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Neue Berufe in der katholischen Kirche: seelsorgen statt Sitzungen absitzen

Ohne Sitzungen gehts auch im Kirchenalltag nicht. Mitunter blockiert die Verwaltungsarbeit aber das Kerngeschäft, die Seelsorge. ¢ © Gregor Gander
Ohne Sitzungen gehts auch im Kirchenalltag nicht. Mitunter blockiert die Verwaltungsarbeit aber das Kerngeschäft, die Seelsorge. ¢ © Gregor Gander

Künftig gibts auch in der Kirche Direktionsassistentinnen und -assistenten. Sie entlasten Pfarrer und Gemeindeleitende, die oft mehr am Schreibtisch sitzen, als in der Seelsorge unterwegs zu sein. Eine Chance auch für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.

Den Blick frei bekommen für die Seelsorge – das wünschen sich Frauen und Männer, die eine grosse Pfarrei oder einen Pastoralraum leiten. Statt dessen sitzen sie oft mehr am Schreibtisch oder eilen von Sitzung zu Sitzung.

Eine Aufstiegsmöglichkeit
Die Deutschschweizer Bischöfe haben deshalb eine neue kirchliche Funktion eingeführt, die Leitungsassistenz. Wer diese Aufgabe übernimmt, hat den Überblick im Pfarreialltag – verwaltet Termine, organisiert Besprechungen, schreibt Protokolle, hat ein Auge aufs Budget. Eine gute Idee, findet Synodalratspräsidentin Annegreth Bienz-Geisseler: «So können sich die Pastoralraumleitenden vermehrt auf ihre Kernaufgaben in der Seelsorge konzentrieren.»

Und «ein attraktives Weiterbildungsangebot, für Quereinsteigende ebenso wie für Pfarreisekretärinnen und -sekretäre», schreibt der Bildungsrat der der katholischen Kirche in der Deutschschweiz in einer Medienmitteilung. Für Bischofsvikar Hanspeter Wasmer ist die neue Funktion deshalb «eine spannende Aufstiegsmöglichkeit». Pfarreisekretärinnen und -sekretären fehlten bisher passende Stellen, an denen sie mehr Verantwortung übernehmen könnten, stellt dazu der Bildungsrat fest. «Dabei bringen einige überdurchschnittliche Kompetenzen mit und wollen gerne mehr leisten.»

Zwei Module
Wer sich als Leitungsassistentin oder Leitungsassistent qualifizieren will, muss zwei Module am Theologisch-pastoralen Bildungsinstitut in Zürich besuchen. Den Erfolg bestätigt ein kirchliches Zertifikat. Die Module sind Teil des kirchlichen Aus- und Weiterbildungssystems ForModula, im dem bereits Katechetinnen und Katecheten sowie kirchliche Jugendarbeitende ausgebildet werden.

Das Profil der neuen Funktion Leitungsassistent entspreche in der freien Wirtschaft einer Direktionsassistenz, erklärt der Bildungsrat. «Wer so ausgebildet ist oder gar vertiefte Management-Kenntnisse mitbringt, dem kann eine Pastoralraumleitung getrost administrative Aufgaben delegieren, sofern ein Grundverständnis der Kirche vorhanden ist.»

Die Bischöfe griffen damit eine Entwicklung auf, die bereits im Gang sei, heisst es in der Mitteilung weiter. In den grösser werdenden pastoralen Einheiten mehrten sich entsprechende Stellenbeschreibungen. «Bislang fehlte jedoch eine in allen Bistümern anerkannte Linie, die den Kirchgemeinden für solche Anstellungen eine Orientierung gibt.»

Neue Zusatzqualifikation

Kirchliche Freiwilligenanimation heisst der zweite neue Seelsorgeberuf, den die Deutschschweizer Bischöfe eingeführt haben. Er richtet sich an Katechetinnen und Katecheten sowie Jugendarbeitende. «Freiwillige wünschen vermehrt professionelle Begleitung und Bildungsangebote», heisst es in einer Mitteilung des Bildungsrats der katholischen Kirche in der Deutschschweiz. Und sie wollten nicht nur Anerkennung, sondern auch Mitsprache.
Wer sich für die neue Funktion qualifizieren will, muss den Lehrgang «Freiwilligen-Koordination» von «benevol» besuchen und drei bis fünf Module (je nach Vorbildung) absolvieren. Anbieter ist das Theologisch-pastorale Bildungsinstitut.