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Synodepräsidentin Ursula Hüsler: «Es ist ein Privileg, gestaltend mitzuwirken»

Präsidentin Ursuls Hüsler an der Synodesession vom 7. November 2018. Das Kirchenparlament tagt im Kantonsratssaal in Luzern. | © 2018 Roberto Conciatori
Präsidentin Ursuls Hüsler an der Synodesession vom 7. November 2018. Das Kirchenparlament tagt im Kantonsratssaal in Luzern. | © 2018 Roberto Conciatori

In der katholischen Schweiz verantworten Seelsorge und Behörden die Kirche gemeinsam. Das «Kirchenschiff» lässt Frauen und Männer zu Wort kommen, die in diesem dualen System tätig sind. In dieser Ausgabe: Ursula Hüsler, Präsidentin der Synode, des Kirchenparlaments.

«Der Begriff ‹dual› wird der Wirklichkeit eigentlich nicht gerecht. Kirche ist für mich vielmehr ein Netzwerk – von Menschen und Einrichtungen, von Grundhaltungen und religiösen Überzeugungen, die gemeinsam für die Gesellschaft viel Gutes bewirken können.
In meinem zweiten Jahr als Synodepräsidentin möchte ich meine eigene Vernetzung mit den Menschen vor Ort noch weiter vorantreiben. Das Wahljahr ist vorbei, die Kommissionen haben ihre Arbeit aufgenommen. Ich freue mich, an ihren Sitzungen teilzunehmen, vom Erfahrungsschatz der Mitglieder profitieren und selbst das eine und andere beitragen zu können.


Gleichberechtigung erfahren

Das duale System macht es für viele Menschen, die sich im Netzwerk Kirche bewegen, nicht immer einfach, sich jederzeit der eigenen Rolle bewusst zu sein. Es ist wichtig, sich darüber Rechenschaft zu geben, welchen Hut man trägt. Spreche ich als Gläubige, als Mitarbeitende oder Synodale? Abhängig davon habe ich eine andere Verantwortung, aber auch andere Kompetenzen. Wichtig ist mir auch, dass ich mir meiner Vorbildfunktion bewusst bin. Die Verantwortlichen brauchen ein offenes Ohr zum Zuhören, müssen das Gehörte ernst nehmen und dieses in die Suche nach Lösungen einbeziehen wollen.
Ich empfinde es als Privileg, gestaltend in der Kirche mitwirken zu können, insbesondere auch als Frau. In der Synode erfuhr ich zum ersten Mal Gleichberechtigung in der Kirche und viel Wertschätzung für meine geleistete Arbeit. Ministrantin konnte ich seinerzeit als Mädchen ja noch nicht werden. Ohne die Synode hätte ich den Mut und Willen, die Erwachsenenmatura zu absolvieren, wohl nicht aufgebracht. Damit habe ich mir aber die Basis geschaffen, um auch auf der pastoralen Seite mitgestalten zu dürfen. Das macht mich zufrieden und freut mich. Zwar verschliesse ich meine Augen nicht vor der Tatsache, dass Frauen kirchenrechtlich nach wie vor diskriminiert werden. In meiner täglichen Arbeit in der Kirche vor Ort erlebe ich mich als Frau jedoch gleichberechtigt und wertgeschätzt.


Menschen Fragen nach dem Woher und Wohin

Die Kirche ist nach wie vor ein wichtiger Player in Politik und Gesellschaft. Dafür stehe ich ein. Aktuell bin ich am Master in Religionswissenschaften und Theologie. Was mich daran interessiert, ist die Tatsache, dass es offenbar ein Grundbedürfnis der Menschen ist, sich Gedanken zum Woher und Wohin und dem Dazwischen zu machen. Warum sonst hätten weltweit Völker religiöse Antworten auf diese Fragen entwickelt?»

 

Ursula Hüsler, 57, präsidiert 2018 und 2019 die Synode. Sie ist Leitungsassistentin des Pastoralraums Emmen-Rothenburg sowie Assistentin des Kirchenrats Emmen. Ursula Hüsler ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Kriens.