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Kirchen unterstützen Asylsuchende: Erfahrungen machen, Erfahrungen teilen

Voneinander erfahren, voneinander lernen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gespräch am Austauschtreffen zur Betreuung von Asylsuchenden in Luzern am 19. Mai. | © 2016 Dominik Thali
Voneinander erfahren, voneinander lernen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gespräch am Austauschtreffen zur Betreuung von Asylsuchenden in Luzern am 19. Mai. | © 2016 Dominik Thali

Welche Erfahrungen machen Kirchgemeinden und Pfarreien in der Betreuung von Asylsuchenden? Wie können andere diese nutzen? Die Landeskirche bringt die Beteiligten miteinander ins Gespräch. Der Austauschabend am 19. Mai war der erste Knoten für ein stärkendes Netz.

Ein Jahr lang, 2015, lebten um die 50 Asylsuchende in einer unterirdischen Notunterkunft in Dagmersellen. Die Integrationsgruppe der Gemeinde, stark von der Kirche getragen, setzte sich von Anfang an für sie ein. Katharina Jost Graf, Theologin und Seelsorgerin in der Pfarrei, spricht rückblickend von einer «ganz wertvollen Erfahrung». Das Engagement habe Menschen miteinander vernetzt, die Asylsuchenden ebenso wie Dorfbewohnerinnen und -bewohner. «Wir haben uns als Kirche profiliert, nach innen und aussen. Es gab gute Gespräche auch mit Leuten, die kritisch eingestellt sind.»

«…dann ist die Luft schnell draussen»
Die Kirchen – katholische wie reformierte – setzen sich auf vielfältige Weise für die Menschen ein, die bei uns Zuflucht suchen. Nicht immer aber laufen die Dinge so rund wie in Dagmersellen, und oft kommen Profis wie Freiwillige, die lieber anpacken möchten, statt Gesuche einzureichen, mit den Gegebenheiten nicht zurecht. «Wenn man nicht einmal einen Kuchen ohne Einwilligung des Sozialvorstehers bringen darf, wenn die Gemeinde blockt, ist die Luft schnell draussen», sagte eine Seelsorgerin eines Pastoralraums an dem Austauschtreffen vom 19. Mai, zu dem die katholische und reformierte Landeskirche gemeinsam eingeladen hatten. Oder: Wie mit einem abschlägigen Asylentscheid umgehen? Wie auf einen Übergriff reagieren?
Gut 30 Personen nahmen an dem Abend teil. «Der Wille, sich zu engagieren, hat mich sehr beeindruckt», fasste Carmen Jud. Leiterin der Fachstelle Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit der reformierten Kantonalkirche den Abend zusammen. Deutlich wurde aber auch: Es gibt zwar genug Freiwillige, die sich engagieren wollen. «Aber sie haben viele Fragen und brauchen Begleitung», sagte Doris Nienhaus von der Caritas Luzern. Dass seit diesem Jahr nicht mehr die Caritas, sondern der Kanton die Asylsuchenden betreut, ab dem nächsten Jahr auch die anerkannten Flüchtlinge, und dass der Kanton neu auch eine Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit für Flüchtlinge aufbauen will, macht die Sache nicht übersichtlicher. Wichtig sind verlässliche Anlaufstellen, Vernetzung und Erfahrungsaustausch aber nicht nur für die Betreuungspersonen, sondern auch die Asylsuchenden und Flüchtlinge selbst. Sie müssen wissen, wohin sie sich wenden können, wenn sie nicht mehr in einer betreuten Gruppenunterkunft, sondern einer Wohnung leben.

«Einfach anfangen. Klein»
Denn «das wichtigste sind soziale Kontakte», sagte Marco Fellmann, Leiter der Temporärunterkunft Beromünster und Kirchgemeindepräsident von Dagmersellen. Er weiss um die Bürokratie, die im Asylwesen Überhand nehmen kann, aber auch, dass Begegnung möglich ist: «Vielleicht gilt es, weniger nachzudenken und mehr aufs Herz zu hören», schrieb ihm eine Betreuerin in einer Mail, aus der Fellmann vorlas. Bernadette Inauen, in der Kirchgemeinde Luzern in der Integration engagiert, hakte hier ein: «Geht direkt in die Unterkünfte, und redet mit den Leuten», sagte sie aus ihrer Erfahrung. Und: «Einfach anfangen. Klein. Daraus entsteht dann etwas.»Wichtig sei es, Orte und Gelegenheiten der Begegnung zu schaffen.

Voneinander erfahren, voneinander lernen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gespräch am Austauschtreffen zur Betreuung von Asylsuchenden in Luzern am 19. Mai. | © 2016 Dominik Thali

Voneinander erfahren, voneinander lernen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gespräch am Austauschtreffen zur Betreuung von Asylsuchenden in Luzern am 19. Mai. | © 2016 Dominik Thali

Viele Kirchgemeinden und Pfarreien engagieren sich bereits in der Betreuung von Asylsuchenden - und vieles gelingt gut. | © 2016 Dominik Thali

Viele Kirchgemeinden und Pfarreien engagieren sich bereits in der Betreuung von Asylsuchenden – und vieles gelingt gut. | © 2016 Dominik Thali

Fortsetzung folgt

Die Austauschabende im Bereich Integration, Migration und interkultureller Dialog fanden bis jetzt jährlich statt. Der Rhythmus soll nun aber enger werden. Diese Absicht des Vorbereitungsteams (Carmen Jud, Thomas Villiger, Nicola Neider) unterstützen die Teilnehmenden am Treffen vom 19. Mai. Sie wünschten zudem, dass die Runden an wechselnden Orten auf der Landschaft angeboten werden.