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«SchöpfungsZeit 2016»: Auf die Klänge der Schöpfung hören

Ein Ohr für die Schöpfung haben: darum geht es an der «Schöpfiungszeit» 2016.
Ein Ohr für die Schöpfung haben: darum geht es an der «Schöpfiungszeit» 2016.

Wie muss die Kirche handeln, damit das «gemeinsame Haus» Erde, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika «Laudato si’» nennt, auch morgen noch steht? Das «Kirchenschiff» nimmt das Thema in seiner Serie 2016 und 2017 auf. In der September-Ausgabe: die «SchöpfungsZeit».

«Mit dem Hörsinn beginnt ‹oeku Kirche und Umwelt› eine neue SchöpfungsZeit-Themenreihe zu den fünf Sinnen. Mit dem Slogan ‹Ein Ohr für die Schöpfung› regt die ‹oeku› an, die Aufmerksamkeit auf die Klänge der Schöpfung zu richten und auch den Lärm wahrzunehmen, der sie beeinträchtigt.
Dank unserer Sinne sind wir mit der Schöpfung vernetzt. Denn unsere Sinne sind die «Schnittstelle» zur Aussenwelt. Jeder Sinn ist an sich schon ein Wunder der Schöpfung. Das Gegenstück zu unseren Ohren beispielsweise ist unsere Stimme. Die Stimme kommt aus der Kehle. Und das hebräische Wort ‹Näfäsch‹ bedeutet sowohl ‹Leben›, ‹Kehle› wie auch ‹Seele›. Musik und Gesang öffnen vielen Menschen einen Zugang zur Spiritualität und zum Göttlichen. Vielleicht sind darum die Kirchen so voll, wenn Chorkonzerte angesagt sind.

Zivilisationsproblem Lärm
Seit es menschliche Zivilisationen gibt, ist der Lärm ein Problem. Aktiver Widerstand gegen den Zivilisationslärm organisierte sich aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Problem ist dabei, dass Lärm individuell sehr unterschiedlich empfunden wird. Die einen stören sich am Lärm eines Openairs, die anderen am Verkehrslärm und Dritte an den Kirchenglocken in der Nacht. An Lärm kann man sich nicht gewöhnen. Die jährlichen Kosten für Gesundheitsschäden als Folge des Verkehrslärms werden auf rund 750 Millionen Franken geschätzt.

Christliche Spiritualität schöpfte schon immer aus dem Rückzug in Stille und Einsamkeit. Stille und Lebenszugewandtheit gehören aber zusammen. In der Stille und im Gebet gewinnen wir Kraft für das Engagement in der lärmigen Welt. Für Dietrich Bonhoeffer besteht das Christsein ‹im Beten und Tun des Gerechten unter den Menschen›. Aber auch in der Ruhe der Natur können wir Gottes Anwesenheit wahrnehmen: ‹Die Natur ist voll von Worten der Liebe. Doch wie können wir sie hören mitten im ständigen Lärm?› meint Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato si.

Klangumgebung gestalten
In Zukunft sollten wir nicht nur den Lärm bekämpfen. Wir müssen uns auch fragen, in welcher akustischen Umgebung wir leben wollen. Wie soll unser Quartier, unser Dorf oder unsere Stadt klingen? Wer freut sich nicht über das Vogelkonzert an einem Frühlingsmorgen, am Schnüffeln eines Igels im Garten oder an den Rufen der Mauersegler an einem lauen Sommerabend? Es ist an uns, die Ohren für diese Laute zu schärfen und dafür zu sorgen, dass diese Geschöpfe mit uns eine Zukunft haben.»

Kurt Zaugg-Ott

Der Autor, Dr. theol., ist Leiter der Fachstelle oeku Kirche und Umwelt in Bern.

Die «Schöpfungszeit»

Der 1. September gilt bei den orthodoxen Kirchen als der Tag der Schöpfung. Mit der Veröffentlichung der Enzyklika Laudato si 2015 hat Papst Franziskus den «Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung» auch in der römisch-katholischen Kirche eingeführt. Die Schweizer Bischofskonferenz empfiehlt seit der Europäischen Ökumenischen Versammlung von Sibiu (2007) im liturgischen Kalender (Direktorium), das Thema «Schöpfung» vom 1. September bis 4. Oktober in der Liturgie einzubringen. Zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober, dem Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi, liegt die «SchöpfungsZeit» – sie schliesst das Erntedankfest und den Bettag mit ein. Papst Franziskus wünscht, dass der Weltgebetstag für die Schöpfung möglichst ökumenisch gefeiert wird.

Der ökumenische Verein oeku Kirche und Umwelt, 1986 gegründet, ist von der Schweizer Bischofskonferenz und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund als kirchliche Fachstelle für ökologische Fragen anerkannt.

30 Jahre «oeku»

Am 6. Dezember vor 30 Jahren ist der ökumenische Verein «oeku Kirche und Umwelt» gegründet worden. Aus der ökumenischen Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung entstanden, ist die oeku heute eine allseits anerkannte kirchliche Umweltfachstelle. Die oeku unterstützt Kirchgemeinden, Pfarreien und Landeskirchen mit schöpfungstheologischen Impulsen, Kursen, Praxisempfehlungen und der Vermittlung von Beratungen. Ihr 30-Jahr-Jubiläum feiert die oeku in Freiburg i.U. am 4./5. November 2016
www.oeku.ch.