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Menschen, die im Nichts treiben: Seenotrettung mit Luzerner Unterstützung

Ein Flüchtlingsboot, das sich bereits mit Wasser gefüllt hat. Das Team der «Piloteninitiaitive» hat es aus der Luft entdeckt, seine Position weitergeleitet und Rettung angefordert. | © 2017  Piloteninitiative/Sam Hochstrasser
Ein Flüchtlingsboot, das sich bereits mit Wasser gefüllt hat. Das Team der «Piloteninitiaitive» hat es aus der Luft entdeckt, seine Position weitergeleitet und Rettung angefordert. | © 2017 Piloteninitiative/Sam Hochstrasser

Leben retten aus der Luft: Piloten orten Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer und geben ihre Position an Rettungsschiffe weiter. Der Luzerner Sam Hochstrasser hat die «Piloteninitiative» mitgegründet.

Die Gummiboote, in denen die Menschen, zusammengepfercht, den Weg nach Europa suchen, sind vom Wasser aus kaum auszumachen. Tausende Flüchtlinge ertrinken jedes Jahr, weil ihre Boote nicht seetüchtig sind oder rechtzeitig geortet werden.

Suchflüge ab Malta
«Aus der Luft aus hat man jedoch den Überblick», erklärt Sam Hochstrasser. Er und Fabio Zgraggen gründeten deshalb vor zwei Jahren die «Piloteninitiative», mittlerweile eine Stiftung, die sich der Rettung aus der Luft verschrieben hat. Mit einer gecharterten Maschine startet das Team von Malta aus zu seinen Flügen. Es sucht das Meer nach Flüchtlingsbooten ab, bestimmt deren Position und gibt diese Rettungsschiffen in der Nähe durch, die darauf die Boote ansteuern. Mit der Kamera wird das Geschehen dokumentiert, um später festzustellen, ob die Rettung geglückt ist.

Eine Lagerfeuer-Idee
Die Idee zur «Piloteninitative» hatten Hochstrasser und Zgraggen vor zwei Jahren an einem Lagerfeuer, mittlerweile ist das Team auf etwa 20 Freiwillige gewachsen. Sam Hochstrasser, teilweise in Kriens aufgewachsen, betreibt eine Gleitschirm-Schule, Fabio Zgraggen hat den Privatpilotenschein. Die beiden sind Macher: «Zu spenden ist wichtig. Es braucht aber auch Leute, die anpacken», sagt Sam Hochstrasser.

Acht Monate nach ihrem Beschluss starteten er und Fabio Zraggen zu ihrem ersten Flug, in einem leichten Zweiplätzer von Malta aus. Mit Linienflügen waren sie auf eigene Rechnung angereist, das bis dahin gesammelte Geld reichte für den Charter und die ersten Flugstunden. Sie hätten von Beginn weg Unterstützung für ihre Idee erhalten, sagt Hochstrasser; es flossen Spenden, Fachleute stellten sich zur Verfügung, zum Beispiel ein Flugzeugmechaniker. Inzwischen ist die «Piloteninitiative» mit einer vierplätzigen Cirrus in der Luft, deren Tanks für acht Flugstunden reichen.

Samuel Hochstrasser ist der Spotter in der Crew, der Beobachter also. Die Flüge gehen ihm nahe, aber er weiss auch, wie wirkungsvoll die Hilfe der «Piloteninitiative» ist. Bei gutem Wetter und ruhiger See seien jeden Tag Tausende unterwegs. «Menschen, die einem harten Schicksal in die Sicherheit entfliehen wollen und sich dabei in Todesgefahr begeben müssen.» Mit «null Sicherheit» seien die Flüchtlinge unterwegs, die wenigsten hätten Schwimmwesten. Als «ganz schlimm» empfindet es Hochstrasser, wenn er ein gekentertes Boot sichtet, Menschen im Wasser treiben oder ertrunken sind. «In solchen Augenblicken möchte ich am liebsten herausspringen und helfen. Aber im Flieger können wir nur Hilfe anfordern.»
Was allerdings Leben rettet. Bei ihrem jüngsten Einsatz Mitte Mai ortete die «Piloteninitiative» zwei abgetriebene Boote. «In letzter Minute. Ohne Flieger wäre das unmöglich gewesen.» Will heissen: Das nächste Drama mit Todesopfern geschehen, die längst kaum mehr Schlagzeilen machen. Die «Piloteninitiative» war so an der Rettung von schon rund 2000 Flüchtlingen beteiligt.

«Etwas machen»
«Eigentlich müsste man etwas machen», dachten sich Sam Hochstrasser und Fabio Zgraggen, als sie damals am Lagerfeuer über die Flüchtlingskrise sprachen. Und: «Können wir mit unseren Fähigkeiten nicht etwas beitragen?» Seither war das Team der «Piloteninitiative» schon rund sieben Wochen im Einsatz. Für Sam Hochstrasser ist die Seenot­rettung aus der Luft eine Möglichkeit, dem «ganzen wahnsinnigen System», wie er es nennt, etwas entgegenzusetzen. Er brauche das «Erleben, um verstehen zu können», sagt Hoch­strasser. Und nicht abzustumpfen.

Dominik Thali

Suchflüge dank Spenden

Die 2015 gegründete «Piloteninitiative» ist eine Stiftung, in der Piloten und weitere Unterstützer ihre Fähigkeiten für soziale, humanitäre und ökologische Flugeinsätze zur Verfügung stellen, im Moment ausschliesslich für die Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. Dabei arbeitet sie mit Organisationen wie «Ärzte ohne Grenzen» oder «Sea-Watch» zusammen.
Die Stiftung finanziert sich über Spenden, pro Suchflug sind rund 3000 Franken aufzubringen. Das Team arbeitet ohne Lohn. Stiftungs-Mitgründer Sam Hoch­strasser betont: «Wer spendet, macht möglich, dass wir fliegen können, und finanziert nicht unsere Verwaltung.»

www.piloteninitiative.ch