Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

Kantonsspital regelt Auskünfte an Pfarreiseelsorge neu: Datenschutz schränkt Seelsorge ein

Seelsorge-Besuche im Spital: Datenschutz und Berufsgeheimnis regeln, wann Informationen an die Wohnort-Pfarrei weitergegeben werden. | © shutterstock.com
Seelsorge-Besuche im Spital: Datenschutz und Berufsgeheimnis regeln, wann Informationen an die Wohnort-Pfarrei weitergegeben werden. | © shutterstock.com

Wer in einem der Luzerner Kantonsspitäler liegt und Seelsorge­besuch aus seinem Wohnort wünscht, muss dies neu bei der Anmeldung ausdrücklich angeben. Das sorgt bei Seelsorgenden für Unmut. Das Spital verweist auf den Datenschutz.

Seit August melden alle drei Standorte des Kantonsspitals (Luzern, Sursee, Wolhusen) den Pfarreien oder Religionsgemeinschaften nur noch jene Patientinnen und Patienten, die dazu auf dem Anmeldeformular ihre Zustimmung erteilen (siehe Kasten). Dadurch ist die Zahl jener, die dies wünschen, auf 10 bis 20 Prozent gesunken. Das Kantonsspital begründet die neue Regelung mit dem Datenschutz und Berufsgeheimnis. Angaben über die religiöse Haltung zählten zu den «besonders schützenswerten Personendaten». Zu beachten sei auch die zunehmende Sensibilität im Umgang mit Daten, sagt die leitende Spitalseelsorgerin Brigitte Amrein.

«Nie eine negative Reaktion»
Die rechtlichen Vorgaben respektieren auch die Gemeindeseelsorgenden. Gleichwohl bedauern sie die neue Regelung. Er habe «nie eine negative Reaktion» auf einen Besuch erhalten, sagt Diakon Rolf Asal, Seelsorger in Adligenswil. Er findet: Wenn jemand seine Konfession angebe, sollte man davon ausgehen können, dass er mit dem Besuch eines Seelsorgers seiner Pfarrgemeinde einverstanden sei. «Wenn man aber extra angeben muss, dass die Pfarrgemeinde informiert werden kann, dann wird oft die Reaktion sein: Nein, das ist doch nicht nötig.»

Bernhard Koch, Gemeindeleiter der Pfarrei Littau, fügt an, Patientinnen und Patienten könnten ja auch vergessen, auf dem Anmeldeformular den Besuchswunsch anzukreuzen, weil es ihnen nicht gut gehe. «Genau diese Menschen werden wir in Zukunft nicht mehr besuchen können.» Die Spitalbesuche hätten zudem «neue, niederschwellige Kontakte mit der Pfarrei ermöglicht, die sonst nicht hätten entstehen können – auch mit kirchenfernen Personen». Für Ruedy Sigrist, Leiter des Pastoralraums Kriens, ist die neue Praxis des Kantonsspitals deshalb «ein Entscheid, der das Wohl des Patienten nicht fördert». Früher habe Priester Karl Abbt wöchentlich an einem Nachmittag 8 bis 14 Personen aus Kriens im Spital besucht. «Doch heute stehen auf der Liste noch ein bis zwei Namen, was unsere Besuche überflüssig macht.»

Spitalseelsorgerin Brigitte Amrein kann nachvollziehen, dass es für die Seelsorgenden aus Pfarrei oder Kirchgemeinde «frustrierend» sein könne, wenn nur noch wenige Patienten auf der Liste stünden. Es gebe jedoch auch in den Kantonsspitälern ein seelsorgliches Angebot. Und die Spitalseelsorge informiere auf Wunsch die Pfarreiseelsorge und ermögliche so Besuche weiterhin.

Zug macht keine Angaben
Auch die Klinik St. Anna in Luzern gibt nur mit Bestätigung der Patienten auf dem Anmeldeformular deren Aufenthalt Seelsorgenden von aussen bekannt. Das Kantonsspital Zug wiederum gewährt überhaupt keinen Einblick in die Konfessionslisten. In der «Regelung der Seelsorge im Zuger Kantonsspital» heisst es anderseits: «Auf Wunsch und nach Rücksprache mit unseren Patientinnen und Patienten hält die Spitalseelsorge Kontakt zu den Herkunftspfarreien und Kirchgemeinden.»

Aufenthaltsdauer sinkt
Brigitte Amrein erwähnt weiter, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrage nur noch knapp sechs Tage. «Wenn wir fragen, ob ein Besuch der Pfarreiseelsorge gewünscht wird, antworten die Patienten meist, dass sie nur kurz im Spital lägen und die Seelsorgenden ihres Wohnorts angesichts von deren knappen Zeit nicht ins Spital kommen müssten.»

Rolf Asal weiss um diese Zurückhaltung, hat jedoch anderseits erfahren: «Wenn man dann gleichwohl zu Besuch kommt, haben sich bisher alle gefreut und fühlten sich wertgeschätzt.»

Dominik Thali

Wer will, muss «Ja» sagen

Seit 1. August hat das Luzerner Kantonsspital die Information der Pfarreien über die Konfessions- oder Religionszugehörigkeit neu geregelt.

Neu gilt: Patientinnen und Patienten, die den Besuch der Seelsorge ihres Wohnorts/ihrer Religionsgemeinschaft wünschen, müssen diese Frage auf dem Eintrittsformular mit «Ja» beantworten.

Bisher galt: Wer die Frage nach dem Besuch nicht mit «Nein» beantwortete, erschien auf der Konfessionsliste, die das Spital der Wohnortseelsorge auf Nachfrage abgab. Weil viele Patientinnen und Patienten dies versäumten, war die Konfessionsliste entsprechend lang. Das führte anderseits zu Reklamationen wegen unerwünschter Seelsorge-Besuche.