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Minifest 2017 am 10. September in Luzern: «Es ist cool, Mini sein zu dürfen»

«Mini zu sein ist einfach mega vielseitig» (von links): Jasmin Krummenacher, Andreas Buck und Marcel Troxler. | © 2017 Dominik Thali
«Mini zu sein ist einfach mega vielseitig» (von links): Jasmin Krummenacher, Andreas Buck und Marcel Troxler. | © 2017 Dominik Thali

Am Sonntag in die Kirche statt ausschlafen? Klar. Vor dem grossen Minifest in in Luzern erklären drei Jugendliche, weshalb sie ministrie­ren: nicht nur der Kirche wegen.

Wie seid ihr Ministrant/Ministrantin geworden?
Marcel Troxler: Der Religionslehrer fragte uns in der Schule, ich ging dann, weil ein Kollege auch ging, ohne besondere Motivation. Meine Eltern spielten keine Rolle.
Andreas Buck: Meine Mutter war schon Ministrantin gewesen, meine zwei älteren Brüder ministrierten, also war klar, dass ich auch gehe. Meine Motivation war, vorne mitdienen zu dürfen, statt nur in der Kirchenbank zu sitzen.
Jasmin Krummenacher: Auch bei mir fragte mal die Religionslehrerin. Ich entschied mich zusammen mit den Buben aus der Nachbarschaft dafür. Wir könnten ja dann zusammen mit dem Velo fahren, fanden wir. Die Eltern haben das unterstützt. Mein Vater war lange Ministrant gewesen.

Das sind praktische Gründe. Spielte die Kirche ebenfalls eine Rolle?
Troxler: Nein, ich ging eher wegen der Kollegen ministrieren.
Buck: Ich ging jeden Sonntag in die Kirche. Für mich war klar, dass ich eines Tages ministrieren will. So bin ich aufgewachsen.
Krummenacher: Ich mochte das Fach Religion schon immer und dachte mir, Ministrieren könnte etwas sein für mich. Ich habe gute Lehrpersonen erlebt, die gute Themen spannend vermitteln können. Mich interessieren die Hintergründe der biblischen Geschichten. Oder was andere Menschen glauben. Aus diesem Grund bin ich auch Mini-Leiterin geworden. Mir gefällt es, den Jüngeren etwas mitgeben zu können und sie unsere Freude am Mini-Sein spüren zu lassen.

Was fragen sie Dich?
Krummenacher: Nicht nur mich, auch Gemeindeleiter David Rüegsegger. Zum Beispiel, ob diese oder jene Geschichte wirklich so sei oder es stimme, was der Pfarrer erzählt habe.
Troxler: Gestern fragte mich mein Chef, was an Fronleichnam passiert sei. Dazu kam mir nichts in den Sinn…

…Fronleichnam ist ja auch kein einfach zu erklärender Feiertag…
Troxler: …eben, es ist ja auch nichts passiert an Fronleichnam, man hat das Fest einfach auf diesen Tag gelegt (lacht). Diese Antwort hatte ich natürlich nicht grad parat und musste ihm das Fest am anderen Tag erklären.

War bei Eurem Entscheid für das Ministrieren auch eine andere Möglichkeit im Gespräch, zum Beispiel Sport?
Troxler: Mich fragte mal die Pfadi an. Aber erst später. Aber von den Minis verabschiedet man sich natürlich nicht einfach so.
Buck: Bei mir war lange auch die Musik wichtig. Das ging lange Zeit gut nebeneinander: Unter der Woche die Musik, am Wochenende ministrieren.
Krummenacher: Mich haben ja die Nachbarsbuben zum Ministrieren bewegt. Wir sind alle Bauernkinder und wohnen ein wenig abseits. Fussball, Handball und was so im Dorf angesagt war, lockte uns weniger. Wir mögen eher das Bodenständige. Das ist bis heute so.

 

Ministrantinnen und Ministranten: Fröhliche Farbtupfer im Kirchenalltag. | © 2017 Jonas Brühwiler, www.jonas-comics.ch

 

Was gefällt Dir am Ministrieren?
Krummenacher: Dass wir alle das gleiche Ziel haben. Alle wollen weiterkommen und ziehen am gleichen Strick. Einer für alle, alle für einen. Im Fussball zum Beispiel gibt es noch das gegnerische Team. Das haben wir bei den Minis nicht.

Weiterkommen? Was heisst das?
Krummenacher: Wir haben alle den gleichen Glauben, und einige wollen mal ins Leiterteam oder vielleicht sogar Lektor, Lektorin werden.

Man kann als Ministrant, Ministrantin also aufsteigen?
Krummenacher: Ja. Bei uns trägt zum Beispiel der oder die Grösste jeweils das Kreuz. Ich durfte es auch schon.
Troxler: Eine Art Aufstieg gibt es schon. Ich bin selbst ebenfalls Leiter. Ich helfe mit, wenn es mal etwas zu organisieren gibt. Oder eine Stimme braucht, um die Jüngeren ruhig zu halten…

Ihr ministriert beide schon lange. Was hält Euch dabei?
Troxler: Am Anfang fragte ein Kollege, ob ich mitkomme, dann kamen neue hinzu. Mit denen treffe ich mich sicher einmal im Monat an einem Mini-Anlass. Da sind einfach lauter gute Leute.
Buck: Auch bei mir sind es die Kolleginnen und die Kollegen. Und die mit den Jahren steigende Verantwortung, die man übernehmen kann. Man kann viel lernen, Leiterkurse besuchen. Das bringt einen vorwärts, was später auch bei einer Bewerbung unterstützen kann.

Sind Religion, Glaube und Kirche ebenfalls Gründe, so lange Ministrant zu bleiben?
Troxler: Mmh… zum Punkt Kirche kann ich sagen: Ja, es gehen viele Leute z Chele und die freuen sich, wenn wir ministrieren. Wir erhalten manche Rückmeldungen, nicht nur in der Sakristei, und das freut uns natürlich.
Buck: Wir auch. In der Osternacht etwa waren wir 30 Minis. Da vernehmen wir über unseren Präses von vielen Komplimenten. Das motiviert immer wieder aufs Neue.

Was ist denn aber cool daran, an einem Samstag Abend oder Sonntag Morgen in die Kirche zu gehen statt in den Ausgang oder auszuschlafen?
Troxler: Das frage ich mich gar nicht. Der Mini-Dienst kostet mich ja nicht viel Zeit, eine bis anderthalb Stunden und die Leute freuen sich. Der Abend oder Tag ist danach doch noch nicht gelaufen!
Buck: Statt nur in die Kirche zu gehen zusätzlich den Pfarrer oder Gemeindeleiter zu unterstützen motiviert mich ebenfalls.

Sind Minis frommer als andere Kinder und Jugendliche?
Buck: Kaum. Vielmehr ganz gewöhnliche Mädchen und Buben, die es zusammen gut und Spass haben wollen. Viele sind einfach deswegen dabei.

In Eurem Freundeskreis seid Ihr als Kirchgänger aber wohl in der Minderheit. Gibt es Bemerkungen zu Eurem Mini-Sein?
Troxler: In der Minderheit, das stimmt. Die Kolleginnen und Kollegen wissen eigentlich nicht so recht, was sie davon halten sollen. Ich frage sie aber auch nicht danach. Und es muss ja niemand z Chele kommen, um zu sehen, was ich da vorne mache. Und blöde Sprüche? Nein. Wenn ich wegen eines Einsatzes mal später komme, dann ist das einfach so.
Krummenacher: Meine Kolleginnen und Kollegen interessiert es gar nicht, was ich am Sonntag Morgen mache. Die schlafen dann einfach noch.
Troxler: (lacht) Das Ministrieren am Sonntag zwingt einen, rechtzeitig aufzustehen. Dann hat man dafür nachher noch etwas vom Tag.

Sprecht Ihr unter den Minis selbst über Religion und Glauben?
Troxler: Unter den Minis ist vieles recht klar und wir kennen einander. Über Religion und Glauben diskutiere ich eher mit den anderen Kolleginnen und Kollegen. Wenn sie mich fragen.
Buck: Im Minikreis tauchen zum Beispiel liturgische Fragen auf. Etwa, weshalb an diesem Sonntag die Farbe grün oder rot vorherrscht. Im sonstigen Kollegenkreis hingegen kommt das Gespräch auch mal auf Themen wie den Tod und wie es danach weitergeht oder ob man an Gott glaubt. Da können sich spannende Gespräche ergeben
Krummenacher: Das erlebe ich ähnlich

Wirken Religion und Glauben in Euren Alltag hinein?
Buck: Beides ist bei uns häufiges Thema. Mein Bruder hat Theologie studiert, den kann man alles fragen, das liefert zusätzlich Gesprächsstoff.
Krummenacher: Vor allem mit meinem Vater kann ich aber gut über solche Themen diskutieren. Meine beiden Brüder jedoch sind eher das Gegenteil von mir. Und die beiden Lehrlinge, die wir heuer haben, wären wohl auch nicht begeistert, wenn wir wieder, wie früher, vor dem Essen beten würden.

Beschäftigen Euch kirchenpolitische Fragen wie die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, die Stellung der Frauen, der Umgang mit Homosexualität?
Buck: Das sind Themen, über die wir offen sprechen und wir uns informieren, um uns eine eigene Meinung zu bilden.

Welche ist Deine?
Buck: Unsere Kirche ist schon recht konservativ. Man könnte vieles verbessern. Zum Beispiel, weshalb Frauen nicht geweiht werden können oder Priester nicht heiraten dürfen. In der heutigen Zeit sollte man für solche Anliegen doch offen sein.
Krummenacher: Dass Frauen nicht Priesterin werden können, beschäftigt vor allem meine Grossmutter. Sie möchte unbedingt, dass ich Pfarrerin werde. Und zwar in Rothenburg. Sie fragt mich jeweils, ob ich etwas Neues wisse.

Was antwortest Du ihr?
Krummenacher: Ich sage ihr jeweils, dass ich dies nicht werde. Aber ich gehe mir ihr am Sonntag zur Kirche, wenn sie dies will.

Überlegst Du Dir, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen?
Krummenacher: Zuerst möchte ich einen Beruf lernen. Studieren kann ich danach immer noch.

Was erlebt man nur als Ministrantin, als Ministrant?
Buck: Eine Menge in jedem Gottesdienst. Wer kann schon ein richtiges Weihrauchfass schwingen? Es ist eine grosse Ehre, mit dem Weihrauchfass in der vollen Kirche zu stehen und es raucht schön. Oder mit dem Kreuz einzuziehen. Hinzu komen unsere Scharanlässe während des Jahres, die sind einzigartig. Und nur so gut wie der Einsatz, den alle geben. Es ist einfach cool, Mini sein zu dürfen.
Troxler: Das kann ich nur unterschreiben. Ein anderer Gesichtspunkt: Wir sind eine Gemeinschaft, die auch in schwierigen Situationen trägt. Das habe ich kürzlich beim Tod meiner Grossmutter gespürt.
Krummenacher: Mini zu sein ist einfach mega vielseitig. Um es nochmals mit dem Fussball zu vergleichen: Die trainieren während der Woche, haben am Wochenende Matches und vielleicht einmal im Jahr ein Lager. Wir aber ministrieren am Samstag und Sonntag und haben daneben immer wieder andere Anlässe.
Troxler: Etwas wichtiges ist die Romwallfahrt. Eine super Sache.
Buck: Und bei der man immer wieder neue Kolleginnen und Kollegen kennenlernt.
Troxler: Ich werde 2018 das dritte Mal dabei sein.
Krummenacher: Und ich das erste.

Am 10. September findet das Minifest in Luzern statt. Worauf freut Ihr Euch?
Buck: Es ist unglaublich, wie viele Leute aus der ganzen Deutschschweiz man da an einem Tag kennenlernt. Man steht irgendwo an, und gleich kommt ein Gespräch in Gang. Alle sind offen, es hat coole Ateliers, es ist einfach ein riesig toller Anlass.
Troxler: Mir geht es gleich. Viele Helferinnen und Helfer muss man gar nicht mehr fragen. Die kommen einfach. Eine super Sache.
Krummenacher: Ich werde zum zweiten Mal dabei sein. Ich freue mich unter anderem darauf, Leute wieder zu treffen, die ich an Leiterkursen kennengelernt habe.

Interview: Dominik Thali / Das Gespräch fand am 15. Juni statt

Im Gespräch

  • Marcel Troxler: 22, aus Römerswil (Pfarrei Hochdorf), nach abgeschlossener Lehre als Informatiker in der Zweitausbildung zum Landwirt, Ministrant seit 2004, am Minifest Luzern zum dritten Mal dabei, jeweils als Helfer. Die Minischar Hochdorf zählt rund 100 Mitglieder.
  • Andreas Buck: 20, aus Malters, nach einer kaufmännischen Lehre Sachbearbeiter in einer Treuhand-Firma, Ministrant seit 2006, am Minifest in Luzern zum dritten Mal dabei. Die Minischar Malters zählt 65 Mitglieder.
  • Jasmin Krummenacher: 14, aus Rothenburg, 2. Oberstufe, Ministrantin seit 2012, am Minifest Luzern zum zweiten Mal dabei. Die Minischar Rothenburg zählt 34 Mitglieder.

8000 Minis: «Rüüdig guet!»

Um die 8000 Ministrantinnen und Ministranten aus der deutschsprachigen Schweiz werden am 7. Minifest am 10. September in Luzern erwartet. Es steht unter dem Motto «Rüüdig guet!».
Ein Minifest gibt es alle drei Jahre, das erste fand 1999 in Bern statt. Am 10. September ist Luzern nach 2005 zum zweiten Mal Gastgeber. Hier befindet sich auch die «Deutschschweizerische Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral» (DAMP), die das Fest organisiert. Das Festareal befindet sich auf der Allmend, dem Messegelände und dem Hubelmatt-Areal.

  • 10 Uhr: Eröffnungs-Wortgottesdienst auf der Allmend
    Anschliessend Festbetrieb mit über 150 Ateliers
  • 14.00 Uhr: Eucharistiefeier mit Jugendbischof Marian Eleganti im Forum 1 im Messegebäude
  • 16.15 Uhr: Gemeinsamer Schlusspunkt auf dem Gelände der Allmend

www.minis.ch/minifest