Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

«FrauenKirche Zentralschweiz» ruft zu Einspruch gegen den Krieg in Afrim auf

Blick über die Dächer von Jaramana, einem Vorort von Damaskus. Vertriebene aus ganz Syrien suchen in diesem Quartier Schutz. | © 2017 Alexandra Wey/Caritas Schweiz
Blick über die Dächer von Jaramana, einem Vorort von Damaskus. Vertriebene aus ganz Syrien suchen in diesem Quartier Schutz. | © 2017 Alexandra Wey/Caritas Schweiz

Die «FrauenKirche Zentralschweiz», eine Stelle, die sich auf ökumenischer Ebene für frauenspezifische Anliegen in den Kirchen einsetzt, nimmt Stellung für ein Ende des Krieges in Afrin/Nordsyrien. Die westliche Zivilgesellschaft solle endlich Einspruch erheben, der Bundesrat solle die Zivilgesellschaft bei ihren Friedensbemühungen unterstützen und dürfe die Bestimmungen für den Kriegsmaterialexport keinesfalls lockern.

Die Stellungnahme der «FrauenKirche» im Wortlaut: 

Die FrauenKirche Zentralschweiz ist erschüttert über den Krieg in Afrin. Afrin war bisher die sicherste Region Nordsyriens. Der Bezirk bot in den vergangenen Jahren Tausenden von Menschen Schutz vor dem IS, unabhängig von Religion und Herkunft. Sie fanden Zuflucht im eigenen Land. Die kurdische Bevölkerung Nordsyriens schuf eine Sicherheitszone und öffnete ihre Tore für alle, jesidische, christliche und muslimisch-arabische Kriegsvertriebene. In Afrin wurde der Wunsch Wirklichkeit, dass Geflüchtete im eigenen Land Sicherheit finden. Afrin heisst übersetzt: Gesegnete Schöpfung. Der Bezirk steht für multireligiöses Zusammenleben, Solidarität und Mitgefühl, für intelligente postpatriarchale Strukturen, an denen Minderheiten und Frauen beteiligt sind.

Die FrauenKirche Zentralschweiz ist in Kontakt mit geflüchteten Frauen aus Nordsyrien. Wir erleben die Verzweiflung über die türkische Invasion «Olivenzweig» durch «den kleinen Memet», wie Präsident Erdogan seine Armee nennt. Wir hören den tiefen Wunsch, die westliche Zivilgesellschaft möge endlich Einspruch erheben und helfen, dass das kurdische Rote Kreuz seine Arbeit tun kann, dass Nahrung und Medikamente in die Region kommen, dass der Krieg endlich aufhört.

Als religiöse Feministinnen sind wir erschüttert über den Missbrauch des Friedenssymbols «Olivenzweig». Es verschleiert die Gewalt gegen die multireligiöse Zivilbevölkerung aus Einheimischen und Geflüchteten. Wir weisen ausserdem darauf hin, dass patriarchale Kosenamen für Waffen und Armeen in einer langen Tradition stehen, die Gewalt verherrlicht und die Vernichtung einer solidarischen Zivilgesellschaft zum Ziel hat. Auch die Atombombe, die Hiroshima zerstörte, war «nur ein kleiner Bub»: Little Boy.

  • Wir beklagen, dass die Schweizer Öffentlichkeit und Politik mehrheitlich Geflüchtete in ihren eigenen Ländern versorgt haben will und jetzt schweigt, wenn eine Schutzzone angegriffen wird, die Geflüchteten im eigenen Land Zuflucht gegeben hat.
  • Wir ehren das multireligiöse Zusammenleben in den nordsyrischen Gemeinden und ihren jahrelangen Kampf gegen den IS. Wir ehren die Solidarität, Fremden trotz eigener Gefährdung die Türen zu öffnen.
  • Wir rufen die Schweizer Zivilgesellschaft dazu auf, den Geflüchteten mit Mitgefühl und Interesse zu begegnen.
  • Wir appellieren an den Bundesrat, die Zivilgesellschaft bei ihren Friedensbemühungen zu unterstützen und die Bestimmungen für den Kriegsmaterialexport keinesfalls zu lockern.
  • Wir bitten die religiösen Institutionen, für Afrin zu beten und fordern sie auf, mit ihren Friedenszeichen zu einer öffentlichen, solidarischen Symbolik beizutragen. Der Olivenzweig ist ein Friedenssymbol, das wir dringend brauchen, damit das schweigende Zuschauen endet und Afrin eine Zukunft hat.

Luzern, 19. Februar 2018, www.frauenkirche-zentralschweiz.ch