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Synodalrat schreibt Finanzbranche und Beratungsstellen: «Diese Rechnung geht nicht auf»

Das Ausfüllen der Steuererklärung ist oft ein Anlass für den Kirchenaustritt – zum Schaden für die Gesellschaft. | © 2020 Dominik Thali
Das Ausfüllen der Steuererklärung ist oft ein Anlass für den Kirchenaustritt – zum Schaden für die Gesellschaft. | © 2020 Dominik Thali

Wenns ums Geld geht, empfehlen Beraterinnen und Berater mitunter, aus der Kirche auszutreten, um Steuern zu sparen. Der Synodalrat wehrt sich dagegen und warnt vor einem Abbau sozialer Leistungen. Sein Schreiben an die Branche stösst auf Zustimmung – aber auch Unverständnis.

Die Kirchensteuer sparen, um damit das Haushaltsbudget aufzubessern? Oder den Betrag besser in eine Lebensversicherung stecken? Gibt es. «Wir haben Rückmeldungen von Personen, denen der Kirchenaustritt empfohlen wurden, etwa von einer Versicherung oder Bank», sagt Synodalrats-Vizepräsidentin Annegreth Bienz-Geisseler. Auch hätten Kirchgemeinden darauf hingewiesen, solche Empfehlungen würden abgegeben.

«Zur gängigen Praxis geworden»

«Diese Rechnung geht gesamtgesellschaftlich [aber] nicht auf», erklärt der Synodalrat. «Denn mit dem Rückgang der Kirchensteuern werden wichtigen sozialen Institutionen […] existenzielle Grundlagen entzogen.» Die Sätze stehen in einem Schreiben, das die Landeskirche Anfang Februar an die Treuhand- und Steuerberatungsbranche im Kanton Luzern verschickte, an Banken und Versicherungen und die Sozialberatungszentren. Das Anliegen: Es sei «zur gängigen Praxis» geworden, einen Kirchenaustritt zu empfehlen, um mit dieser Einsparung «mehr Geld für andere Ausgaben» zur Verfügung zu haben. Dabei blieben 93 Prozent der Kirchensteuer in den örtlichen Kirchgemeinden, womit insbesondere soziale Aufgaben erfüllt würden. Die Landeskirche bat deshalb die Empfängerinnen und Empfänger des Schreibens, «die Personen in ihrem Einflussbereich» aufzufordern, «die Kirchenaustritte nicht mehr aktiv zu fördern».

«Kirchen sind wichtig für den Zusammenhalt»

Bei den Angesprochenen stossen sie damit auf Zustimmung – in der Sache. «Wir erklären unseren Kunden, dass es wichtig ist, dass die Kirchgemeinden die Kirchensteuern erhalten», sagt beispielsweise Treuhänder Franz Felber, selber ehemaliger Kirchenrat in Ettiswil. Armin Hartmann, Präsident des kantonalen Hauseigentümerverbands (HEV), erklärt, sein Verband sei sich bewusst, «wie wichtig die Kirchen im Kanton Luzern, aber auch in der ganzen Schweiz, […] für den Zusammenhalt der Bevölkerung» seien. Mit Fragen «vermeintlicher Steuerersparnis» seien auch die Mitarbeitenden des HEV gelegentlich befasst, man unterstütze aber «den Aufruf zum Austritt aus den Kirchgemeinden in keiner Weise». Ein Steuerexperte wiederum, der seinen Namen nicht nennen will, bezeichnet den Kirchenaustritt als «ohnehin eine der schlechtesten Steuer-Optimierungen». 300 bis 500 Franken zu sparen angesichts des Guten, das die Kirchen leisteten, sei «das Betteln versäumt». Da brächten Massnahmen bei der Altersvorsorge oder beim Liegenschaftsunterhalt mehr ein.

«Hat Kopfschütteln ausgelöst»

Inhaltlich pflichten manche Empfängerinnen und Empfänger des Schreibens also der Landeskirche bei. Die direkte Ansprache – in der Betreffzeile hiess es: «Weshalb werden Kirchenaustritte empfohlen?» – befremdete jedoch auch: «Das hat bei uns Kopfschütteln ausgelöst», sagt beispielsweise Andy Michel, Geschäftsführer des «Zentrums für Soziales» mit Standorten in Hochdorf und Sursee. Er und seine Mitarbeitenden wüssten, was die Kirchen in der Gesellschaft an Unterstützung leisteten. Die Beraterinnen und Berater hätten sich von dem Schreiben jedoch beschuldigt gefühlt, sie würden Kirchenaustritte empfehlen. Dies sei nicht der Fall, sagt Michel.

Die Landeskirche freut sich über die unterstützenden Stellungnahmen und nimmt die Kritik ernst. « Wir bedauern, wenn unser Schreiben Befremden auslöste oder als pauschale Beschuldigung verstanden wurde ist», sagt Synodalratspräsidentin Renata Asal-Steger. Dies sei keineswegs Absicht gewesen. «Wir wollten einfach zum Ausdruck bringen, dass Kirchenaustritte dazu führen, dass Geld für soziale und gesamtgesellschaftliche Aufgaben fehlt.»

Dominik Thali