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Protest gegen Auslagerung von Priesterausbildung nach Deutschland

Das Bistum Basel will künftig seine Priesteramtskandidaten in Freiburg i.Br. ausbilden lassen. Stephan Leimgruber, Spiritual des Bistums, und Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte in Luzern, reagieren mit Unverständnis. Sie befürchten eine Schwächung der Theologischen Fakultäten in der Deutschschweiz und bedauern, dass keine einheitliche Deutschschweizer Lösung für die Priesterausbildung gefunden werden könne.

Offenbar ist es gemäss Ries und Leimgruber nicht möglich, die Deutschschweizer Priesteramtskandidaten in einem gemeinsamen Priesterseminar auszubilden, das von den Bistümern St. Gallen, Chur, Basel und den deutschsprachigen Teilen von Freiburg und dem Wallis getragen wird. «Man hat es versucht, aber es gibt interdiözesane Kommunikationsbarrieren und verschiedene Vorstellungen über die Zukunft der Kirche», sagte Stephan Leimgruber, emeritierter Professor in Paderborn und München, heute geistlicher Begleiter der Theologiestudierenden im Bistum Basel, gegenüber kath.ch.

Der Entscheid für Freiburg im Breisgau – das Bistum informierte darüber am 2. März 2016 – basiere auf bisherigen Kooperationen zwischen den Diözesen Strassburg, Freiburg und Basel. Leimgruber weist darauf hin, dass es bereits eine Zusammenarbeit mit Freiburg i. Br. gibt. Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte in Luzern, meint, dass die Bistümer unterschiedlich aufgestellt seien: In Chur, Freiburg und Luzern gebe es je eine Theologische Fakultät, nicht aber in Sitten und in St. Gallen.


Röstigraben auch in der Kirche

Die Theologie-Professoren haben den Vorschlag für ein gesamtschweizerisches, sprachüberregionales Priesterseminar eingebracht, an dem sich alle Bistümer beteiligen, um der sinkenden Zahl der Priesteramtskandidaten bei der Priesterausbildung gerecht zu werden. Dies läge eigentlich auf der Hand, sagt Leimgruber. «Das ist unser Vorschlag, aber vor uns haben das auch schon andere gedacht.» Für eine derartige Lösung brauche aber die katholische Kirche Schweiz «eine bessere interdiözesane Kommunikationskultur und Kooperation».

An einer gesamtschweizerischen Lösung werde schon seit langem überlegt. Gründe für die Inkompatibilität würden in den verschiedenen Sprachen und Kulturen liegen, erklärt Leimgruber. Die italienische Schweiz orientiert sich eher nach Italien, die französischsprechende Schweiz eher nach Frankreich und die deutsche Schweiz eher nach Deutschland. «Es gibt offenbar auch in den Kirchen einen Röstigraben.» Die grössten Hindernisse für eine Zusammenlegung entstehen aus der Sicht von Ries aus den ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen, unter denen die Bistümer ihre Seelsorgenden gewinnen müssen.


Einwurzelung in Kirche Schweiz ginge verloren

Mit der Auslagerung der Priesterausbildung nach Freiburg i. Br. gehe vor allem die Einwurzelung der Kirche in der Schweiz verloren. Leimgruber: «Es gibt ein sentire cum ecclesia (Fühlen mit der Kirche, die Red.), das kontextbedingt ist.» Die Kirche Schweiz verfüge über gute Seelsorger aus Nigeria und Kerala, doch die kulturellen Konnotationen differieren deutlich.


«Das ist einfach unverantwortlich»

«Wenn ich in China predigen würde, käme das nicht besonders gut heraus. Ich spüre die Nöte, Sorgen und Sehnsüchte dieser Menschen zu wenig», meint der Spiritual des Bistums Basel. Die «Ausweisung der Alumnen» schade zunächst diesen selbst und benachteilige sie, erklärt Ries. Mit einem solchen Vorgehen schwäche man die Priesterausbildung und beschädige das geistliche Amt. «Und das ist einfach unverantwortlich.»

Die spezielle Form der Kirche Schweiz mit ihrem dualen System mache bei einer Ausbildung im Ausland zusätzliche Kurse hierzulande nötig. Gemäss Leimgruber haben dies die Bischöfe «selbst gewünscht». Ries differenziert: Man könne sich im Deutschen Freiburg genauso gut wissenschaftlich mit dem Schweizer Staatskirchenrecht auseinandersetzen. «Aber wer in der Schweiz studiert, kann es auch erfahren und erleben – und das ist im Blick auf einen aktuell verstandenen, kompetenzorientierten Lernprozess nochmals etwas ganz anders. Es wäre bedenklich, diese Chance allen künftigen Seelsorgenden zu gewähren, aber ausgerechnet die Priesteramtskandidaten davon auszuschliessen.»


Schaden für gesamte Kirche Schweiz

In der Schweiz geraten die Theologischen Fakultäten aufgrund ihrer Grösse und teilweise geringen Studierendenzahlen immer wieder unter Beschuss. Die Auslagerung der Priesterausbildung gibt jenen «ganz klar» Munition, so Leimgruber, dieden Stätten des Theologiestudiums an den Kragen wollen. Die vom Bistum Basel geplante Massnahme schwächt laut Ries «die Kirche in der Schweiz und damit natürlich auch die Theologischen Fakultäten in der Schweiz». Die «Vertreibung der künftigen Priester» dürfte die Schweizer Identität aber genauso wenig beeinträchtigen wie seinerzeit die Vertreibung der Jesuiten.

In Luzern studieren Laientheologen, Laientheologinnen und Priesteramtskandidaten in Tuchfühlung zueinander. «Gemeinsame Studienzeit fördert die spätere Zusammenarbeit in der Pastoral, gegenseitige Abschottung hingegen ist sicher nicht produktiv», warnt der Kirchenhistoriker Ries. Leimgruber sagt dazu: «Nach meinen Erfahrungen tragen Kooperationen aus der Studienzeit und Freundschaften aus diesen Jahren für das ganze Leben. Diese würden weniger.»


60 Priesteramtskandidaten

In Luzern wären gemäss Leimgruber drei Priesteramtsanwärter vom Wegzug nach Freiburg i. Br. betroffen. Priesteramtsanwärter gebe es gesamthaft im Bistum Basel zurzeit zwölf. In der Schweiz würden heute gesamthaft rund sechzig Priesteramtskandidaten gezählt. Das gäbe eine «eine ideale Lerngruppe» für die Schweiz. Das Tessin wird gemäss dem Spiritual viel zu wenig einbezogen, obwohl dort die meisten Priesteramtskandidaten sind.

In Luzern gibt es Theologiestudenten, die sich auf den Weiheempfang vorbereiten. «Daneben kenne ich einige, deren Entscheidungsprozess erst im Laufe des Studiums zum Abschluss kommt», erklärt Ries. «Wir müssen sie auch künftig nach Kräften auf diesem Weg bestärken, gleichzeitig aber dafür sorgen, dass ihre Berufsabsichten nicht bekannt werden – andernfalls drohen sie uns in Luzern als Studierende verloren zu gehen.»

Es sei Sache des Bistums Basel, wo es seine Priesteramtskandidaten ausbildet, und nicht der Schweizer Bischofskonferenz, sagte deren Sprecher Walter Müller am Freitag, 15. April, auf Anfrage. Leimgruber und Ries werden gemäss eigenen Angaben in der laufenden Woche in der «Schweizerischen Kirchenzeitung» mit einer Protestnote auf die Entwicklung im Bistum Basel hinweisen. Eine Stellungnahme des Bistums Basel zur Sachlage steht noch aus.

kath.ch / Georges Scherrer

Zu wenig Kandidaten in Luzern

Das Bistum Basel will seine Priesteramtskandidaten in Freiburg i. Br. ausbilden. Mindestens zwölf angehende Priester bilden eine ideale Gruppe, um eine gute Ausbildung zu gewährleisten. Der Ausbildungsort Luzern könne dieses Ziel zurzeit nicht erreichen, erklärte Hansruedi Huber, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums Basel gegenüber kath.ch.

Ab wann soll die Ausbildung der Priester in Freiburg i. Br. stattfinden?

Hansruedi Huber: Freiburg im Breisgau ist ein Ausbildungsort neben anderen und nicht exklusiv. Aktuell befindet sich aus dem Bistum Basel ein Studierender dort. Neu ist nur die Regelung der Zuständigkeiten zwischen den beiden Regenten.

Ist der Entscheid bereits definitiv gefallen?

Ja, die Seminaristen können fortan nach Freiburg gehen; sie müssen aber nicht, da bisherige Studienorte wie Freiburg (Schweiz), Chur oder Rom bleiben. Alle Betroffenen wurden am 2. März 2016 informiert.

Warum dieses Zusammengehen mit dem deutschen Freiburg?

Die Priesterausbildung erfolgt in einem Priesterseminar. Damit die Ausbildungsziele, nämlich die menschliche, geistliche, wissenschaftliche und pastorale Reifung, möglich ist, braucht es eine Ausbildungsgruppe, die mindestens zwölf Seminaristen umfasst. Diese Ausbildungsgruppe kann in Luzern gegenwärtig nicht erreicht werden. Die Praktika und die Berufseinführung absolvieren alle Studierenden (Priesterkandidaten und Laientheologinnen und Laientheologen) unter der Leitung des Ausbildungsteams im Bistum Basel. Es besteht also viel Zeit für Sozialisierung und Integration.

Aber das Seminar in Luzern wird es nicht mehr geben?

Luzern bleibt Sitz des Seminars als Wohnort, Koordinations- und Kompetenzzentrum für die Aus- und Weiterbildung unseres Seelsorgepersonals. Die Universität Luzern bleibt die tragende Bildungspartnerin für die Aus- und Weiterbildung unserer Theologiestudierenden.

Handelt es sich um eine provisorische Lösung?

Es ist die richtige Lösung für heute. Wir orientieren uns an den Erfordernissen der Kirche, an den Entwicklungen im Bildungssystem und an den Bedürfnissen der Studierenden.

Ist ein Zusammengehen mit anderen Schweizer Bistümern in der Priesterausbildung mittelfristig möglich?

Für unsere französischsprachigen Priesterkandidaten kooperieren wir bereits seit langem mit den Diözesen Lausanne-Genf-Freiburg und Sitten. Selbstverständlich sind wir auch für die Deutschsprachigen offen für neue Ideen. Bisher haben aber verschiedene Initiativen kein Ergebnis erbracht.