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Theres Wildisen, Pfarrhausfrau in Buttisholz: «Schliesslich bin ich einfach geblieben…»

«Pfarrhausfrau ist kein Job, sondern eine Aufgabe»: Theres Wildisen auf der Bank vor dem Eingang zum Pfarrhaus Buttisholz. Sie blickt auf 50 Jahre Berufserfahrung zurück. © 2015 Dominik Thali
«Pfarrhausfrau ist kein Job, sondern eine Aufgabe»: Theres Wildisen auf der Bank vor dem Eingang zum Pfarrhaus Buttisholz. Sie blickt auf 50 Jahre Berufserfahrung zurück. © 2015 Dominik Thali

Pfarrköchin nannte man sie früher, Pfarrhausfrau sagt man ihnen heute. Es gibt immer weniger von ihnen, weil in vielen Pfarrhäusern heute Familien wohnen. Theres Wildisen aber lebt ihren Beruf und ihre Berufung seit 50 Jahren. Nicht mehr in der Küche, aber nach wie vor der Seelsorge. 

Die Pfarrköchin, ein frommes Fräulein? Theres Wildisen schmunzelt – sie kennt dieses alte Bild. «Aber das hat sich stark geändert.» Sie selbst sei jedenfalls das Gegenteil, meint sie, und der Schalk blitzt aus ihren Augen. «Ich könnte doch gar nicht anders.» Die Verantwortung für den Pfarrhaushalt in Buttisholz hat sie vor sechs Jahren ihrer Nachfolgerin übergeben, mit 75 ist Theres Wildisen aber immer noch Lektorin und Kommunionhelferin, sie singt im Kirchenchor, macht in der Frauenliturgiegruppe mit oder bringt die Krankenkommunion. «Einen Pfarrhaushalt zu führen ist kein Job, sondern eine Aufgabe», sagt Theres Wildisen. «Und zwar eine schöne.» Sie habe sich – später jedenfalls – nie als Angestellte gefühlt, sondern Mitarbeiterin. Sie sagt aber auch: «Das Dienen liegt mir.»

Von Adligenswil nach Kriens und Buttisholz

Mit Bescheidenheit erzählt Theres Wildisen aus ihrem Leben, aber auch Humor. Mit acht Geschwistern wuchs sie auf einem Bauernhof in Hitzkirch auf, machte im Konsum die Verkäuferinnen-Lehre, führte später einen Laden in Rothenburg – und wusste nicht so recht, was das Leben ihr noch bringen sollte. «Ich dachte ame scho, wenn ich mit 30 noch ledig bin, gehe ich in ein Pfarrhaus.» Theres Wildisen schmunzelt.
Als ihr dann eine Kollegin erzählte, der neue Pfarrer von Adligenswil, Johannes Amrein, suche eine Köchin, sagte sie zu und zog im Januar 1965 ins Pfarrhaus in ein Zimmerchen ohne fliessend Wasser. «Ab und zu durfte ich fernsehen, das war schon etwas.» 1967 zog Johannes Amrein nach Kriens, Theres Wildisen ging mit, nebst dem Pfarrer gab es fortan auch die Vikare zu versorgen. Die Unsicherheit, obs das Richtige sei, blieb freilich, aber sie sei schliesslich «einfach geblieben», machte da mit und dort, Beziehungen entstanden, und so sei ihr die Aufgabe «mit der Zeit wie eine Berufung» geworden. «Es war ein guter Weg», blickt sie heute zurück.
Auf Johannes Amrein, der Regionaldekan wurde, folgte 1976 Pater Josef Huber, bei dem Theres Wildisen bis zu dessen Pensionierung 1992 blieb. Danach schaute sie sich andere Stellen an, zum Beispiel in Bildungshäusern. «Das passte mir aber nicht, ich wollte in einer Pfarrei mitmachen.» Also zog Theres Wildisen zu Pfarrer Birrer nach Butttisholz. Über ihr Zaudern, aufs Land zu ziehen, obsiegte am Ende die Vernunft: «Ich dachte mir, die Stelle stimmt, und der Beruf ist schliesslich meine Hauptbeschäftigung. Und Eduard Birrer brauchte jemanden. Meine Vorgängerin war ins Kloster gezogen.»

Für eine friedliche Stimmung sorgen

In Buttisholz lebt Theres Wildisen bis heute und, trotz Pensionierung, nach wie vor im Pfarrhaus. «Hier wird es einem garantiert nie langweilig», sagte ihre Berufskollegin Rosmarie Koller vom Kreis der Pfarrhausfrauen Luzern in ihrer Predigt im Gottesdienst vom 4. Januar. An diesem Tag, exakt 50 Jahre nach dem Stellenantritt in Adligenswil, bereitete die Pfarrei Theres Wildisen ein Fest. Sie hätten beide ihren damaligen Entschluss, von der Ladentheke in ein Pfarrhaus zu wechseln, nie bereut, sagte Rosmarie Koller. «Hier konnten wir kreativ und selbständig arbeiten und uns mit unserer Meinung einbringen.»
«Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind…», steht auf der Bank vor dem Pfarrhauseingang, auf der Theres Wildisen gerne sitzt. Es liege stark an der Pfarrhausfrau, dass im Haus eine angenehme und friedliche Stimmung herrsche, sagte Rosmarie Koller in ihrer Predigt. «Mitten unter ihnen» sorgte und sorgt Theres Wildisen gerne dafür.

Dominik Thali

Aus dem «Luzerner Kirchenschiff» vom Oktober 2015. Zur ganzen Ausgabe und früheren Nummern: hier…