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Synodepräsidentin Ursula Hüsler: «Das kann auch unabhängig von der Weltkirche umgesetzt werden»

Die scheidende Synodepräsidentin Ursula Hüsler bei ihrem Statement. | © 2019 Dominik Thali
Die scheidende Synodepräsidentin Ursula Hüsler bei ihrem Statement. | © 2019 Dominik Thali

Eine glaubwürdige Kirche, eine Willkommenskultur für Menschen mit Charismen, und Wertschätzung für Lebenserfahrung und Engagement: Diese drei «dringlichen Wünsche» an Bischof Felix Gmür richtete Synodepräsidentin Ursula Hüsler-Lichtsteiner in ihrer Abschlussrede an das Luzerner Kirchenparlament. Dafür erntete sie Applaus.

Bischof Felix Gmür sprach an der Frühjahrssession der Synode am 15. Mai dieses Jahres; im Anschluss daran richteten Ursula Hüsler und Vizepräsident Martin Barmettler namens der Geschäftsleitung der Synode einen Brief an den Bischof, den auch Synodalratspräsidentin Annegreth Bienz-Geisseler und Synodalverwalter Edi Wigger unterschrieben.

An der Synode vom 6. November bezog sich Ursula Hüsler in ihrer Abschiedsrede als Präsidentin auf den Bischofsbesuch, den Brief und die Antwort des Bischofs und nahm dazu Stellung. Beide Schreiben lagen den Synodalen vor. Wir veröffentlichen das Statement von Ursula Hüsler nachfolgend im Wortlaut.

«Eine konkrete Antwort erhielten wir nicht»

In unserer Frühjahrssession durften wir Bischof Felix Gmür begrüssen. Über eine Stunde lang berichtete er von seinen Erfahrungen und beantwortete unsere Fragen.

Das Feedback der Synodalen wurde gesammelt und in der nachfolgenden Geschäftsleitungssitzung intensiv diskutiert. Diese Versammlung der Präsidierenden von Kommissionen, Fraktionen und Synode beschloss, dass Martin Barmettler und ich einen Brief an Bischof Felix Gmür verfassen sollte. Einerseits wollten wir ihm nochmals für seinen Besuch vom 15. Mai danken, andererseits sollte nochmals mit aller Dringlichkeit von unse-ren Sorgen gesprochen werden.

Folgende Punkte wurden dabei angesprochen:

  • «Frauenordination» und «Aufhebung des Pflichtzölibats» sind Forderungen, die viele von uns bewegen. Wir sind uns jedoch der Probleme bewusst, die damit einhergehen.
  • Prioritär wollen wir deshalb unser Augenmerk auf Probleme richten, die ebenso dringlich sind und uns in der pastoralen Wirklichkeit tagtäglich beschäftigen.
  • Dazu gehört in erster Linie die Sorge um unsere Seelsorgenden. Viele von ihnen erschöpfen sich im Versuch, allen Erwartungen und Forderungen gerecht zu wer-den.
  • Gleichzeitig werden vielerorts vakante Stellen nicht mehr besetzt oder die Wahl der Kirchgemeinde besteht aus «diesem oder keinem». In unserem Schreiben vom 15. Juni schlugen wir deshalb diverse Massnahmen vor, die zu einer Verbesserung der Situation beitragen könnten.

In seinem Antwortschreiben vom 25. Juni erachtete Bischof Felix diverse dieser Vorschläge als nicht zielführend und wies auf Prozesse hin, die bereits im Gang seien. Eine konkrete Antwort erhielten wir jedoch nicht.

Hingegen wurde bemängelt, dass wir in unserem Schreiben von «Kunden» (in Anführungs- und Schlusszeichen) sprachen und von deren gestiegenen Ansprüchen. Dass die RKZ einen Kirchenmanagementkurs anbietet und auch in der Einführung für Gemeindeleitende Management-Modelle zu Hilfe genommen werden, um Prozesse verständlich darzustellen, belegt, dass sich auch die Theologie beim Wortschatz anderer Fachrichtungen bedient. Das schmälert unser Engagement, am Reich Gottes weiterzubauen, in keiner Weise.

«Das stellt die Glaubwürdigkeit der Kirche in Frage»

Basierend auf dieser Vorgeschichte, gebe ich an dieser Stelle – in Absprache mit meinem Vizepräsidenten – folgendes Statement ab:

  • Wir wünschen uns eine glaubwürdige Kirche! Allzu viele, bestens qualifizierte Theologen verlassen die Seelsorge und wandern in andere Berufe ab, weil sie sich an den Strukturen des Bistums reiben. Andere erhalten innerhalb des Bistums gar nie eine Stelle. Gleichzeitig üben Seelsorgen-de ihre Funktionen in der Pastoral vor Ort weiter aus, obwohl sie den kanonischen Vorgaben nicht genügen. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Diese Doppelmoral wird von der Kirchenbasis durchaus wahrgenommen und stellt die Glaubwür-digkeit der Kirche in Frage.
  • Wir wünschen uns eine Willkommenskultur für Menschen mit Charismen! Mittel- und langfristig wird kein Weg daran vorbeiführen, Charismen von Laien konsequent zu fördern und sie zu befähigen, damit sie bestimmte Dienste in der Pastoral übernehmen können. (Dabei sprechen wir nicht von Lektoren und Lektorinnen.) Diesen Effort können die Pastoralräume und Pfarreien jedoch nicht allein leisten. Dabei sind sie auf die Unterstützung des Bistums angewiesen.
  • Wir wünschen uns Wertschätzung für Lebenserfahrung und Engagement! Pastorale Mitarbeitende, die sich ausschliesslich über ForModula-Bausteine theologisch gebildet haben, erhalten heute konsequent keine «Missio». Wir wünschen uns, dass Lebenserfahrung und Engagement gleichermassen ins Gewicht fallen wie Diplome und die entsprechenden mehr Spielraum erlauben.

Wir beschränken uns an dieser Stelle auf diese drei Punkte, die wir bereits in unserem Schreiben vom 15. Juni erläutert haben, weil dies unseres Erachtens die dringlichsten sind und auch unabhängig von Rom und der Weltkirche umgesetzt werden können. Wir bitten Hanspeter Wasmer, unsere Bitten und unsere Besorgnis, aber auch unser Engagement für eine lebendige Kirche dem Bischof zu übermitteln.

Falls ihr, liebe Synodale, diese drei dringlichen Wünsche an unseren Bischof Felix Gmür unterstützt, so bekräftigt dies mit einem lauten Applaus.