Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

Kerzen in der Kirche: viel Bienenwachs und kein Palmöl drin

Der bräunliche Schimmer deutet auf den Bienenwachsanteil hin: Jesuitenkirche-Sakristan Markus Hermann mit einer Altar- und einer Ewig-Licht-Kerze. | © 2019 Dominik Thali
Der bräunliche Schimmer deutet auf den Bienenwachsanteil hin: Jesuitenkirche-Sakristan Markus Hermann mit einer Altar- und einer Ewig-Licht-Kerze. | © 2019 Dominik Thali

Sind Kirchenkerzen nachhaltig? Solche von höherer Qualität enthalten kein umweltbelastendes Palmöl und bestehen zu über der Hälfte aus Bienenwachs. Eine kirchenrechtliche Vorschrift dafür gibt es aber entgegen der landläufigen Meinung nicht.

50 bis 60 Altarkerzen brennen in der Luzerner Jesuitenkirche pro Jahr nieder, es braucht ferner einen Satz Apostelkerzen, etwa fünf Dutzend Ewiglicht-Kerzen, hunderte dieser dünnen Kerzen Rorate- und Osternacht-Feiern oder ein paar Anzündrollen. Wenn Markus Hermann, seit neun Jahren Sakristan in diesem Gotteshaus, die Kerzenschublade in der Sakristei öffnet, duftet es daraus fein nach Bienenwachs. Die Kirchenkerzen bestehen zu mehr als der Hälfte daraus.

Palmöl zerstört Lebensraum
Nachhaltigkeit bei Kerzen sei dennoch nicht einfach zu erreichen, schreibt das Hilfswerk Fastenopfer. Palmölhaltige Stearinkerzen würden oft als ökologische oder nachhaltige Kerzen angepriesen. «Palmöl ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, doch bei der Anlage der Plantagen sind Menschenrechtsverletzungen und Zerstörung von Lebensraum an der Tagesordnung», erklärt das Fastenopfer. Es empfiehlt deshalb, «Kerzen von guter Qualität» zu wählen und «wenn möglich aus lokaler Produktion» einzukaufen.

Zum Beispiel bei der Firma Herzog in Sursee, bei der die meisten Luzerner Pfarreien ihre Kirchenkerzen beziehen. «In unserer Produktion wird kein Palmöl verwendet», betont Geschäftsführer Martin Brun. Der Restanteil der Kirchenkerzen besteht aus Paraffin, einem Nebenprodukt der Erdölverarbeitung. Billigere Liturgische Kerzen aus dem Ausland enthielten oft nur zehn Prozent Bienenwachsanteil und entsprächen nicht den Schweizerischen Vorgaben.

«Vorschrift gibt es nicht»
Was diese betrifft, beruft sich auch die Firma Herzog auf das sogenannte «Liturgische Gesetz», gemäss dem Kirchenkerzen zu 55 Prozent aus Bienenwachs bestehen müssen. Nur: «Eine solche Vorschrift gibt es nicht», sagt der Theologe Martin Conrad vom Liturgischen Institut in Freiburg. In den liturgischen Büchern, zum Beispiel dem Römischen Messbuch, werde nichts über das Material der liturgischen Kerzen gesagt, ausser was die Osterkerze und das Ewige Licht anbelange. Wobei für die Osterkerze laut Conrad nur festgehalten wird, dass sie «um der Echtheit des Zeichens willen eine wirkliche Kerze aus Wachs sein» solle. Für die Kerzen, die während der Messe brennen, gelte die Vollmacht der Bischofskonferenzen, geeignetes Material auszuwählen.
Bischofsvikar Hanspeter Wasmer vermutet, es habe wohl vor Jahrzehnten einmal die Bischofskonferenz der Schweiz die Regel mit den 55 Prozent Bienenwachsanteil erlassen. Dass die örtlichen Bischofskonferenzen für das Kerzenmaterial zuständig seien, mache Sinn, weil ja nicht in jedem Land das gleiche Brennmaterial zur Verfügung stehe.

Dominik Thali