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Soziale Unternehmen in der Gastronomie: eine Portion Selbstvertrauen für alle

Rilana Moosmann macht im Caritas-Restaurant Brünig die Attestlehre als Küchenangestellte, Lorenzo Geissbühler als Restaurationsfachmann; rechts Mirela Kovacevic, Betreuerin von Lorenzo Geissbühler. | © 2019 Boris Bürgisser
Rilana Moosmann macht im Caritas-Restaurant Brünig die Attestlehre als Küchenangestellte, Lorenzo Geissbühler als Restaurationsfachmann; rechts Mirela Kovacevic, Betreuerin von Lorenzo Geissbühler. | © 2019 Boris Bürgisser

Küche und Service sind Lernorte, an denen Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten leicht Selbstvertrauen schöpfen können. Wie Lorenzo Geissbühler, der bei der Caritas Luzern die Attestlehre als Restaurationsfachmann macht.

«In der Gastronomie kann jemand vom ersten Tag an mitarbeiten, ohne sich erst lange eine bestimmte Fertigkeit aneignen zu müssen, etwa um eine Maschine bedienen zu können», sagt René Küng, Leiter Gastro der Caritas Luzern. «Das motiviert, gibt Selbstvertrauen und stärkt für den nächsten Schritt.»

Lorenzo Geissbühler hat schon viele solcher Schritte geschafft, seit er im Oktober vergangenen Jahres, bei der Eröffnung des Caritas-Restaurants Brünig, die zweijährige Attestlehre als Restaurationsfachmann begann. «Inzwischen macht er schon alles allein, bis zum Abrechnen», lobt ihn seine Betreuerin, Mirela Kovacevic.

Alles: Das ist viel; fängt an, bevor jemand sich zu Tisch setzt, mit dem Aufdecken, und endet mit der Verabschiedung. Für das Dazwischen ist manches im Kopf zu speichern: Menüs, Weinkarte, Herkunft von Speisen, Zubereitungsarten und und und. Dabei hat Geissbühler Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken. «Ich kann mich schlecht konzentrieren», erklärt er. Und weiss aber, dass das Auswendig-lernen allein seine Sache ist: «Manchmal bin ich eben einfach zu faul.»

Nicht Angestellter bleiben

Gleichwohl: Sein Ehrgeiz ist gross. «Ich möchte nicht mein Leben lang Angestellter bleiben», stellt der junge Mann klar. Das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) nachholen, sich betriebswirtschaftlich weiterbilden, einen eigenen Betrieb führen – «auf der faulen Haut liegen» sei nicht sein Ding, meint Geissbühler, der gute Voraussetzungen mitbringt, seine Ziele auch zu erreichen. Er hat schon eine Attestlehre als Hotellerieangestellter abgeschlossen. «Am liebsten bediene ich Gäste», sagt er.

Lorenzo Geissbühlers Pläne bestätigen, was Mirela Kovacevic sagt: «Es gibt so viele Möglichkeiten nach einer Ausbildung in der Gastronomie.» Sie wolle Jugendlichen, «die sonst auf dem Lehrstellenmarkt keine Chance haben», schmackhaft machen, wie schön ihr Beruf sei. Kovacevic ist selbst gelernte Restaurationsfachfrau und als Berufsbildnerin verantwortlich für die Betreuung der Lernenden im Restaurant Brünig.

Dies sind zurzeit vier, ab August werden es sieben sein, darunter eine junge, alleinerziehende Mutter, welche die Ausbildung in einem 90-Prozent-Pensum absolvieren kann. Das «Brünig», das neuste Caritas-Restaurant, ist wie die anderen beiden Betriebe ein soziales Projekt, das unter anderem Jugendlichen mit wenig Aussichten auf eine herkömmliche Lehrstelle eine Ausbildung mit Perspektiven bieten will. Daneben arbeiten hier Stellensuchende aus den Arbeitsintegrationsprogrammen der Caritas. Sie stärken während des Einsatzes ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, um wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen zu können.

«Anspruchsvoll, aber auch motivierend»

Perspektiven bieten: Das ist auch das wichtigste Anliegen anderer Anbieter auf dem sozialen Arbeitsmarkt. Weil die Gastronomie dafür gute Voraussetzungen bietet, tummeln sich auf diesem Feld viele Unternehmen, die sich auf dem Platz Luzern aber gut ergänzen. «Plätze in der Gastronomie sind anspruchsvoll, aber gleichzeitig auch motivierend. Das Gemachte ist erkennbar, die Arbeitsauslastung ist hoch. Und von den Kundinnen und Kunden gibts direkte, im Idealfall positive Rückmeldungen», sagt zum Beispiel Gabie Burkhard, Leiterin des Geschäftsfelds Gastronomie der IG Arbeit. So gemachte Erfahrung führt häufig zum Erfolg, das bestätigen auch andere soziale Unternehmen. Mehr als die Hälfte etwa der Frauen und Männer, die im Restaurant Libelle des Arbeiterhilfswerks das sechsmonatige Qualifizierungsprogramm durchlaufen, finden danach laut Geschäftsführerin Franziska Kramer eine Stelle im regulären Arbeitsmarkt.

Dominik Thali

Caritas Luzern bietet Attestlehrstellen nicht nur in der Gastronomie an, sondern auch im Detailhandel, in der Hauswirtschaft, Schreinerei, Logisitik und im Büro.

Sein Ziel ist, einmal einen eigenen Betrieb zu führen: Lorenzo Geissbühler mit seiner Betreuerin Mirela Kovacevic nehmen von zwei Gästen des Restaurants Brünig die Bestellung auf. | © 2019 Boris Bürgisser

Luzerns soziale Gastronomie

Im Kanton Luzern, vor allem in der Stadt, bieten neun soziale Unternehmen Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Gastronomie an.

  • Caritas Luzern: Restaurants A15 und Brünig in Luzern, und G10 in Littau, 7 Ausbildungsplätze für Restaurationsfachleute und Küchenangestellte
  • Wärchbrogg Luzern: Restaurant Quai4; Alpenquai 4; ab Dezember Bistro in der Zentralbibliothek; 20 geschützte Arbeitsplätze in Küche und Service, weitere 8 später im Bistro; 3 Stellen als Arbeitstraining der IV
  • Jugenddorf Knutwil: Schnupper- und Arbeitseinsätze in Küche und Catering für Jugendliche aus den internen Programmen Beobachtungsstation, Schule und Berufsfindung; zusätzlich drei Ausbildungsplätze als Koch EFZ, Küchenangestellter EBA und/oder Praktiker PrA Küche nach INSOS
  • IG Arbeit: 7 gastronomische Betriebe plus Catering (Bistro EssWerk, Produktionsküche, Seminarhotel RomeroHaus, Mensa EssSenti, Nylon 7 Viscosistadt, Tramhüsli Emmenbrücke, städtisches Personalrestaurant Salü), 105 geschützte Arbeitsplätze (rund 210 Personen), 30 Dauerarbeitsplätze sowie rund 90 Abklärungs-, Ausbildungs- und Trainingsplätze intern in den eigenen Betrieben und bei Arbeitgebern in der freien Wirtschaft
  • Verein Kirchliche Gassenarbeit: Catering-Angebot Mundwerk, Stundeneinsätze für registrierte Klientinnen/Klienten, keine integrativen Arbeitsplätze
  • Schweizerisches Arbeiterhilfswerk (SAH): Restaurant Libelle, Luzern; 22 Plätze im sechsmonatigen Qualifizierungsprogramm, 1 bis 2 Abklärungsplätze, 5 Plätze im Job-Coaching nach Stellenantritt im regulären Arbeitsmarkt, 10 Plätze im sechsmonatigen Qualifizierungskurs für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene
  • Restaurant Stiftung Café sowieso, Luzern: 10 Geschützte Arbeitsplätze in Hauswirtschaft, Service und Küche; 4 Auszubildende PrA/EBA/EFZ in diesen Bereichen
  • Verein «The Büez»: Hotel-Restaurant Sonnenberg Kriens, Arbeitstrainings primär für qualifizierte Personen, die vorübergehend den Anschluss ans Berufsleben verloren haben
  • Stiftung Brändi: 3 Restaurants (Rubinette in Horw, Cayenne und Bison in Sursee); neben der Voll-Ausbildung Koch/Köchin EFZ (3 Jahre) Ausbildungsplätze für Küchenangestellte/Küchenangestellter EBA (2 Jahre), Praktikerin/Praktiker PrA Küche (2 Jahre) sowie Plätze für Abklärung (3 Monate), Schnupperlehren (3 Wochen) und Schnuppertage (bis 5 Tage)