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Religionsunterricht ausserhalb der Schule: so macht es Littau

«Wir erleben die Schüler und Schülerinnen weg vom Schulalltag völlig anders»: Bilder von den vergangenen zwei Religionssamstagen zum Thema Schöpfung. | © 2018 Bea Weber
«Wir erleben die Schüler und Schülerinnen weg vom Schulalltag völlig anders»: Bilder von den vergangenen zwei Religionssamstagen zum Thema Schöpfung. | © 2018 Bea Weber

Der konfessionelle Religionsunterricht ist zunehmend nicht mehr in den Schulbetrieb einbezogen und hat keinen Platz mehr in den Räumen der Volksschule. Die Kirche muss sich deshalb neu organisieren – was kein Nachteil für das Fach sein muss. Bea Weber vom Team der Katechetinnen in Littau berichtet, wie in ihrer Pfarrei die Veränderung Neues und Gutes gebracht hat:

Seit dem Schuljahr 2017/18 ist der Religionsunterricht der Pfarrei Littau neu organisiert. Hauptgrund dafür war die Einführung des Lehrplans 21. Dies hatte zur Folge, dass die Räume für den Religionsunterricht in einem der Primarschulhäuser ab dem Sommer 2017 nicht mehr zur Verfügung standen. Darüber wurden wir Anfang Jahr von der betreffenden Schulleitung informiert. Nun galt es für uns, neue Wege und Möglichkeiten zu finden. Viele Fragen stellten sich: Wo, wann, wie, mit wem kann der Religionsunterricht in Zukunft erteilt werden? Wie informieren wir die Eltern? Was können wir anbieten, damit es für die Eltern, was den Weg zum Religionsunterrichtsort betrifft, nicht zu aufwendig wird?

Den Glauben  praktisch erfahren

Bei der Neuorganisation des Primarschulunterrichts konnten wir von den Erfahrungen des Religionsunterrichts an der Oberstufe profitieren. Diesen führen wir nun schon das zweite Jahr ausserhalb des Schulalltags durch und haben damit durchwegs positive Erfahrungen gemacht. Schliesslich fanden wir für unsere Pfarrei einen gangbaren Weg. So besuchen die Kinder der 1. bis 3. Klasse fünf Mal pro Schuljahr, jeweils an einem Mittwochnachmittag, den Religionsunterricht von 13.30 bis 16.30 Uhr. Drei Katechetinnen gestalten diesen Nachmittag. Unser Anliegen dabei ist es, dass wir nicht Schule in die Pfarrei importieren. Diese Nachmittage sollen helfen, den Glauben auch praktisch/gelebt zu erfahren.

In der Regel beginnen wir den Religionsnachmittag gemeinsam in der der Kirche. Anschliessend teilen wir uns in drei Gruppen auf und arbeiten in den von der Pfarrei für uns zur Verfügung stehenden Räumen. Das kann durchwegs auch der Kirchenraum selber sein. Normalerweise wechseln die Kinder nach einer Einheit zur nächsten Katechetin. Zum gemeinsamen Nachmittag gehört auch ein Zvieri, das von uns organisiert und offeriert wird.

Der Austausch ist stärker geworden

Die Schüler und Schülerinnen der 4. bis 6. Klasse besuchen den Unterricht vier Mal pro Jahr, ebenfalls am Mittwochnachmittag. Der Unterricht startet jeweils gleich um 12 Uhr und das mit dem gemeinsamen Mittagessen, das die Katechetinnen zubereiten. Anschliessend wird gemeinsam der Abwasch besorgt und aufgeräumt. Danach wird ähnlich wie in der Unterstufe gearbeitet. Um 16 Uhr ist der Nachmittag für diese Klassen zu Ende.

Zu den Mittwochnachmittagen kommt pro Schuljahr ein Religionssamstag, den wir stufen-übergreifend vier Mal anbieten. Das heisst: Alle Kinder einer Familie können am gleichen Samstag den Religionstag besuchen. Dazu sind auch die Eltern herzlich eingeladen.

Nach zwei Dritteln des Schuljahres 17/18 durften wir mit Freude feststellen, dass die Umstellung auf die neue Form des Religionsunterrichts gelungen ist. Das Unterrichten hat für uns eine völlig andere Qualität erhalten. Wir können die Begegnung mit den Kindern viel intensiver leben. Auch der Austausch mit den Eltern, die ihre Kinder bringen und abholen, können wir besser pflegen, als dies  im bisher gewohnten Schulalltag möglich war.

An diesen Nachmittagen können wir unseren Glauben in Gemeinschaft erfahren und leben. Wir erleben die Schüler und Schülerinnen weg vom Schulalltag völlig anders. Der Unterricht und die Begegnung mit den Kindern erfüllt und bereichert uns Katechetinnen sehr. Keine von uns möchte das alte System zurück. Aus «Einzelkämpferinnen» im Religionsunterricht sind nun Teamplayerinnen geworden. Auch diese eine schöne, aber manchmal auch fordernde Aufgabe.

Schwierigkeiten, die mit den Strukturen der Schule verbunden sind (Räume, Zeiten…) entfallen. Wie schon erwähnt, erleben wir die Schüler und Schülerinnen im positiven Sinne anders.

All diese Erfahrung bestätigen uns auf unserem Weg. Wir durften erfahren, dass bevorstehende Veränderungen auch Chancen für etwas Neues und Gutes beinhalten können.

Neue Formen suchen

Der konfessionelle Religionsunterricht ist Sache der Kirchen. Diese verantworten ihn inhaltlich und stellen entsprechend befähigte Religionslehrpersonen zur Verfügung. Im konfessionellen
Religionsunterricht werden die Kinder angeregt, sich mit ihrem Glauben und ihrer Religion persönlich auseinanderzusetzen. Der Staat (Schule) dagegen verantwortet das Fach «Ethik und Religionen». Dieses informiert über Religionen und
vergleicht sie, und im Bereich Ethik werden allgemeine ethische Fragen angesprochen.

In den katholisch geprägten Kantonen der Zentralschweiz bestand und besteht ein Nebeneinander der religiösen Bildung durch den Staat (früher Bibelkunde, heute Ethik und Religionen) und der religiösen Bildung durch die Kirchen (konfessionellen Religionsunterricht). Diese komplementäre Bildung über Religion(en) durch den Staat und in der Religion hat also Tradition. Damit einher ging (und geht) die räumliche Nähe, in dem das kirchliche Angebot im Rahmen der Schule stattfand und vielerorts auch immer noch stattfindet. Somit war und ist die Kirche an den Lernorten der Kinder und Jugendlichen präsent.

Gesellschaftliche Veränderungen haben jedoch auch zu veränderten Klassenzusammensetzungen geführt (vermehrt konfessionslose und andersgläubige Schülerinnen und Schüler). In der Stadt Luzern und den Agglomerationsgemeinden ist diese
Tendenz steigend. Diese Situation erschwert unter anderem die Organisation des konfessionellen Religionsunterricht an den Schulen.

Im Volksschulbildungsgesetz §34 steht: «Der Religionsunterricht wird auch als Bekenntnisunterricht in der Regel im Rahmen der Unterrichtszeiten erteilt, wofür die Schulleitung nach Möglichkeit Zeit und Räume zur Verfügung stellt.» Dieser Paragraph ist insofern verbindlich, dass die Schule alle Möglichkeiten prüft, um dem konfessionellen Religionsunterricht Zeit und Räume zur Verfügung zu stellen. Mit der Entwicklung der Schule (mehr Lektionen und neue Aufgaben) wird es in einzelnen Schulhäusern immer schwieriger, für den Religionsunterricht Zeit und Räume zur Verfügung zu stellen. Nach neuen Zusammenarbeitsformen und anderen Räumlichkeiten muss gesucht werden.