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Flüchtlingssonntag: Aufruf zu Mitmenschlichkeit

Flüchtlingselend - auch in Europa: einfache Lösungen gibt es nicht. | © 2015 Caritas internationalis
Flüchtlingselend - auch in Europa: einfache Lösungen gibt es nicht. | © 2015 Caritas internationalis

In ihrer gemeinsamen Botschaft zum Flüchtlingssonntag/Flüchtlingssabbat vom 18./19. Juni rufen die drei christlichen Landeskirchen zusammen mit der jüdischen Gemeinschaft zu Mitmenschlichkeit gegenüber Flüchtlingen auf: «Um unserer humanitären Tradition willen dürfen wir unsere Empathie für Menschen in Not nicht abhängig machen von ihrer rechtlichen Anerkennung als Flüchtlinge. Zwischen der Mitmenschlichkeit und der Anwendung politischer Unterscheidungskriterien klafft eine Lücke, in der sich die Gebrochenheit unserer eigenen menschlichen Existenz spiegelt.»

Der Aufruf im Wortlaut:

Hiobsbotschaften

«Was ist der Mensch, dass du gross ihn achtest und deinen Sinn auf ihn richtest» (Hiob 7,17)

Täglich neue Hiobsbotschaften über Flüchtlingselend, Flüchtlingswellen, Flüchtlingsrouten, Flüchtlingslager, Flüchtlingskontingente und Flüchtlingsunterkünfte. Sie überraschen nicht mehr, sondern gehören zum gesetzten Thema jeder Nachrichtensendung. An Hiob erinnert nicht das plötzliche Hereinbrechen der Katastrophe, sondern der enorme Sturm von Gewalt und Zerstörung, der alles mitreisst. In den Kriegs- und Konfliktregionen bleibt kein Stein auf dem anderen. Landkarten werden genauso durcheinandergewirbelt wie politische Koalitionen. Und in Europa strandet, wer diesen Sturm überlebt. Die Balken des europäischen Hauses knarren bedenklich unter diesen Sturmausläufern und auch in Europa bläst den Gestrandeten inzwischen ein scharfer Gegenwind ins Gesicht.

Natürlich – der Sturm trennt nicht zwischen Gewaltopfern, Notleidenden, Verfolgten, Trittbrettfahrern und Profiteuren. Aber wer sich zumutet, hier präzise unterscheiden zu können, sollte zuvor einen Blick auf Hiob werfen. Zuerst wird ihm sein riesiger Besitz genommen – ökonomisches Risiko! Dann wird seine Familie Opfer eines Wirbelsturms – das Schicksal kann jede und jeden treffen! Schliesslich zerstören Krankheiten seinen Körper – so ergeht es vielen!

Angesichts der riesigen Flüchtlingsströme steht mit Europa auch die Schweiz vor enormen Herausforderungen. Einfache Lösungen gibt es nicht. Um unserer humanitären Tradition willen dürfen wir unsere Empathie für Menschen in Not nicht abhängig machen von ihrer rechtlichen Anerkennung als Flüchtlinge. Zwischen der Mitmenschlichkeit und der Anwendung politischer Unterscheidungskriterien klafft eine Lücke, in der sich die Gebrochenheit unserer eigenen menschlichen Existenz spiegelt.

  • Gottfried Wilhelm Locher
    Präsident des Rates Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK
  • Bischof Charles Morerod
    Präsident Schweizer Bischofskonferenz SBK
  • Bischof Dr. Harald Rein
    Christkatholische Kirche der Schweiz CKS
  • Dr. Herbert Winter, Präsident
    Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund SIG