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RKZ tagte in Luzern: «Die wohl grösste Krise der vergangenen Jahrzehnte»

«Zeichen für eine offene und glaubwürdige Neuorientierung»: RKZ-Präsident Luc Humbel (Mitte), links von ihm Bischof Felix Gmür, rechts RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch; hinten am Rednerpult die Luzerner Synodalratspräsdentin Annegreth Bienz-Geisseler. | © 2019 Tatjana Troxler
«Zeichen für eine offene und glaubwürdige Neuorientierung»: RKZ-Präsident Luc Humbel (Mitte), links von ihm Bischof Felix Gmür, rechts RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch; hinten am Rednerpult die Luzerner Synodalratspräsdentin Annegreth Bienz-Geisseler. | © 2019 Tatjana Troxler

Starke Worte an der jüngsten Zusammenkunft der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) in Luzern: «Unsere Besorgnis hat seit der letzten Plenarversammlung nicht abgenommen, sagte Präsident Luc Humbel. Bischof Felix Gmür sprach von der «Kirche im Gegenwind». Und Bernd Nilles, Geschäftsleiter des Hilfswerks Fastenopfer, fragte mit Papst Franziskus: «Hören wir den Schrei der Erde und der Armen?»

Die Grussbotschaften und inhaltlichen Impulse im ersten Teil der Plenarversammlung vom 22./23. März waren weit mehr als schöne Worte. Bischof Felix Gmür, Bischof von Basel und Präsident der Bischofskonferenz forderte, jede und jeder solle sich angesichts der schwierigen Situation «auf das konzentrieren, wofür man gewählt oder bestimmt ist», und das, was zu tun sei, gemeinsam zu tun. Es gelte, im dualen System «dem Zerbröckeln des Zusammengehörigkeitsgefühls nicht Vorschub zu leisten». Denn «Gliedschaft in der Kirche und Mitgliedschaft in der staatskirchenrechtlichen Körperschaft» gehören nach Auffassung der Schweizer Bischöfe grundsätzlich zusammen.

«Einzeln Steinchen, gemeinsam ein farbenfrohes Mosaik»
Hildegard Meier-Schöpfer, Präsidentin des Luzerner Kantonsrates, überbrachte die Grüsse der Regierung und des Parlaments. Sie betonte den Beitrag der Kirchen zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Immer wieder rufen sie uns ins Bewusstsein, dass wir «einzeln Steinchen, gemeinsam ein farbenfrohes Mosaik sind».

Fastenopfer-Kampagne 2019: Werde jetzt Teil des Wandels
Passend zur Fastenzeit und zur aktuellen Kampagne von Fastenopfer, Brot für alle und Partnersein, präsentierte Bernd Nilles, Geschäftsleiter von Fastenopfer, dessen Hauptanliegen. Er erläuterte, dass die «grosse Transformation», die für eine gerechtere Welt nötig sei, auf allen Ebenen ansetzen müsse: persönlich und gesellschaftlich, politisch und spirituell, in der Schweiz und weltweit. Auch Fastenopfer spürt, dass die Kirche unter Druck ist – umso wichtiger sind kirchliche Kooperationspartner wie die RKZ und ihre Mitglieder. Besonders dankte er für die Neuregelung der Inland-Mitfinanzierung, die es Fastenopfer ermögliche, den Einsatz finanzieller Mittel auf seinen Kernauftrag zu konzentrieren.

«Verbindlicher und synodaler Weg zur Erneuerung der Kirche»
Der Präsident der RKZ bedauerte in seinem Eingangsvotum (siehe Kasten), dass es der Bischofskonferenz hierzulande trotz der «wohl grössten Krise der vergangenen Jahrzehnte» nicht gelinge, die Reihen zu schliessen und zusammen mit den staatskirchenrechtlichen Körperschaften für eine erneuerte und glaubwürdige Kirche einzutreten. Der Blick nach Deutschland zeige, dass anderes möglich sei. Die Bischöfe hätten dort ohne Gegenstimme «einen verbindlichen und synodalen Weg» unter Einbezug des obersten Laiengremiums beschlossen. In der Pflicht stünden auch die staatskirchenrechtlichen Gremien. Ihr Handeln müsse sich daran orientieren, ob damit «Humus für eine spriessende und blühende Kirche gelegt wird». Dafür braucht es den Mut, weder den Weg des geringsten Widerstandes noch jenen des kleinsten gemeinsamen Nenners zu wählen, sondern auf der Grundlage engagierter Diskussionen zu entscheiden.

Zahlreiche Sachgeschäfte
Aus der Vielzahl der Sachgeschäfte sind folgende besonders zu erwähnen:

  • Kenntnisnahme vom Jahresbericht 2018 und Zustimmung zum Jahresabschluss 2018 mit einem Ertragsüberschuss von rund 325’000 Franken, der grösstenteils dem Fonds für Projekte und Innovation zugutekommt.
  • Die Wahl der Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding ins Präsidium der RKZ und des Präsidenten der Freiburger Körperschaft, Patrick Mayor, in die Finanzkommission der RKZ.
  • Die engagierte Diskussion des Berichtes zur Migrantenpastoral und der Beschluss, das Projekt mit dem Ziel fortzusetzen, es bald zum Abschluss bringen zu können.
  • Die Kenntnisnahme des Finanzberichtes zum Besuch von Papst Franziskus in Genf, der mit einem Defizit von rund 30’000 Franken wesentlich besser ausgefallen ist als befürchtet.
  • Ein Beitrag von 20’000 Franken für das Jugend-Projekt «Faires Lager» und ein gleich hoher Beitrag zur Unterstützung des Fundraisings für die Renovation der Kaserne der Schweizer Garde.

pd / Daniel Kosch, RKZ-Generalsekretär

«Das ist verwerflich und unchristlich»

Aus dem Eingangsvotum von Luc Humbel, Präsident der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) zur Plenarversammlung vom 22./23. März 2019 in Luzern

«Unsere Besorgnis hat seit der letzten Plenarversammlung nicht abgenommen. (…) Es ist leider nicht zu hoch gegriffen, wenn ich konstatiere, dass sich die römisch-katholische Kirche weltweit, aber auch hier in der Schweiz in der wohl grössten Krise der vergangenen Jahrzehnte befindet. Statt «die Reihen zu schliessen» und gemeinsam für eine erneuerte und glaubwürdige Kirche einzustehen, werden von Chur aus stetig Brandbeschleuniger gegen die besorgten Laien geworfen und nach Rom werden im Vorfeld der Bischofsernennung Lügen und wahrhaftige ‹fake news› kolportiert. Dies ist verwerflich und unchristlich.

Dass andere Bischöfe und sogar Bischofskonferenzen die Zeichen der Zeit anders verstehen, zeigt ein Blick nach Deutschland. Die deutschen Bischöfe haben einen verbindlichen synodalen Weg zur Erneuerung und Veränderung der Kirche beschlossen. Ich lese das bewusst nochmals: einen verbindlichen und synodalen Weg zur Erneuerung und Veränderung der Kirche. Themen dabei seien der nötige Machtabbau bei den Klerikern, der Zölibat und die Sexualmoral der Kirche. Der ohne Gegenstimme in der Konferenz beschlossene Beratungsprozess wird gemeinsam mit dem obersten katholischen Laiengremium, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, organisiert.

Dieses Zeichen für eine offene und glaubwürdige Neuorientierung, welche sich nicht an Dogmen orientiert, lässt hoffen. Ich rufe an dieser Stelle die Schweizerische Bischofskonferenz  dazu auf, sich an ihren deutschen Kollegen ein Vorbild zu nehmen. Dass das Laiengremium der RKZ mitsamt den darin versammelten kantonalkirchlichen Organisationen sich seiner Verantwortung um Mitwirkung nicht entziehen will, kann ich versichern. Doch wir sind auch selber in der Pflicht, für eine glaubwürdige und erneuerungsfähige Kirche einzustehen. Unser eigenes Handeln als Anstellungsbehörde oder der von uns mitverantwortete Mitteleinsatz haben sich daran zu orientieren, ob wir damit den Humus für eine spriessende und blühende Kirche legen.

Für diese Prozesse braucht es auch in unseren eigenen Reihen Zeit und Raum für engagierte Diskussionen und Mut, weder den Weg des geringsten Widerstandes noch jenen des kleinsten gemeinsamen Nenners zu wählen. Dieses ‹Miteinander unterwegs sein› heisst im Griechischen Synode – und darin liegt auch die Begründung dafür, dass auch unsere staatskirchenrechtlichen Parlamente vielerorts Synode heissen.

Lasst uns also diesen synodalen Weg gemeinsam begehen. Am 10. Februar dieses Jahres, am Tag der heiligen Scholastika, der Schwester Benedikts von Nursia, hat Priorin Irene Gassmann vom Kloster Fahr mit weiteren kirchlich engagierten Frauen die Einladung zum ‹Gebet am Donnerstag› veröffentlicht. Dieses Gebet lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass es Zeit für eine Neuorientierung ist. Wenn jeden Donnerstag etwa 25 Nonnen, welche sich in den vergangenen Jahren nie des Verdachts des Ungehorsams oder des Abfalls vom Glauben ausgesetzt haben, im Benediktinerkloster diese Worte sprechen, spricht das für sich. Ich lade Sie ein, dieses Gebet ‹Schritt für Schritt› gemeinsam an diesem Samstagmorgen zu beten. Es wird zwischenzeitlich in diversen Ländern, in Klöstern und Pfarreien gebetet. Glauben wir an die Kraft des Gebetes und des Heiligen Geistes.»