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Kirchenfinanzierung: Das meiste Steuergeld bleibt vor Ort

Im katholischen Kanton Luzern fliessen pro Kirchenmitglied über 15 Jahre über 500 Franken Steuern. | © 2019 Dominik Thali
Im katholischen Kanton Luzern fliessen pro Kirchenmitglied über 15 Jahre über 500 Franken Steuern. | © 2019 Dominik Thali

Woher hat die Kirche ihr Geld? Dass in der Schweiz die Katholikinnen und Katholiken ihre Steuer nicht dem Bischof entrichten, sondern – mehrheitlich – der Kirchgemeinde, ist weltweit einzig­artig. Die Kirche ist insgesamt reich, die Erträge sind aber unterschiedlich verteilt.

In 21 der 26 Kantone bezahlen Katholikinnen und Katholiken die Kirchensteuer ihrer Kirchgemeinde. Diese kann den grössten Teil davon für ihre Aufgaben vor Ort verwenden – im Kanton Luzern 93 Prozent. Der Rest fliesst nach oben, für kantonale und gesamtschweizerische Aufgaben. «Die finanziell stärkste Ebene ist die lokale von Kirchgemeinde und Pfarrei», sagt Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), der Dachorganisation der Kantonalkirchen. Damit sind auch die Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort am grössten. Hier sind – vereinfacht – die staatskirchenrechtlich Verantwortlichen für das Bezahlen zuständig und die kirchlichen für die Seelsorge. Wofür das Geld ausgegeben werden soll, können beide Führungslinien aber nur gemeinsam regeln. Das duale System lebt von der Partnerschaft.

In fünf Kantonen finanziert sich die Kirche anders. In Genf und Neuenburg ist sie vom Staat am stärksten getrennt. Dieser anerkennt zwar die Leistungen der Kirchen und erhebt einen Kirchenbeitrag, der aber freiwillig ist. In Neuenburg erhalten die anerkannten Kirchen zudem einen Staatsbeitrag. Das Wallis kennt ebenfalls keine Kirchensteuer-Pflicht; hier leisten die Gemeinden Beiträge an die Pfarrei-Budgets und der Kanton an das Bistum. Ein ähnliches System kennt das Tessin. In der Waadt schliesslich ist die Kirche öffentlich-rechtlich anerkannt, hat aber keine Steuerhoheit. Dafür unterstützt der Kanton die Kantonalkirche mit einem Staatsbeitrag.

Luzern zählt zu den finanzstarken Kantonen
Auch wenn es in der Schweiz also kein flächendeckendes Kirchensteuersystem gibt, das stabile Einnahmen garantiert, sei die Kirche hier «insgesamt reich», stellt Kosch fest. Die rund drei Millionen Katholikinnen und Katholiken, die steuerzahlenden Unternehmen und die öffentliche Hand stellen der römisch-katholischen Kirche jährlich rund 1 Milliarde Franken zur Verfügung.

Die Unterschiede sind allerdings beträchtlich. Während im Kanton St. Gallen eine Katholikin/ein Katholik (über 15 Jahre alt) jährlich rund 715 Franken und in Zug 702 Franken entrichtet, sind es im Kanton Genf nur 62 Franken. Luzern gehört mit einem Pro-Kopf-Beitrag von 521 Franken zum obersten Viertel. In absoluten Zahlen ist Luzern mit 108 Millionen Franken nach Zürich und St.Gallen der Kanton mit den dritthöchsten Steuereinnahmen.

Dominik Thali

Kirchensteuer für Juristische Personen: ein Sonderfall

Natürliche Personen zahlen auch in anderen Ländern Kirchensteuern, juristische Personen dagegen nur in der Schweiz – ein Sonderfall wie das duale System. Die Überlegung dahinter: «Die Wirtschaftsbetriebe sollen dort, wo sie ihren Sitz haben, ebenfalls etwas zum Wirken der Kirche beitragen, sie haben ja auch einen Nutzen von den Beiträgen der Kirche zum Gemeinwohl», erklärt RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch. 20 der 26 Kantone kennen eine Kirchensteuerpflicht für juristische Personen. Im Wirtschaftskanton Zug machen die Erträge daraus sogar die Hälfte der Einnahmen der Kirche aus. In einem Kanton – Neuenburg – ist die Bezahlung freiwillig. Keine Kirchensteuer bezahlen juristische Personen in den Kantonen Aargau, Appenzell-Ausserrhoden, Basel-Stadt, Schaffhausen und Genf. Juristische Steuereinnahmen sind Zweckgebunden Im Kanton Luzern schreibt seit einem Jahr das «Gesetz über die Kirchenverfassung» eine Zweckbestimmung vor: Die Erträge aus den juristischen Kirchensteuern dürfen nur für soziale und kulturelle Tätigkeiten, nicht aber kultische, verwendet werden.