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Relichat: Ein ganzes Klassenzimmer auf Twitter

«Ich habe in einer Stunde Relichat schon mehr gelernt als in mancher ganztägigen Weiterbildung», sagt Relichat-Moderator David Wakefield. | © 2020 Sylvia Stam
«Ich habe in einer Stunde Relichat schon mehr gelernt als in mancher ganztägigen Weiterbildung», sagt Relichat-Moderator David Wakefield. | © 2020 Sylvia Stam

Im Relichat tauschen Religionspädagoginnen und -pädagogen jeden Mittwoch auf der Social-Media-Plattform Twitter Erfahrungen aus. Einer von ihnen ist David Wakefield, Studienleiter am Religionspädagogischen Institut der Universität Luzern.

Es ist Mittwochabend, kurz nach acht Uhr. Wir befinden uns in einer Diskussion über Friedenspädagogik, und zwar auf der sozialen Plattform Twitter. Relichat nennt sich dieses virtuelle Lehrerzimmer, in dem Religionspädagoginnen und -pädagogen sowie weitere Interessierte ihre Erfahrungen austauschen. Im Abstand von zehn Minuten werden fünf Fragen zum Thema des Abends gestellt. Wer sich angesprochen fühlt, twittert eine Antwort, immer versehen mit dem Hashtag (#) Relichat.

Vernetzung und Reflexion

«Inwiefern kann Bildung einen Teil zur Erreichung von Frieden leisten?», lautet die zweite Frage. «Unser #relichat ist ein Bildungsbeitrag zum Frieden! Hier kann man vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, Hater lieben lernen, die Logiken christlicher Friedenspädagogik gemeinsam entdecken und direkt erproben», antwortet Relichat-Mitbegründer Jörg Lohrer, Religionspädagoge in Münster.

«Im Relichat kann ich mich mit Leuten aus dem gesamten deutschen Sprachraum vernetzen, die grosse Erfahrung in ihrem Fachbereich haben», sagt David Wakefield, Studienleiter am Religionspädagogischen Institut der Universität Luzern und Mitglied im fünfköpfigen Moderationsteam. Im Relichat würden fachliche Themen wie «Gott im Unterricht» oder «Feiertage» diskutiert, es gehe aber auch um didaktische Themen wie «Projektunterricht» oder «Digitales Lernen». «Es findet zudem eine Reflexion der Erfahrungen statt, darüber hinaus ist der Relichat eine Materialienbörse», erläutert Wakefield. «Ich habe in einer Stunde Relichat schon mehr gelernt als an mancher ganztägigen Weiterbildung.» Umgekehrt fühlt er sich herausgefordert, seine Gedanken in 280 Zeichen auf den Punkt zu bringen. «Dadurch lerne ich, auf das Wesentliche zu fokussieren.»

Freundlicher Umgangston

Da Twitter öffentlich ist, kann jede/r Interessierte mitlesen, auch ohne aktiv teilzunehmen. «Diese Öffentlichkeit fordert mich heraus, mich zu positionieren: Wofür stehe ich bei fachlichen Fragen und Glaubensthemen ein?»

«Welche Effekte haben friedenspädagogische Ansätze bei deinen Lernenden?», geht derweil die Diskussion im Relichat weiter. «Vieles ist von der konsequenten ‹Friedfertigkeit› der Lehrkraft abhängig», meint Chat-Teilnehmer Ferdi Lüttig und erwähnt auch den freundlichen Umgang in der Klasse.

Eine Form von Kirche-Sein

Als freundlich bezeichnet Wakefield auch den Umgangston im Relichat selber. Von Hassrede keine Spur. «Wir mussten noch nie einen Account blockieren.» Damit der Lerneffekt auch nachhaltig ist, brauche es allerdings noch Nacharbeit: Die Materialien und Literaturhinweise gilt es zu systematisieren und gegebenenfalls wieder mit anderen zu teilen. «Wenn alle aus der Diskussionsrunde ein klein wenig zu einem Thema beitragen, hat die Gruppe sehr viel davon. Für mich ist das auch eine Form von Kirche-Sein», resümiert Wakefield.

Sylvia Stam

Chat jeweils am Mittwoch von 20 bis 21 Uhr; Anleitung zum Mitdiskutieren unter relichat.org