Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

Kirchgemeinden erwägen Fusionen: Nicht allen Kleinen läufts mehr rund

Die Pfarrkirchen von Dagmersellen (links) und Uffikon-Buchs. Die Fusion der beiden Kirchgemeinden würde die Verwaltung vereinfachen, auf das Pfarreileben hätte dies keinen Einfluss. | 
 © 2019 Gregor Gander
Die Pfarrkirchen von Dagmersellen (links) und Uffikon-Buchs. Die Fusion der beiden Kirchgemeinden würde die Verwaltung vereinfachen, auf das Pfarreileben hätte dies keinen Einfluss. | © 2019 Gregor Gander

Wenn Pfarreien sich zu Pastoralräumen verbinden, rücken auch die Kirchgemeinden näher zusammen. Fusionen sind im Kanton Luzern aber kaum ein Thema. Noch nicht. Dabei wird es immer schwieriger, Behördenmitglieder zu finden.

Gut 60 Katholikinnen und Katholiken zählt Bramboden, die kleinste Kirchgemeinde im Kanton Luzern. Präsident Martin Wicki und Kirchmeier Bruno Koch wollten eigentlich auf Ende der Legislaturperiode im vergangenen Sommer zurücktreten, fanden aber keine Nachfolgen. Gelingt dies auch in drei Jahren nicht, «bliebe uns nichts anderes übrig, als die Fusion mit einer Nachbar-Kirchgemeinde anzustreben», sagt Koch. Ob eine davon bereit wäre, «wird die Zukunft zeigen», ergänzt Martin Wicki.

«Vieles würde einfacher»
Das Hürntal ist schon einen Schritt weiter: Die Kirchgemeinde Uffikon-Buchs hat im November ihre rund 800 Mitglieder gefragt, was sie von einer Fusion mit Dagmersellen hielten. Die beiden Pfarreien arbeiten seit 2013 über den Pastoralraum in der Seelsorge zusammen, jetzt will der Kirchenrat Uffikon-Buchs prüfen, ob mit einer Fusion auch die Verwaltung vereinfacht werden könnte. Fast 90 Personen beteiligten sich an der Umfrage, rund 70 sprachen sich für das Anliegen aus. Der Kirchenrat Dagmersellen ist offen dafür: «Organisatorisch würde durch einen Zusammenschluss vieles einfacher», sagt Präsident Marco Fellmann.
Es gebe Doppelspurigkeiten, wenn etwa Geschäfte zum Pastoralraum erst im Verbandsrat und dann in den beiden Kirchenräten behandelt werden müssten. «Nur ein Kirchenrat könnte wesentlich schneller entscheiden.» Knackpunkt dürfte im Hürntal der Steuerfuss sein. Dieser ist in Uffikon-Buchs beinahe doppelt so hoch wie in Dagmersellen. Für Pastoralraumleiter Andreas Graf steht bei der möglichen Fusion deshalb die Solidarität im Vordergrund: «Die gleichen Leistungen sollten für alle gleich viel kosten», findet er, selbst wenn für Dagmersellen die Kirchensteuer leicht stiege.

Erst ein KirchgemeindeVerband
Die Anzahl politischer Gemeinden ist im Kanton Luzern durch Fusionen seit 1997 von 107 auf 83 gesunken. Weiterhin zählt Luzern aber 85 Kirchgemeinden. In den Pastoralräumen regeln fast alle die Zusammenarbeit über Verträge; nur im Rontal (Buchrain, Ebikon und Root) wurde ein Kirchgemeindeverband gegründet.

Erfahrungen mit Fusionen hat Katholisch-Luzern noch kaum – im Gegensatz etwa zum Aargau oder Thurgau (siehe blauer Kasten). Im November 2006 scheiterte die Fusion der Kirchgemeinden Littau und Reussbühl, im September 2013 jene von Hohenrain und Kleinwangen.

«Fusionen werden Zunehmend ein Thema»
In beiden Fällen spielte die Befürchtung, an Einfluss einzubüssen und beim Pfarreileben Abstriche machen zu müssen, eine grosse Rolle. Solche Stimmen vernahm auch Rita Staffelbach, Kirchgemeindepräsidentin von Uffikon-Buchs, in der aktuellen Umfrage. Eine Frau habe ihr in der Antwort geschrieben, sie wolle einfach, dass die Kirche im Dorf bleibe. Staffelbach kann das verstehen, sagt aber: «Der Pastoralraum und die Kirchgemeinde sind zweierlei. Uns geht es bei der Fusion um die Verwaltung, auf das Pfarreileben hätte der Zusammenschluss keinen Einfluss.»

Werden sich die Kirchenräte Dagmersellen und Uffikon-Buchs über die Fusion einig, stimmt das Kirchenvolk darüber ab, was nach Schätzung von Rita Staffelbach in zwei bis drei Jahren der Fall sein könnte. Annegreth Bienz-Geisseler, Synodalratspräsidentin der Landeskirche, schätzt, dass Fusionen bis dahin «zunehmend zum Thema werden» dürften. Als Hauptgrund dafür nennt sie – mit Verweis auf Bramboden – die zunehmende Schwierigkeit, Behördenmitglieder zu finden. Schon 2013 hatte der Kleinwanger Kirchgemeindepräsident Pius Isenegger im «Seetaler Bote» den Fusionsantrag seines Rats unter anderem damit begründet, es sei bei einer Vakanz jeweils «ein unheimlicher Chrampf», jemanden zu finden. Bienz-Geisseler weist zudem darauf hin, dass sich die Schere zwischen finanzstarken und finanzschwachen Kirchgemeinden immer mehr öffne. «Kann eine Kirchgemeinde ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, stellt sich ebenfalls die Frage einer Fusion.»

Der Synodalverwalter der Landeskirche, Edi Wigger, betont freilich: «Die Landeskirche unterstützt zwar Fusionen, fördert sie aber nicht aktiv und übt keinen Druck aus. Kirchgemeinden, die einen Zusammenschluss prüfen, stehen wir mit Rat und Tat zur Seite.» Wigger verweist auch auf die Wegleitung «Fusion von Kirchgemeinden», welche die Landeskirche 2014 aufgrund der Erfahrungen von Hohenrain und Kleinwangen erarbeitete.

Lastenausgleich trotz Fusion
Finanziell schwächere Kirchgemeinden unterstützt die Landeskirche schon heute über den Lastenausgleich. Dieses Jahr sind dafür insgesamt 1,2 Millionen Franken veranschlagt. Finanzielle Anreize für Fusionen gibt es nicht, aber das Gesetz sieht vor, dass ausgleichsberechtigte Kirchgemeinden bis zu fünf Jahre lang weiterhin mit Teilbeträgen rechnen können.

Dominik Thali

Schon 16 Fusionen im Thurgau

Viel Erfahrung mit Kirchgemeindefusionen hat der Kanton Thurgau. Hier sind innerhalb von acht Jahren durch sieben Fusionen 16 der ursprünglich 54 Kirchgemeinden weggefallen. Allein auf Beginn dieses Jahres gaben sieben Kirchgemeinden über drei Fusionen ihre Eigenständigkeit auf. Die grösste Fusion wurde vor sieben Jahren umgesetzt, als sich die sechs Kirchgemeinden von Frauenfeld, Gachnang, Herdern, Hüttwilen, Warth und Uesslingen zur Kirchgemeinde Frauenfeld plus zusammenschlossen. Die fusionierte Kirchgemeinde ist mit rund 12 000 Gläubigen die grösste im Kanton. Als wichtigen Grund für Fusionen nennt der Thurgauer Synodalverwalter Urs Brosi ebenfalls «die Schwierigkeit, Mitglieder für Kirchgemeindebehörden zu finden». Er stellt aber auch ein wachsendes Bewusstsein dafür fest, «dass die Kirche in Zukunft mitgliederärmer und finanzschwächer» werde. Fusionsdruck übe auch die Thurgauer Landeskirche nicht aus, sagt Brosi. Sie gewähre aber allen Kirchgemeinden nach einer Fusion einmalige Beiträge an die Kosten dafür und zahlt Ausgleichsgemeinden während vier Jahren Übergangsbeiträge, falls der Finanzausgleich fusionsbedingt abnimmt. Vor drei Jahren wurde der Finanzausgleich zudem so umgestaltet, dass Ausgleichsgemeinden nach einer Fusion in etwa die Summe der früheren Beiträge erhalten. Damit wurde die sogenannte «Heiratsstrafe» gestrichen.

Erste Fusion im Aargau, Gross-Fusion in Bern

Erste Fusionserfahrungen hat der Kanton Aargau gesammelt, wo sich auf 2014 die Kirchgemeinden Zeihen und Hornussen im Fricktal zusammenschlossen. Im Kanton Bern schliesslich sollen bis 2022 die zwölf Kirchgemeinden der Stadt und Region sowie deren Gesamtkirchgemeinde zu einer einzigen Kirchgemeinde Region Bern fusionieren. Dies beschloss das Kirchenparlament im vergangenen November.