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Studierende auf dem Weg zu einem kirchlichen Beruf: «Das ist eine wirklich bunte Gruppe»

Sie studieren Theologie oder Religionspädagogik und bereiten sich für das Bistum Basel auf einen kirchlichen Beruf vor (von links.): David Hug (in Luzern), Pascal Eng (Fribourg), Gabriela Ivos (Luzern) und Anni Engel (Luzern).  | © 2017 Dominik Thali
Sie studieren Theologie oder Religionspädagogik und bereiten sich für das Bistum Basel auf einen kirchlichen Beruf vor (von links.): David Hug (in Luzern), Pascal Eng (Fribourg), Gabriela Ivos (Luzern) und Anni Engel (Luzern). | © 2017 Dominik Thali

Priester, Seelsorgerin, Religionpädagoge: Fast 100 Frauen und Männer bereiten sich zurzeit im Bistum Basel auf einen kirchlichen Beruf vor. Die Zahl steigt. Und es gibt immer mehr Spät- und Quereinsteiger.

Nach der Matura Theologie studieren, mit 26 die Priesterweihe: das war einmal. «Es wird immer schwieriger, junge Studierende zu gewinnen», sagt Stephan Müller, Manager der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Oft höre er von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten: Klingt interessant, aber ich kann mir nicht vorstellen, in der Kirche zu arbeiten.

Tatsächlich bringen viele der Frauen und Männer, die sich heute im Bistum Basel auf einen kirchlichen Beruf vorbereiten – die Bistumsstudierenden –, schon lange Jahre Lebenserfahrung mit, sie haben bereits einen Beruf oder sogar ein erstes Studium abgeschlossen. Bei den dezeit 15 Priesteramtskandidaten beträgt das Durchschnittsalter 35 Jahre . «Zehn Jahre höher als vor 50 Jahren», stellt Stephan Leimgruber fest, Spiritual des Seminars St. Beat in Luzern. Der jüngste Kandidat ist erst 20, der älteste bereits 50.

«Grosse Verschiedenheit»
Das gleiche Bild bei den Religionspädagoginnen und -pädagogen: Manche steigen, weltjugendtagsgeprägt, jung in diese dreijährige Ausbildung ein, andere erst als Familienmütter mit 40. Die Gruppe der Bistumsstudierenden sei «wirklich eine bunte Gruppe», sagt Ausbildungsleiterin Elke Freitag. Gespräche an deren Jahrestagung im Januar im Kloster Bethanien in Kerns bestätigen diesen Eindruck (siehe unten).

«Die Verschiedenheit der unterschiedlichen Biographien ist extrem gross», stellt Freitag fest. Und auch die Motivation, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen. Oft seien es gute Erfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit, mit Vorbildern, «Menschen, die einen beeindruckt haben. Am Anfang kann aber auch einfach der Wunsch stehen, von seinen eigenen Glaubenserfahrungen anderen Menschen etwas mitgeben zu wollen.»

Von den derzeit 98 Bistumsstudierenden studieren 69 in Luzern (siehe Kasten). 22 Männer und 16 Frauen im Fach Theologie, davon 6 im bischöflichen Sonderprogramm (das Nachfolgeangebot des früheren Dritten Bildungswegs). 6 Personen stecken im Doktorat, 7 im Vorjahr (kommt nach dem Studium) und 21 in der zweijährigen Berufseinführung. 26 Studierende sind am Religionspädagogischen Institut (RPI) eingeschrieben, davon sind 16 Frauen und 10 Männer.

Dominik Thali


Vier Studierende, vier Wege

Weltjugendtage und Adoray
«Ich bin die Kirche hineingewachsen. Meine Mutter ist Katechetin, die Eltern sind beide im Pfarreirat. Ich wurde Ministrant, später haben mich Weltjugendtage und Adoray, das sind Lobpreisabende, geprägt. Nach einer Lehre als Informatiker kam ich über einen Jugendarbeiter auf das RPI. Erst machte ich aber den Zivildienst, dann besuchte ich ein Jahr die «Lebensschule» am Institut Thérèse von Lisieux in Basel, das ist eine Art Glaubensschule . Jetzt bin ich im zweiten Jahr am RPI in Luzern. Ab dem nächsten gehts dann in die Praxis. Nach dem Abschluss sehe ich mich vor allem in der Jugendarbeit und im Oberstufenunterricht, vielleicht auch mal in der Seelsorge.»

David Hug, 23, Schaffhausen, RPI-Student

Des Grossonkels Vorahnung
«Mit 20 wäre ich noch nicht reif gewesen fürs Theologiestudium. Obwohl mir damals ein Grossonkel sagte, ich würde mal Priester. Und jetzt werde ich in zwei Jahren geweiht, so ist es zumindest geplant. Ich war, anders als meine Eltern, sehr engagiert in unserer Pfarrei. Ich studierte dann aber Geografie bis zum Bachelor – bis ich mir sagte: Weshalb mache ich nicht zum Beruf, was mich glücklich macht? In den Naturwissenschaften fehlte mir etwas. Ich absolvierte erst das RPI und bin jetzt im fünften Jahr Theologie. Meine Zukunft sehe ich in der Seelsorge. Wie das ankommt? Gut. Gerade mit Leuten, die nichts mit Religion am Hut haben, führe ich immer wieder gute Gespräche.»

Pascal Eng, 29, Niedergösgen, Theologiestudent, Priesteranwärter

Der ehemalige Religionslehrer
«Mit 19 schloss ich die Lehre als Drogistin ab, sah für mich in dem Beruf aber keine Zukunft. Über einen ehemaligen Religionslehrer, den ich an der Kasse traf, stieg ich in ein Programm mit jugendlichen Migrantinnen und Migranten ein und kam später auf das RPI. Jetzt stecke ich im dritten Jahr und sammle Praxiserfahrung in der Pfarrei Hochdorf. Das ist absolut mein Ding, ich kann mir gut vorstellen, dort noch eine Weile zu bleiben. Ich bin sehr katholisch aufgewachsen, meine Eltern stammen aus Kroatien. Als Jugendliche distanzierte ich mich aber von Kirche, Glauben und Gott. Nach einer schwierigen Zeit, gesundheitlich wie beruflich, habe ich dazu zurückgefunden. Und bin glücklich.»

Gabriela Ivoš, 24, Baar, RPI-Studentin

Über die Familie hineingewachsen
«Ich bin katholisch aufgewachsen, distanzierte mich als Jugendliche aber etwas von der Kirche. Über unsere vier Kinder wuchs ich wieder hinein: Heimgruppenunterricht, Sunntigsfiire, Firmbegleitung – am Ende das RPI und der Bachelor in Religionspädagogik. Als ich auch liturgisch tätig sein durfte, wollte ich mir über die Ausbildung die Legitimation dafür holen. Darum studiere ich seit Herbst Theologie im bischöflichen Sonderprogramm. Ich sehe mich später als Pastoralassistentin oder Gemeindeleiterin. Ich bin gerne mit Menschen auf dem Weg was ich bereits früher als Stillberaterin der La Leche League sein durfte. Übrigens: Ursprünglich habe ich etwas ganz anderes gelernt: Koch.»

Anni Engel, 48, Malters, Theologiestudentin

Fernstudium boomt weiter

An der theologischen Fakultät der Universität Luzern Luzern studieren zurzeit 286 Personen, rund 20 mehr als vor einem Jahr. Im Präsenzstudium Theologie sind es 76 Studentinnen und Studenten (Vorjahr 75), im Fernstudium 91 (71). 68 Studierende zählt das Religionspädagogische Institut (RPI). Die restlichen 51 sind Doktoranden oder Studierende in fakultätsübergreifenden oder spezialisierten Masterstudiengängen.

Die Nachfrage nach dem im Herbst 2013 eingeführten Fernstudium steigt weiter. «Wir erschliessen damit eine neue Gruppe von Interessierten am Theologiestudium und auch am kirchlichen Dienst», sagt Fakultätsmanager Stephan Müller. Für die Kirche sind solche Studierende freilich weniger sicht- und ansprechbar. Es brauche «eine neue Flexibilität» im Umgang mit diesen Studierenden – für die Fakultät wie auch für die Kirche, sagt Müller.