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Theologische Gespräche mit Kindern: Erwachsene anworten, Kinder verblüffen

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© Cartoon: Jonas Brühwiler | jonas-comics.ch

Kleine Leute fragen den grossen gerne Löcher in den Bauch. Über Gott und die Welt wollen sie alles wissen. Einfache Antworten gibt es selten. Dafür verborgene Wahrheiten, die sich im gemeinsamen Gespräch entdecken lassen. Das neue Buch «Hat Gott auch eine Mama?» will dazu Mut machen.

Wer hat Ostern erfunden? Kommen Tiere auch in den Himmel? Und warum gibt es eigentlich Leben? Philosophieren mit Kindern ist spannend, aber bei religiösen Fragen sind die Erwachsenen oft unsicher. Die Religionspädagogen Daniel Ritter und Christian Cebulj machen mit dem Buch «Hat Gott auch eine Mama?» Mut, sich auf theologische Gespräche einzulassen. Sie haben 24 Fragen und Antworten gesammelt, die im «Forum Kirche» erschienen sind, dem Pfarreiblatt der Kantone Thurgau und Schaffhausen, liefern in begleitenden Texten leicht verständliche Theorie und geben Tipps zu Gesprächsmethoden.

Sinnieren über Sinnfragen stärkt die Identität
Ritter und Cebulj ermuntern dazu, das Interesse der Kinder am Nachdenken über Gott und die Welt zu fördern. «Das erweitert nicht nur den Glaubenshorizont der Kinder, sondern auch den von uns Erwachsenen.» Und: «Überall da, wo Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Gott und dem christlichen Glauben wach werden, entwickeln Kinder eine eigene Identität.» Solche Fragen können für die beiden Autoren nicht nur im Gespräch erörtert werden. Sie leiten auch an zum kreativen Schreiben und zum Gestalten mit Kindern, Bilderbücher zu verwenden und auch selbst zu erzählen. Denn «Vorlesen regt die Fantasie und kindliche Deutung von Welt und Wirklichkeit an».

Das Buch «Hat Gott auch eine Mama?» richtet sich an «Mütter und Väter, Grosseltern, Paten oder andere Verwandte und Bekannte von Kindern». Ihnen können die Antworten auf die 24 Kinderfragen eine Hilfe sein. Diese sind fundiert und mitunter aber auch anspruchsvoll, weil sie alle von Fachleuten geschrieben wurden. Zum Beispiel, dass Gott keinen Anfang habe und deshalb auch keine Mama brauche. Etwas zu kurz kommt daneben, was Kinder selbst auf ihre Fragen antworten. Zumal Ritter und Cebulj selbst anmerken, das Wesentliche eines Gesprächs geschehe «im Dialog selbst. Das bedeutet, dass wir erst durch das Gespräch zu einer möglichen Antwort kommen – und nicht in erster Linie durch unser grosses Vorwissen.»

Hebamme sein
So kann die Gegenfrage auf eine herausfordernde Kinderfrage – «Wie stellst du dir das vor?» – eine theologisch durchaus überzeugende Antwort hervorrufen. Im Buch meint etwa die sechsjährige Jaël auf ihre Frage, ob «Gott im Himmel eigentlich so etwas wie der Chef der Engel» sei: «Hmm, ja, vielleicht sind im Himmel auch alle ein bisschen Chef!» Die gleiche Jaël findet, es gebe Leben, «damit auf der Erde etwas läuft», und «weil Gott es einfach schön fand».

Theologische und philosophische Gespräche mit Kindern sind ein Schenken und Beschenkt-Werden. Ritter und Cebulj halten es mit dem griechischen Philosophen Sokrates, der die Philosophie als Hebammenkunst bezeichnete: «Wenn es gelingt, dass nicht nur Sie selbst etwas Neues erfahren, sondern auch das Kind mit Ihrer Hilfe eine Idee, eine Überzeugung, sogar einen Funken ‹Glauben› gebiert, dann sind Sie zur ‹Hebamme› geworden.» Ab in den Gebärsaal also!

Dominik Thali

Hat Gott auch eine Mama?

Ritter, Daniel (Hrsg) / Cebulj, Christian (Hrsg.): Hat Gott auch eine Mama? Broschiert, 48 Seiten, Rex-Verlag, Luzern 2019, ISBN 978-3-7252-1042-8,
Preis ca. Fr. 24.–