erlebnis, das Toni Schmid in seinem Buch «Kolumbien, wo mein Herz Hüpfer machte», schildert, steht sinnbildlich dafür, was er von seinen 13 Jahren in Südamerika weitergeben will: «Geschichten, die mir und den Leuten vo däne gut getan haben, die nicht drücken, sondern lüpfen», sagt er. Bei seiner Begrüssung in St. Carlos im Norden Kolumbiens war der Padre Suizo willkommen geheissen worden mit den Worten, der Pfarrer solle helfen, dass alle Leute gut und friedlich zusammenleben könnten und sorge für «vivir bien», für gutes Leben der Gemeinschaft.

Toni Schmid, 1930 in Sörenberg geboren, war zehn Jahre Pfarrer in Hitzkirch gewesen, als er 1978 das erste Mal nach Kolumbien zog. Nach sechs Jahren kehrte er zurück und wurde Pfarrer der Johannes-Pfarrei in Luzern. 1995 bis 2002 weilte er erneut in Kolumbien. Am Ende musste er angesichts der Waffengewalt aus dem Land fliehen. Schmid erlebte Schlimmes, lässt dies in seinem Buch jedoch weg. Es gebe genug «wüeschti Sache» auf der Welt, findet er.


Auch Mit den Händen beten

Lieber erzählt er, wie er gelernt habe, in Sandalen zu gehen, weil nur Grossgrundbesitzer feste Schuhe trügen und Lackschuhe die Geistlichkeit. Schmid, vom Aufbruch der Befreiungstheologie gelockt, wollte «wie Jesus früher zu den einfachen Leuten gehen». Der Padre Suizo war (auch) in Kolumbien ein Macher. «Gesagt und bald getan»: Der Satz kommt seinem Buch mehrmals vor. «Predigt nicht von oben mit schönen Worten», schreibt er an einer Stelle. «Nur wer Hand anlegt und Güter der Erde weitergibt, begegnet uns als Mitarbeiter der Mutter Erde und als Christ glaubwürdig. Das nennen wir Beten mit den Händen.» Diese «letzte Weisheit» nahm Toni Schmid von den Befreiungstheologen in Nicaragua zurück in die Schweiz mit.

Hier zog er nach seiner zweiten Rückkehr, 2002, wieder nach Sörenberg, wo er im Spier wohnt, in einem alten Käsespeicher. Noch immer macht er priesterliche Aushilfen. Der mittlerweile 88-Jährige strotzt vor Lebenskraft. In Kolumbien hat er gelernt: «Gutes Leben gelingt nur mit Freunden und Freundinnen.» Will heissen: «Vivir bien», auch im Entlebuch.

Dominik Thali

Aus dem Entlebucher Medienhaus

Toni Schmid, «Kolumbien, wo mein Herz Hüpfer machte», 144 Seiten, 30 Fotos, Verlag Entlebucher Medienhaus, Schüpfheim, Fr. 23.–. ISB 978-3-906832-06-7