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Kirchensteuern zahlen – zum Beispiel für die Jugendarbeit

Jungwacht- und Blauringscharen gibt es viele im Kanton Luzern. Sie werden von der Kirche unterstützt. © 
 zvg
Jungwacht- und Blauringscharen gibt es viele im Kanton Luzern. Sie werden von der Kirche unterstützt. © zvg

Für die Kirche Steuern bezahlen? Diese Ausgabe streichen manche, wenn sie die Steuererklärung ausfüllen. Was sie damit bewirken? In Rom nichts. Im eigenen Dorf fehlt es dafür an Geld für Angebote, die den Ausgetretenen ebenfalls zugute kommen.

110 Millionen Franken Steuern nehmen die 85 Luzerner Kirchgemeinden ein. Davon bleiben gut 92 Prozent vor Ort. Und kein Rappen fliesst nach Rom. Dieser Hinweis löse jeweils «am allermeisten Erstaunen» aus, wenn sie gelegentlich erkläre, wofür die Kirchensteuern verwendet würden, sagt Theres Küng, Leiterin des Pastoralraums Michelsamt. «Und das beruhigt die Leute jeweils», fügt Thomas Odermatt an, Kirchgemeindepräsident von Ballwil. Er macht es wie Theres Küng: Immer wieder erklären, wofür das Geld verwendet wird. «Das wird dann oft verstanden.» Küng erwähnt unter anderem die Notfallseelsorge, weil dies ein ungewöhnliches Angebot sei. Odermatt bringt die Pfadi ins Spiel: «Sie ist in unserem Dorf sehr beliebt und darum immer ein guter Aufhänger.»

Die Kirche baut für alle
Anton Kaufmann, Kirchgemeindepräsident von Sursee, vermutet, dass zahlreiche Austritte des Geldes wegen erfolgten. Für ihn ist jedoch klar: «Ohne Kirchensteuern verarmt unser soziales Gefüge.» Die Liste von kirchlichen Angeboten und Dienstleistungen in Sursee, welche die Gemeinschaft prägen, ist lang und reicht von der Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Seniorenbetreuung, über den Sozialdienst bis zur Kulturförderung. Kaufmann erwähnt auch den 350-plätzigen Bankett-Saal im geplanten Pfarreizentrum. Einen so grossen Mehrzwecksaal, den auch die Öffentlichkeit benutzen werde, gebe es in Sursee bis jetzt nicht.

Die politische und die Kirchgemeinde arbeiten vielerorts Hand in Hand. Die Kirchgemeinde Ballwil beispielsweise unterstützt ab dem nächsten Schuljahr die Gemeinde darin, dass Kinder aus dem nahen Weiler Ottenhusen weiterhin nach Ballwil zur Schule können. «Wir helfen mit, dass die Kinder von Ottenhusen nicht nach Hohenrain abwandern und dadurch Ballwil von einem grossen sozio-kulturellen Verlust verschont bleibt.» Die Einwohnerinnen und Einwohner von Ottenhusen würden seit jeher eher als Ballwiler denn als Hohenrainer verstanden, obwohl sie auf deren Gemeindegebiet lebten.

Viele zahlen mit Freude
Gleichwohl: Die Kirchensteuer sei «ein Thema, das die Leute bewegt», sagt Thomas Odermatt. Diakon Paul Berger, Pfarreileiter von Zell, hört anderseits «aber doch ab und zu, dass die Leute Freude daran haben, mit ihren Steuern einen Beitrag an die Seelsorge leisten zu können». Die Seelsorge ist für Berger als Pfarreileitenden «die allerwichtigste Aufgabe», und dazu gehört für ihn auch, «dass wir Kinder und Jugendliche in eine Beziehung zu Gott und zum Glauben bringen». Herbert Gut, Gemeindeleiter der Luzerner Johannes-Pfarrei, spricht, etwas neutraler, von «Wertevermittlung in der Kinder- und Jugendarbeit». Für ihn ist klar: «Wer zur Kirche austritt, entzieht einzig und allein der Pfarrei vor Ort wichtige Beiträge.»
Gelegenheiten zur Information nutzen und auch Danke sagen: Das ist den Verantwortlichen deshalb wichtig. Franziska Stadler, Leiterin der Pfarrei Gettnau, bringt das Thema auch mal zur Sprache, wenn sie Menschen begegnet die sie selten in der Kirche oder an einem Anlass trifft. «Oft sagen sie mir dann ja als Erstes: Ja, ich bin halt nicht so ein fleissiger Kirchgänger. Dann reden wir vielleicht darüber, was das eigene Kirche-sein denn ausmacht und oft kann ich abschliessend sagen: und zu all dem kommt noch ihr finanzieller Beitrag, mit dem wir viel Wichtiges in unserer Pfarrei tun können.»

Geld fliesst wieder zurück in die Kirchgemeinden
Übrigens: Die restlichen rund 8 Prozent der Kirchensteuereinnahmen fliessen an die Landeskirche und über diese auf die Bistums- und nationale Ebene. Dieses Geld wird für Aufgaben eingesetzt, die über den Kanton Luzern hinausgehen und allen zugute kommen, zum Beispiel die kirchliche Medienarbeit.
Aber auch die Mittel, welche die Landeskirche selbst erhält, gelangen zu einem Teil direkt oder indirekt zurück in die Kirchgemeinden: über Baubeiträge, den Finanzausgleich, die Ausbildung von Katecheten/-innen oder Dienstleistungen wie die «Kirchlichen Medien».

Dominik Thali

Unternehmen tragen mit

Die juristischen Personen – Unternehmen also – bezahlen im Kanton Luzern ebenfalls Kirchensteuern. Dies hält die Verfassung fest. Der Ertrag aus dieser Steuer muss jedoch für soziale und kulturelle Zwecke verwendet werden. Dies hat der Kantonsrat im vergangenen September beschlossen. Das geänderte Kirchenverfassungsgesetz tritt am 1. März in Kraft.
Im Kanton Luzern bezahlen Unternehmen jährlich rund 16,5 Millionen Franken an Steuern an die drei Landeskirchen. Die Firmen tragen damit die vielen Leistungen der Kirchen für die Gesellschaft mit, von der auch ihre Mitarbeitenden profitieren.