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Ist der Tod ein Kommunikationsproblem?

Nicht bereits tot sein, bevor man stirbt. Palliative Care will helfen, im Prozess des Sterbens die Würde zu bewahren. | © Gregor Gander
Nicht bereits tot sein, bevor man stirbt. Palliative Care will helfen, im Prozess des Sterbens die Würde zu bewahren. | © Gregor Gander

In der Sterbebegleitung führt Caritas Luzern eine beachtliche Palette an Aus- und Weiterbildungen. Diese Angebote ziehen Menschen aus allen Berufsgruppen an, die sich freiwillig engagieren oder sich mit dem Thema auseiandersetzen wollen. Oft mit überraschenden Einsichten.

Draussen scheint die Sonne, der Himmel ist blau, eine leichte Brise weht vom See her – nicht gerade die Zeit, um über den Tod nachzudenken. Morgen aber auch nicht, denn da sind bereits Termine gesetzt, und überhaupt ist der Kopf so voll. Voll mit anderem. Dann kommt der Urlaub. Ja, das Sterben kann warten. Who cares, wen kümmerts?

Wie steht es um unsere Sterbekultur?

«Noch immer ist der Tod ein Tabu», stellt Margret Füchsle fest, die in ihrer Arbeit, ihren Kursen immer wieder erlebt, wie selbstverständlich, geradezu erleichternd es sein kann, über Sterben und Tod zu sprechen und sich mit Anderen darüber auszutauschen. Die Expertin auf dem Gebiet der Palliative Care wünscht sich ein grösseres, gemeinschaftlicheres Bewusstsein, mehr Offenheit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. «In unserer Gesellschaft besteht ein soziales Loch, das früher durch die (Gross-)Familie, die Nachbarschaft und Gemeinde abgedeckt war», erklärt Füchsle die Not, die zum Beispiel bei der Abdeckung von Sitzwachen besteht. Fachliches Wissen, die Versorgung sei wichtig, aber auch die Haltung in der Gesellschaft trage wesentlich zu einer Sterbekultur bei. Für die Sitznachtwachen braucht es Freiwillige, um die Familie oder das Pflegepersonal zu entlasten. In der Zentralschweiz gibt es derzeit 41 Gruppen, die ehrenamtlich Sterbebegleitung leisten, wie zum Beispiel die Luzerner Vereinigung zur Begleitung Schwerkranker. In diesen Gruppen werden Kompetenzen gefördert und Einsätze zu Hause oder in Pflegeinstitutionen verteilt. Häufige Wechsel am Bett sind die Realität.

Bewusst leben bis zum Tod

Palliative Care ist aus der Hospizarbeit entstanden und setzt den Fokus auf die Linderung, nicht die Heilung von Schwerkranken und Sterbenden. Es geht darum, das Leben der Betroffenen so lebenswert wie möglich zu machen. Bis zum Schluss. «Dabei ist es wichtig, die Menschen auf allen Ebenen abzuholen. Körpelich, psychisch und auch spirituell», sagt Füchsle. Freiwillige, die in der Sterbebegleitung tätig sind, sollen eine Grundausbildung absolvieren. Diese gibt das nötige Rüstzeug mit auf einen Weg, der nicht planbar ist. Ein Ziel des Ausbildungskurses ist es, ein Bewusstsein zu schaffen für dieses Unbekannte, das Unbegreifbare, die Bedrohung auch, die der Tod für jemanden sein kann. Dazu Füchsle: «Wir wissen es ja nicht besser. Was du wahrnimmst, ist deine Wahrheit.» Sie betont, wie wichtig es sei, in der Begleitung von Sterbenden Demut zu zeigen. Jedes Sterben ist anders, das weiss sie aus ihrer langjährigen Erfahrung. «De-Mut» doppelt sie gleich nach, denn Füchsle ist überzeugt: «Sich vertieft mit dem Thema Sterben und Tod auseinanderzusetzen, erfordert auch Mut.»

Sorgekultur, Sorgekunst

«Ich hätte nie gedacht, dass ich soviel über mich selbst lerne», so der Kommentar einer Kursteilnehmerin. Dass sich der Umgang mit dem Sterben verändert, bestätigt auch das Portrait der Sterbebegleiterin Anita Renggli auf zentralplus.ch («Wie eine Zugerin dem Tod immer wieder ins Auge blickt», 3.6.2018). So steckt in der englischen Bezeichnung care zwar die Pflege, aber auch das «I care for you», ich sorge mich um dich, schwingt mit. Und dieses Sorgetragen können wir lernen. «Mit dem Tod haben wir ein Kommunikationsproblem, solange wir keine innere Haltung dazu haben», meint Füchsle optimistisch.

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Fachtagung «Umsorgt und versorgt»

Am 14. September 2018 veranstaltet Caritas Luzern eine Fachtagung zum Thema Sorgekultur. «Sterben geht alle an. Wie kann es gelingen, von einer Versorgung zu einer miteinander getragenen Sorgekultur zu kommen?»

Mehr Infos und Anmeldung auf caritas-luzern.ch/fachtagung-sorgekultur

Zur Person

Margret Füchsle, Leiterin der Fachstelle Begleitung in der letzten Lebensphase bei Caritas Luzern, ist auch Referentin für Sterbebegleitung/Palliative Care, Pflegefachfrau und Clownin.