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«Mehr zum Leben» am 1. Mai – und die Kirche macht mit

Ausschnitt aus dem Plakat zur 1. Mai-Aktion 2019.
Ausschnitt aus dem Plakat zur 1. Mai-Aktion 2019.

Die 1. Mai-Feier in Luzern steht in diesem Jahr unter dem Motto «Mehr zum Leben». Das tönt fast schon biblisch, schliesslich sagt auch Jesus im Johannesevangelium: «ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.» (Kapitel 10, Vers 10). Warum diese Themenwahl zum Tag der Arbeit?

Die Kirche und der 1. Mai, das ging in der Vergangenheit nicht ohne Spannungen zusammen. Der «Tag der Arbeit» wurde von Seiten der kirchlichen Obrigkeit mit dem Sozialismus und damit mit Religionskritik in Verbindung gebracht. Um bei der katholischen Arbeiterschaft Gegensteuer zu geben, führte Papst Pius XII. 1955 das Fest «Josef der Arbeiter» für die ganze katholische Kirche ein.

Heute sind solche Differenzen kaum mehr Thema. In Luzern ist mit Nicola Neider, Leiterin des Bereichs Migration/Integration der Katholischen Kirche Stadt Luzern, sogar eine Kirchenfrau an der 1. Mai-Feier beteiligt. «Ich wurde von den Gewerkschaften angefragt, ob ich im Komitee zur Vorbereitung der 1.Mai-Veranstaltung mitwirken kann», sagt Nicola Neider. Sie war bereits im letzten Jahr dabei, als die Integration Thema war. «Mir ist es persönlich wichtig, dass wir uns als Kirche auf Augenhöhe mit anderen gesellschaftlichen Akteuren für Fragen von Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenrechten engagieren.»

Sehr gefreut hat sich Nicola Neider, als sie vom Thema der diesjährigen 1. Mai-Feier hörte. Das Motto «Mehr zum Leben» passe bestens zur biblischen Botschaft. Heisse es doch zum Beispiel im Johannes-Evangelium: «Damit sie das Leben haben und es in Fülle haben» (Joh 10,10). Das «Mehr zum Leben» im Blick auf den 1. Mai ziele vor allem auf jene Arbeiterinnen und Arbeiter, die oft zu wenig zum Leben hätten, zum Beispiel die Working poor «und generell alle Männer und Frauen, die in den sogenannten Niedrig-Lohnsektoren arbeiten und denen es am Ende des Monats oft nicht mehr reicht. Ich denke vor allem auch an Allein-Erziehende, die neben der Familien- und Hausarbeit nur Teilzeit arbeiten können.»

Gemeinsam für eine gerechtere Welt
Was aus Sicht der Gewerkschaften hinter dem Motto «Mehr zum Leben» steht, erklärt Marcel Budmiger, Geschäftsleiter des Luzerner Gewerkschaftsbundes: «Wir finden, dass eigentlich alle mehr zum Leben verdienen. Alle sollen von unserem Wohlstand profitieren können, in Form von mehr Lohn oder Rente aber auch mehr Freizeit. Dies gilt besonders für Frauen, die nicht nur beim Lohn und bei den Renten diskriminiert sind, sondern auch noch den grössten Teil der unbezahlten (Care-)Arbeit leisten.»
Zu bedenken sei auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen Mühe hätten, über die Runden zu kommen – «auch in der reichen Schweiz.»

Es geht also nicht zuletzt um Solidarität. «Sowohl für die Gewerkschaften wie auch für die Kirchen ist Solidarität ein zentraler Wert», meint Budmiger und verweist auf eine Kampagne von Fastenopfer mit dem Titel «Wir glauben. Arbeit muss menschenwürdig sein». – «Das glauben wir Gewerkschaften auch. Warum sich also nicht gemeinsam für eine gerechtere Welt engagieren?» So steht denn auch die 1. Mai-Feier im Neubad im Zeichen der Solidarität: «Gemeinsam möchten wir die Kraft der Solidarität feiern und im Frauenstreikjahr erneut für das Thema Gleichstellung sensibilisieren», sagt Marcel Budmiger und freut sich, wenn möglichst viel Luzernerinnen und Luzerner aus allen Generationen ins Neubad kommen.

Urban Schwegler

Mai-Feier im Neubad

  • Bireggstrasse 36, Luzern
  • 15 bis 18 Uhr Kinderprogramm
  • 18 Uhr Essen im Neubad Bistro
  • 19.00 Referat Natascha Wey, Präsidentin SP-Frauen Schweiz
  • 19.30 Uhr Aktion zum Frauenstreik vom 14. Juni
  • 20 Uhr Podiumsdiskussion im Pool
  • 21 Uhr Konzert mit BAZE (Hip Hop, Bern)
  • Detailrogramm: lgb-luzern.ch