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Möglichkeiten machen glücklich

Wer hat eigentlich die Zukunft in der Hand? Climate March am 2. Februar 2019 in Luzern. | © 2019 Mario Stankovic
Wer hat eigentlich die Zukunft in der Hand? Climate March am 2. Februar 2019 in Luzern. | © 2019 Mario Stankovic

Die Fastenopferkampagne «Klimagerechtigkeit – jetzt!» könnte auch als Parole der Klimajugend durchgehen, findet Jan Odermatt aus Luzern. Er sieht keinen Verlust darin, nie mehr in ein Flugzeug zu steigen und ist aktiv bei «Klimastreik Zentralschweiz», um zu sehen, was er zu einer besseren Welt beitragen kann.

Corona war schnell. Schnell im Ablösen grosser Themen in den Medien. Nun mag sie aber wieder durchdrücken, die Klimapolitik. Zu dringend sind die Fragen, die die Zukunft betreffen – «Welche Zukunft? Unsere Zukunft!», rief die Klimajugend an ihren Streiks bis vor einem Jahr. Und sie wird es vielleicht bald wieder rufen können. Die Klimathematik gewinnt wieder an Gewicht; es geht um Abkommen, es geht um Gesetze, um Abstimmungen – es geht um unseren Planeten.

Bewusstsein schaffen

«Klimastreik Zentralschweiz», das sind junge Leute aus der Region, die sich für den klimaneutralen und sozialen Wandel von Gesellschaft und Politik einsetzen. Auch in Coronazeiten haben sich die Regionalgruppen alle zwei Wochen auf Zoom getroffen. Sie versuchen, ihre Punkte und Anliegen einzubringen und in Diskussionen mitzumischen, zum Beispiel beim Klimaaktionsplan der Stadt Luzern.
Jan Odermatt, 25, geht seit zwei Jahren an die Klimastreiks. Und er redet gerne mit den Leuten. «Ich sehe das Ziel bzw. einen ersten Schritt darin, dass Leute, die bewusst und ethisch korrekt leben wollen, von unseren Anliegen erfahren. Zum Beispiel durch einen Streik.» Dadurch können Gedanken angeregt werden. Odermatt möchte diejenigen abholen, die etwas verändern wollen, aber vielleicht nicht wissen, wie. «In einem zweiten Schritt können wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Notstand herrscht. Bei Corona haben das ja auch die Meisten begriffen.» Für ihn zählt jeder Tag. Klimagerechtigkeit sei nur durch Veränderungen im Alltag zu bewerkstelligen. «Gewisse Rituale müssen wir überdenken und neu erfinden.»

Eine Frage der Haltung

Angenommen, wir müssten ab heute alle kalt duschen, dann gibt es für Odermatt zwei Antworten: «Entweder ist Warmduschen lebenswichtig für mich und ich beharre darauf. Oder ich sage mir, dass das ja irgendwie aufregend ist, etwas zu tun, das ich vorher anders gemacht habe.» Vegetarische Menus zubereiten heisst für ihn nicht Verzicht. Nicht mehr ins Flugzeug zu steigen, dafür habe er sich bewusst entschieden. Der Vorteil am Reisen sieht er darin, neue Menschen, Orte, Kultuen kennenzulernen. Das könne er auch in Bosnien statt Brasilien. Einschränkung oder Chance? Für Odermatt ist das Entscheidungssache. Sein Wunsch an die Welt wäre, «dass man sich viel öfter mit Möglichkeiten beschäftigen sollte, als mit Gefahren.» Gerecht wäre es doch, «so zu leben, dass die, die nach uns leben, genauso gut leben können wie wir.»
Ein christlicher Gedanke. Obwohl: katholisch ist der Elektrotechnik-Student vor allem auf dem Papier. «Ich bin eher so ein analytischer Typ. Ich betrachte die Dinge oft mathematisch: Wenn ich die Natur, meine Umgebung in einem gesunden Zustand halte, ergibt das eine grössere Vielfalt an Möglichkeiten.» Das Kampagnenplakat von Fastenopfer und Brot für Alle findet er echt genial. Es könnte eine Chance sein, junge Menschen für die Anligen der Kirche zu interessieren.

Fleur Budry
(Erschienen im Pfarreiblatt 5/21)