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Katechetin Silvia Buob: «Glaube heisst, nie aufhören zu fragen»

«Sich Zeit nehmen, auch für Geschichten»: die Katechetin Silvia Buob tut dies mit Leidenschaft - zum Beispiel in ihrer «Gschechtestobe» in der Unteren Kaplanei in Ruswil. | © Céline Erni, «Anzeiger vom Rottal»
«Sich Zeit nehmen, auch für Geschichten»: die Katechetin Silvia Buob tut dies mit Leidenschaft - zum Beispiel in ihrer «Gschechtestobe» in der Unteren Kaplanei in Ruswil. | © Céline Erni, «Anzeiger vom Rottal»

Spätestens seit der Veröffentlichung ihrer zwei Kinderbücher ist Silvia Buobs Name weit über das Rottal hinaus bekannt. Im Gespräch mit dem «Anzeiger vom Rottal» verrät die Katechetin, die bei der Landeskirche ihre Ausbildung absolvierte, wie sie im Hochsommer eine Weihnachtsgeschichte schrieb, warum sie Dinge liegen lässt und wie sie durch «learning-by-doing» zum Glauben fand.

Dieses Porträt von Céline Erni erschien am 15. März 2018 im «Anzeiger vom Rottal», besten Dank für das Wiedergaberecht.

«Ond wössid ehr, was i dem Schachteli enne gse esch?» Sechs Paar Kinderaugen schauen Silvia Buob gespannt an. Sie erzählt die Geschichte von Anna, Lisa, Peter und Felix, die einen Schneemann bauen und ihm ein «Schachtelherz» geben. Wir sitzen in der Unteren Kaplanei, in der «Gschechtestobe», die Silvia Buob liebevoll eingerichtet hat. Die Idee zum Projekt hatte sie schon im Sommer 2016 als sie sich dachte: «Ich wünsche mir wieder einen Kindergartenraum. Ich muss einfach einen Raum haben, in dem ich und die Kinder sich entfalten können und auch mal etwas liegen lassen dürfen. Nur so kann es sich entwickeln und wirken.» Da sei dann die Pfarrei eingesprungen und habe ihr den Raum zur Verfügung gestellt. Im Advent vor einem Jahr war dann die «Gschechte-stobe» zum ersten Mal geöffnet. In regelmässigen Abständen hat Silvia dort Geschichten erzählt unter anderem eben von Anna, Lisa, Peter und Felix.

Sommerliche Eingebung

Diese vier Freunde sind nämlich die Protagonisten von zwei Kinderbüchern, die Silvia Buob und Tania Piscioli herausgegeben haben. Die Geschichte kam wie eine Eingebung zu Silvia Buob. «Ich war auf einem Spaziergang – ich erinnere mich genau an den Weg – als sich diese Geschichte in meinem Kopf formte. Nach eineinhalb Stunden war die komplette Weihnachtsgeschichte fertig. Man bedenke dass es Sommer war! Ich ging nach Hause, setzte mich hin und schrieb die ganze Geschichte in einem Schnuutz nieder», erinnert sie sich. Und noch an diesem Tag fasste sie den Entschluss, etwas aus dieser Geschichte zu machen. Sie nahm Kontakt auf zu Tania Piscioli, eine Arbeitskollegin ihrer Tochter, und fragte sie spontan an, ob sie ihre Geschichte illustrieren würde. Piscioli ihrerseits war begeistert und begann sofort damit, erste Entwürfe fertigzustellen. Auf Pisciolis Vorschlag, eine Collage zu machen, reagierte Silvia Buob zunächst mit Skepsis, wie sie sagt. Sobald sie aber den ersten Entwurf in den Händen hielt, wusste sie: Das ist es! Und die Zusammenarbeit lief wie geschmiert. Nachdem Tania Piscioli «zäggzägg» die Bilder gemacht hatte, aber kein Verlag in Sicht war, druckten die beiden das Buch, den «Blinzelengel», kurzerhand in Eigenregie bei der Meyer Rottal Druck AG.

Eine himmlische Erfolgsgeschichte

Im neuen Jahr gingen Buob und Piscioli auf die Suche nach einem Verlag für ihre Geschichte. Nach vielen Absagen erhielten die beiden endlich eine Zusage vom Rex Verlag in Luzern. «Wir hatten ein Riesenschwein, aber dann wurde es streng», erzählt Silvia Buob und führt aus: «Es ist spannend, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten. Man lernt viel, geht an Besprechungen, liest alles 1000 Mal durch und ändert und verschiebt bis zur letzten Minute vor dem Druck. Das letzte Wort hatte aber immer ich.» Kein Wunder also, dass Silvia Buob ihr zweites Buch – «Wo bist du?» – ebenfalls bei diesem Verlag herausgegeben hat und ein Nächstes bereits in Planung ist.

Und die Bücher haben es in sich. Silvia Buob schwärmt: «Ich bekomme viele gute Rückmeldungen von Leuten, die mit der Kirche absolut gar nichts am Hut haben, aber sich solch tiefgründige Gedanken gemacht haben und dann zu mir sagen: Doch, diese Geschichte spricht mich an, sie löst etwas in mir aus.» Auf die Frage, ob es denn Mut brauche, ein Kinderbuch mit christlichen Themen herauszugeben, verneint Silvia Buob und lächelt. «Nein, das braucht keinen Mut. Ich habe die Geschichte als Mensch, nicht als Katechetin geschrieben. Sie soll Menschen berühren und nicht Menschen in die Kirchenbänke locken. Meine Geschichte regt an zum Denken, jeder kann etwas für sich aus ihr gewinnen. Für mich sind es halt die christlichen Werte.»

Vom Nicht-Suchen und Finden

Diese christlichen Werte, die Silvia Buob heute als Religionslehrerin weitergibt, nahmen nicht immer einen grossen Stellenwert in ihrem Leben ein. In Littau aufgewachsen, kam sie im frommen Elternhaus zwar schon früh mit der katholischen Kirche in Kontakt. Doch dem Glauben, der Silvia Buob als Kind vermittelt wurde, konnte sie als junge Erwachsene nichts für sich abgewinnen. «Es hat mich einfach nicht mehr interessiert und ich habe mich von der Kirche distanziert», erklärt sie. Zum Glauben kam sie später durch Zufall wieder. Sie beteiligte sich als engagierte Mutter an einem kirchlichen Projekt und machte mit ihrer Kreativität und ihrem Elan auf sich aufmerksam. Bald darauf kam die Anfrage der Kirche, ob sie nicht mit Pastoralassistent Thomas Mauchle die Familienkatechese in Ruswil aufbauen wolle. Also musste sie sich zwangsläufig mit der Kirche auseinandersetzen. «Am Anfang war alles neu und ich musste organisieren und mitbestimmen, dabei hatte ich keine Ahnung von alledem. In dem Moment geht es weniger um dich selber, du schickst dich einfach mal drein und lernst, wo man sich Unterlagen holt, wie welche Inhalte vermittelt werden und wie man sie verständlich machen kann. Erst durch diesen Prozess kam ich langsam an meinen Glauben heran. Es musste einfach so sein.

In mir, in dir, in allem

Heute nimmt der Glaube eine sehr grosse Rolle in Silvia Buobs Leben ein. «Er stärkt mich. Ich denke, der Glaube gibt mir Sinn. Ich glaube, dass es Sinn macht, dass ich hier bin; ich habe eine Aufgabe zu erfüllen und ich kann etwas erreichen. Ich kann auch an mich glauben, an die Welt, es gibt etwas Riesiges und es ist in mir, es ist in allem. Glaube ist vor allem auch in der Natur; wenn ich Glauben beschreiben müsste, könnte ich das am besten in der Natur. Ich sage auch meinen Schülern immer: Ich glaube an einen Gott, der nichts anderes ist als die Liebe in allem.» Diesen Glauben will Silvia als Religionslehrerin nun weitergeben. Nachdem der Stein für die Familienkatechese in Ruswil angestossen war, absolvierte Silvia Buob die Ausbildung zur Katechetin und unterrichtete gleichzeitig bereits in einem kleinen Pensum. Silvia erklärt auch, warum sie es für wichtig hält, dass die Kinder die Rituale und Feste der Kirche kennenlernen: «Ein Kind sollte die Orte, die Rituale und Feste der Religion kennenlernen, damit es für sich entscheiden kann, ob es das für sich will oder nicht. Man sollte dem Kind also die Möglichkeit geben Religion für sich zu entdecken.»

Fragen ohne Antworten

Für Silvia Buob stellt die Integration des Glaubens in die moderne Familie denn auch kein Paradoxon dar. Sie ist überzeugt, dass viel Gutes schon in kleinen Zeichen steckt: «Ich denke, mit einer Wertschätzung kann man in der Familie vieles weitergeben. Bewusste Dankbarkeit leben, sich Zeit nehmen, gerade auch für Geschichten, Gemeinschaft leben, sich überlegen, was ist uns wichtig, was ist für die Welt wichtig. In der Familie über die grossen Fragen reden, die niemand beantworten kann. Weihnachten feiern, aber darüber reden, warum wir Weihnachten feiern. Darüber reden, was uns berührt. Man kann auch mit ganz kleinen Kindern schon Glauben leben. Für Kinder ist der Glaube sowieso das Natürlichste der Welt. Sie müssen nichts erklären, für sie ist es akzeptabel, dass man gewisse Fragen nicht beantworten kann. Erst später kommt dann die Phase, in der alles drunter und drüber geht und man sich abkapselt und seine Energie in die Gesellschaft investiert. Und dann kommt man irgendwann im Leben an einen Punkt, an dem man wieder an etwas glaubt. Vielleicht ist es dann der christliche Glaube oder auch etwas anderes. Glaube heisst, nie aufhören zu fragen.»

Blinzelengel

Vier Freunde und eine Idee: Anna, Peter, Felix und Lisa auf dem Weg zur Waldhütte, in der die Flüchtlingsfamilie lebt, die sie heimlich unterstützen – eine der Illustrationen aus dem «Blinzuelengel»-Buch. | © 2016 Tania Piscioli